UNICEF

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Kinderhilfswerk der Vereinten Nationen (UNICEF)
United Nations International Children’s Emergency Fund

Logo von UNICEF

Bilaal Rajan für UNICEF in Malawi
Organisationsart autonome Organisation
Kürzel UNICEF
Leitung Vereinigte StaatenVereinigte Staaten Henrietta H. Fore[1]
Gegründet 1946
Hauptsitz New York City, New York,
Vereinigte StaatenVereinigte Staaten Vereinigte Staaten
Oberorganisation Vereinte NationenVereinte Nationen Vereinte Nationen
www.unicef.org

Das Kinderhilfswerk der Vereinten Nationen (englisch ursprünglich: United Nations International Children’s Emergency Fund, seit 1953 United Nations Children’s Fund, UNICEF) ist eines der entwicklungspolitischen Organe der Vereinten Nationen. Es wurde am 11. Dezember 1946 gegründet, zunächst um Kindern in Europa nach dem Zweiten Weltkrieg zu helfen. Heute arbeitet das Kinderhilfswerk vor allem in Entwicklungsländern und unterstützt in ca. 190 Staaten[2] Kinder und Mütter in den Bereichen Gesundheit, Familienplanung, Hygiene, Ernährung sowie Bildung und leistet humanitäre Hilfe in Notsituationen. Außerdem betreibt es auf politischer Ebene Lobbying, so etwa gegen den Einsatz von Kindersoldaten oder für den Schutz von Flüchtlingen. Die Organisation tritt weltweit für die Umsetzung der UN-Kinderrechtskonvention ein.

2016 lagen die Einnahmen bei 4,884 Milliarden US-Dollar und Ausgaben bei 5,427 Milliarden US-Dollar. Die Organisation finanziert sich aus den Beiträgen der UN-Mitgliedsstaaten und Spenden von öffentlichen und privaten Gebern.[3]

UNICEF weltweit

UNICEF wurde von der Generalversammlung der Vereinten Nationen am 11. Dezember 1946 gegründet, um Notfallnahrung und Gesundheitsversorgung für Kinder in Ländern, die an den Folgen des Zweiten Weltkrieges litten, bereitzustellen. Ludwik Rajchman (1881–1965), ein polnisch-französischer[4] Bakteriologe und Gründungsmitglied der UNRRA, gilt als Gründer von UNICEF und war von 1946 bis 1950 ihr erster Leiter, trat jedoch aus Protest gegen den Koreakrieg als Direktor zurück. Im Jahr 1953 wurde UNICEF den Sonderorganisationen der Vereinten Nationen zugeordnet.

Sitz der internationalen Organisation UNICEF wie auch der Mutterorganisation UNO ist New York. 1965 erhielt die Organisation den Friedensnobelpreis, den der amerikanische Schauspieler Danny Kaye stellvertretend entgegennahm. Ab 1989 koordinierte UNICEF in der Operation Lifeline Sudan die humanitäre Hilfe zur Versorgung der Bevölkerung während des Bürgerkriegs in Südsudan. Die Organisation führt jährlich rund 300 Nothilfeeinsätze in Krisenländern durch – zum Beispiel in den Bürgerkriegen in Syrien oder Jemen, in den Hungergebieten in Afrika oder nach Naturkatastrophen.

Als eigenständige Nichtregierungsorganisationen fungieren in den Industriestaaten so genannte „nationale Komitees“. Diese sind vertraglich an UNICEF gebunden und wurden von den jeweiligen Regierungen anerkannt. Ihre Hauptaufgabe besteht darin, Mittel für die weltweiten UNICEF-Projekte zu sammeln, über die Situation der Kinder auf dem Globus zu informieren und die Umsetzung der Konvention zu den Rechten der Kinder zu begleiten. UNICEF finanziert sich ausschließlich durch freiwillige Beiträge von Regierungen und durch Spenden.

Exekutivdirektoren

Im März 2010 wurde Anthony Lake für eine Amtszeit von fünf Jahren zum neuen Direktor von UNICEF berufen.[5] Derzeit hat UNICEF weltweit rund 13.000 Mitarbeiter in rund 160 Ländern; die meisten davon sind nationale Kräfte in den Programmländern.

UNICEF in Deutschland

„Kindheit braucht Frieden“: Das UNICEF-JuniorTeam in Schloss Bellevue bei UNICEF-Schirmherrin Elke Büdenbender
UNICEF-Botschafter Mats Hummels vor Ort in Malawi
UNICEF-Deutschland: Zentrale in Köln

Das Deutsche Komitee für UNICEF e.V. vertritt das Kinderhilfswerk der Vereinten Nationen in Deutschland. Es wurde am 30. Juni 1953 gegründet. Die Geschäftsstelle ist in Köln. Ehrenamtlicher Vorsitzender ist seit 2008 der Unternehmer Jürgen Heraeus. Geschäftsführer ist seit 2010 Christian Schneider[6]. Schirmherrin ist seit 2017 die Ehefrau des amtierenden Bundespräsidenten Frank-Walter Steinmeier, Elke Büdenbender. Als ehrenamtliche UNICEF Botschafter engagieren sich in Deutschland die TV-Moderatorin Sabine Christiansen, der Astronaut Alexander Gerst, der Fußball-Nationalspieler Mats Hummels, der Basketballer Dirk Nowitzki, das Topmodel Eva Padberg und die TV-Moderatorin Nina Ruge. Internationale UNICEF-Botschafter aus Deutschland sind die Berliner Philharmoniker unter der Leitung von Sir Simon Rattle.

Tätigkeitsfelder

Das Deutsche Komitee für UNICEF sammelt Spenden und verkauft UNICEF-Grußkarten. Weiter leistet die Organisation Informations-, Lobby- und Bildungsarbeit für Kinderrechte. In Deutschland engagieren sich 8.000 Ehrenamtliche in rund 200 Gruppen für UNICEF. Jugendliche und Studierende sind in Hochschulgruppen und Juniorteams aktiv.

Einnahmen

Die Spendeneinnahmen und Einnahmen aus dem Verkauf von Grußkarten in Deutschland betrugen 2016 über 108 Millionen Euro. Die Kosten für Verwaltung betrugen – gemäß den Kriterien des Deutschen Zentralinstituts für soziale Fragen DZI für Verwaltung 4,73 Prozent und für Werbung und Öffentlichkeitsarbeit 13,07 Prozent. Mit einem regelmäßigen Beitrag unterstützten im Herbst 2017 über 245.000 Bundesbürger die Arbeit.[7] Die Mittel fließen in weltweite Programme für Kinder zur Gesundheitsversorgung, Bildung, Kinderschutz, die Umsetzung der Kinderrechte sowie Nothilfe nach Naturkatastrophen und in Krisenregionen.[8]

UNICEF-Stiftung

Seit 1996 gibt es in Deutschland die UNICEF-Stiftung, in die Stifter Vermögen einbringen können[9]. Während Spenden zeitnah in die UNICEF-Programme fließen, bleibt das Stiftungsvermögen auf Dauer erhalten. Die bislang bedeutendste Schenkung erfolgte im September 2001 von Gustav Rau (1922–2002), der UNICEF seine wertvolle Kunstsammlung vermacht hat[10].

Governance und Transparenz

Vorstand und Komiteemitglieder von UNICEF-Deutschland arbeiten ehrenamtlich. 2016 waren im Jahresdurchschnitt 110 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter hauptamtlich angestellt. Das Deutsche Komitee für UNICEF trägt das Spendensiegel des Deutschen Zentralinstituts für Soziale Fragen DZI. Am 2. Dezember 2010 erhielt UNICEF Deutschland von PricewaterhouseCoopers den 1. Preis im Transparenzwettbewerb deutscher Spendenorganisationen für seine Berichterstattung zur Corporate Governance. 2012 erhielt UNICEF den zweiten Preis im Transparenzwettbewerb derselben Wirtschaftsprüfungs- und Beratungsgesellschaft[11]. Im Jahr 2014 kam das Deutsche Komitee bei der Transparenzstudie durch das Analyse- und Beratungshaus Phineo im Auftrag von Spiegel Online unter die ersten fünf von 60 Organisationen[12]. Mit den Auszeichnungen wurden Finanzberichterstattung, Governance und Transparenz bei UNICEF Deutschland anerkannt. 2007/2008 hatte die Organisation eine öffentlich ausgetragene Führungskrise zu bewältigen. Unter einem neuen Vorstand wurden die Satzung modernisiert, die Transparenz ausgebaut und mehr Kontrollmechanismen eingeführt. Zusätzlich wurden ein Leitbild für alle haupt- und ehrenamtlichen Mitarbeiter erarbeitet und die Geschäfts- und Finanzberichte deutlich detaillierter gestaltet[13].

UNICEF in Österreich

UNICEF Österreich wurde 1962 als Verein Österreichisches Komitee für UNICEF gegründet und hat seinen Sitz in Wien.[14] Langjährige Präsidentin war die Mitgründerin Martha Kyrle (1917–2017), die Tochter des ehemaligen Bundespräsidenten Adolf Schärf.[15] Seit 2007 ist Gudrun Berger Geschäftsführerin und Vorstandsvorsitzende.[14] Das Spendenvolumen betrug in den letzten Jahren

Jahr Mio. Euro
2007 3,3 [15]
2008 2,7 [16]
2009 2,9 [17]
2010 4,0 [18]
2011 4,25 [19]
2016 4,5 [20]

Durch das Steuerreformgesetz 2009 wurden Spenden in Österreich an UNICEF steuerlich absetzbar.[16] Seit 2010 ist die Organisation zudem berechtigt, das Österreichische Spendengütesiegel zu führen.[21]

UNICEF Schweiz und Liechtenstein

Das Komitee für UNICEF Schweiz und Liechtenstein wurde im Jahr 1959 gegründet und hat seinen Sitz in Zürich. Es vertritt die Interessen von UNICEF in der Schweiz und in Liechtenstein und ist eines der 33 nationalen Komitees für UNICEF. Ziel des Komitees für UNICEF Schweiz und Liechtenstein ist es, Mittel für die weltweiten Programme zu beschaffen, sich für die Belange des Kindes weltweit, in der Schweiz und in Liechtenstein einzusetzen wie auch über die Arbeit von UNICEF zu informieren.

Das oberste Organ des nationalen Komitees ist die Delegiertenversammlung. Die Delegierten werden von den Mitgliedern von UNICEF Schweiz und Liechtenstein jeweils für vier Jahre gewählt. Sie arbeiten freiwillig und unentgeltlich, unter anderem bestellen sie den Vorstand sowie die Kommissionsmitglieder und haben die strategische und normative Führung von UNICEF Schweiz und Liechtenstein inne[22].

Offizielle Botschafter von UNICEF Schweiz und Liechtenstein sind Kurt Aeschbacher und Anatole Taubman[23].

Zahlreiche weitere Persönlichkeiten unterstützten in den vergangenen Jahren UNICEF Schweiz und Liechtenstein, u. a.: Alex Frei, Andrew Bond, Anna Rossinelli, Cabaret Divertimento, Carla Norghauer, Conny Brügger, Cuche et Barbezat, Daniel Freitag, Federica de Cesco, Gardi Hutter, Greis, Hanna Scheuring, Jacky Lagger, Joël Cruchaud, Julie Arlin, Luca Aerni, Marco Rima, Marius & die Jagdkapelle, Maurizio Canetta, Mia Aegerter, Natascha Badmann, Paul Plexi, Renzo Blumenthal, Rob Spence, Roger Federer[24], Sandra Studer, Sandy Altermatt, Schtärneföifi, Seven, Sina, Sir James Galway, Sonia Grimm, Stefanie Heinzmann, Stress, Ted Scapa, Vera Kaa.[25]

Siehe auch

Weblinks

 Commons: UNICEF – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
 Wikinews: UNICEF – in den Nachrichten
 Wiktionary: UNICEF – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen

Einzelnachweise

  1. un.org: Secretary General Appoints Henrietta H. Fore of United States Executive Director, United Nations Children’s Fund
  2. www.unicef.org (englisch)
  3. Expenditure by Agency | United Nations System Chief Executives Board for Coordination. Abgerufen am 22. November 2018 (englisch).
  4. Werner E. Gerabek: Rajchman, Ludwik. In: Werner E. Gerabek, Bernhard D. Haage, Gundolf Keil, Wolfgang Wegner (Hrsg.): Enzyklopädie Medizingeschichte. De Gruyter, Berlin/ New York 2005, ISBN 3-11-015714-4, S. 1212 f.
  5. Barack Obama: Statement by President Barack Obama on the Appointment of Anthony Lake as Executive Director of UNICEF. United States Mission to the United Nations, 16. März 2010, archiviert vom Original am 18. März 2010; abgerufen am 11. März 2017 (englisch).
  6. Geschäftsführer von UNICEF Deutschland. (unicef.de [abgerufen am 6. November 2017]).
  7. UNICEF-Geschäftsbericht 2016. (unicef.de [abgerufen am 6. November 2017]).
  8. UNICEF Einsatzbereiche: Wie steht UNICEF Kindern in Not zur Seite? (unicef.de [abgerufen am 6. November 2017]).
  9. Die UNICEF Stiftung. (unicef.de [abgerufen am 6. November 2017]).
  10. Sammlung Rau für UNICEF. (unicef.de [abgerufen am 6. November 2017]).
  11. PricewaterhouseCoopers: Transparenzpreis 2010. In: PwC. (pwc.de [abgerufen am 6. November 2017]).
  12. Florian Diekmann: Transparenz von Organisationen: Der große Spenden-Check. In: Spiegel Online. 30. November 2016 (spiegel.de [abgerufen am 6. November 2017]).
  13. PricewaterhouseCoopers: Ausführlicher Finanzbericht zum UNICEF-Geschäftsbericht 2016. Abgerufen am 5. November 2017.
  14. a b Zentrales Vereinsregister ZVR, BMI Vereinsregisterauszug zum Stichtag 6. Juni 2013. ÖSTERREICHISCHES KOMITEE für UNICEF, ZVR-Zahl 286464129, Sitz Wien, Entstehungsdatum 16. November 1962, Vorsitzende /Vertretungsbefugnis Gudrun BERGER (Funktionsperiode 19. Juni 2007 – unbestimmt) (offline)
  15. a b UNICEF Österreich Jahresbericht_2007 (PDF; 1,3 MB)
  16. a b UNICEF Österreich Jahresbericht 2008 (PDF; 5,4 MB)
  17. UNICEF Österreich Jahresbericht 2009 (PDF; 5 MB)
  18. UNICEF Österreich Jahresbericht 2010 (PDF; 3,7 MB)
  19. UNICEF Österreich Jahresbericht 2011 (PDF; 2,2 MB)
  20. UNICEF Österreich Finanzbericht 2016
  21. Österreichisches Komitee für UNICEF, Reg.Nr. 05769, Berechtigung, das Österreichische Spendengütesiegel zu führen seit 21. Juni 2010, OSGS (offline)
  22. Komitee für UNICEF Schweiz und Liechtenstein Organisation. Abgerufen am 6. Januar 2019.
  23. Komitee für UNICEF Schweiz und Liechtenstein Botschafter. Abgerufen am 5. Januar 2019.
  24. Alumni | UNICEF People | UNICEF. Abgerufen am 5. Januar 2019.
  25. Komitee für UNICEF Schweiz und Liechtenstein Botschafter. Abgerufen am 5. Januar 2019.