Trentino

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Autonome Provinz Trient
Provincia autonoma di Trento
Wappen
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Über dieses Bild
Staat: Italien
Region: Trentino-Südtirol
Hauptstadt: Trient
Fläche: 6.206,90 km² (8.)
Einwohner: 538.604 (31. Dez. 2016)[1]
Bevölkerungsdichte: 86,8 Einwohner/km²
Anzahl Gemeinden: 176
Kfz-Kennzeichen: TN
ISO-3166-2-Kennung: IT-TN
Landeshauptmann: Maurizio Fugatti (LN)
Website: deutsch.provincia.tn.it
Karte

Das Trentino, amtlich Autonome Provinz Trient (italienisch Provincia autonoma di Trento), ist eine Provinz im Norden Italiens und der südliche Teil der Region Trentino-Südtirol. Ihre Autonomie erhielt die Provinz 1972 durch das Zweite Autonomiestatut, mit dem die Region entmachtet und die Autonomie an die Provinzen Trient und Bozen – Südtirol weitergereicht wurde. Die Provinz hat etwa 538.000 Einwohner, eine Gesamtfläche von rund 6200 Quadratkilometern und gliedert sich in 176 Gemeinden mit 16 Talgemeinschaften. Das Trentino ist zudem Teil der Europaregion Tirol–Südtirol–Trentino, die im Wesentlichen dem Gebiet des Kronlandes Tirol des früheren Kaisertums Österreich und der nachfolgenden Österreichisch-Ungarischen Monarchie entspricht.

Größte Stadt und Sitz der autonomen Landesregierung ist Trient, die vor allem für das im 16. Jahrhundert abgehaltene Konzil bekannt ist. Seit 1989 wirbt der Trentiner Fremdenverkehrsverband mit einem Schmetterling als Markenzeichen, da das Trentino in seinen Umrissen einem solchen ähnelt.[2] Dabei greift man auf einen Vergleich Cesare Battistis zurück, der bereits Ende des 19. Jahrhunderts die Form des Landes mit der eines Schmetterlings beschrieben hat.[3] Der Naturpark Adamello-Brenta, die seenreiche Berglandschaft und nicht zuletzt die zahlreichen Skigebiete, darunter Madonna di Campiglio, bescherten der Provinz in den letzten Jahrzehnten einen touristischen Aufschwung.

Namen

Der Name Trentino bezeichnete ursprünglich ab dem 17. Jahrhundert das Land um die Stadt Trient (ältester Beleg 1670).[4] Die Bewohner der Stadt wurden Trentini genannt. Seit dem 19. Jahrhundert wurde die Bezeichnung im Zuge der Sezessionsbestrebungen italienischer Nationalisten von Tirol bzw. Österreich auf das gesamte Gebiet der beiden Tiroler Kreise Trient und Rovereto ausgedehnt. Die beiden im Zuge der Verwaltungsreform von 1803 errichteten Kreise umfassten die geschlossen italienisch besiedelten Gebiete Tirols, das ladinische Fassatal und weitere von Ladinern und Deutschen bewohnte Sprachinseln. Im Wesentlichen war damit das Gebiet der heutigen Autonomen Provinz Trient gemeint.

Erstmals im nationalpolitischen Sinne gebraucht wurde die Bezeichnung Trentino 1810 vom Juristen und ehemaligen Hofkanzler des Hochstifts Trient Francesco Vigilio Barbacovi.[5] Die Bezeichnungen Trentino und Trentini wurden im Vormärz popularisiert, insbesondere mit dem Reisehandbuch des aus dem Nonsberg stammenden Priesters Gioseffo Pinamonti von 1836,[6] und von der italienischen Nationalbewegung ab 1866 allgemein im nationalpolitischen Gegensatz zu Tirol und Tiroler gebraucht.[7]

In ähnlicher Weise wurde von deutschsprachiger Seite im inoffiziellen Sprachgebrauch der Begriff Welschtirol (auch Welsch-Tirol), Welsch-Südtirol oder schlicht Südtirol für das heutige Trentino benutzt,[8][9] um den italienisch- vom deutschsprachigen Teil Tirols zu unterscheiden und jegliche italienische Ansprüche auf diesen Teil Tirols auch sprachlich Einhalt zu gebieten. Der sich abzeichnende Nationalitätenkonflikt fand damit bereits in der Wahl des Landesnamens seinen Ausdruck und im Laufe des 19. Jahrhunderts bezeichneten sich italienisch Gesinnte zunehmend als Trentini und österreichisch Gesinnte als Tiroler.

Die Südtirol entsprechende Bezeichnung Tirolo Meridionale lebt in der Bezeichnung des Schützenbundes Compagnie Schützen del Tirolo Meridionale weiter. Hervorgehoben wird die Zugehörigkeit zu Alttirol auch im Namen des PATT (Partito Autonomista Trentino Tirolese), einer auf Autonomie bedachten Regionalpartei.

Amtlich trägt das Gebiet heute den Namen Autonome Provinz Trient, umgangssprachlich ist meist von Trentino die Rede. Amtliche Bedeutung erhielt die Bezeichnung im Namen der 1948 errichteten Region Trentino-Südtirol, seit 1972 Autonome Region Trentino-Südtirol.

In den Minderheitensprachen wird das Trentino amtlich als Provinzia Autonoma de Trent (auf Ladinisch), Sèlbstendig Provintz vo Tria (auf Zimbrisch) und Autonome Provinz va Trea’t (auf Fersentalerisch) bezeichnet.

Geografie

Karte der Autonomen Provinz Trient

Geographische Lage

Das Trentino liegt im mittleren Nordosten Italiens und bildet von der Salurner Klause im Norden bis ca. 15 km vor die Veroneser Klause im Süden einen Teil der Brennerachse. Im Norden grenzt es an Südtirol, im Osten, Südosten und Süden an die venetischen Provinzen Belluno, Vicenza und Verona, sowie im Westen und äußersten Nordwesten an die lombardischen Provinzen Brescia und Sondrio.

Westlich von Rovereto hat das Trentino Zugang zum Nordufer des Gardasees, den es sich mit den Provinzen Verona und Brescia teilt. Darüber hinaus hat es Anteil am Welterbe Dolomiten, deren Brenta-Gruppe im Westen der Provinz vollständig im Trentino liegt, während die Rosengartengruppe, der Latemar, die Marmolata und die Palagruppe im Nordosten teilweise zum Trentino gehören.

Landschaftsbild

Gardasee, Blick auf das Nordufer

Weite Teile des Trentino werden von einer bewaldeten Gebirgslandschaft eingenommen, wobei die Gipfel – mit Ausnahme im Süden des Landes – in der Regel jenseits der Baumgrenze liegen. Die Hochebenen hingegen werden zumeist als ausgedehnte Weideflächen für Almwirtschaften genutzt. Zudem gibt es im Trentino etliche Seen eiszeitlichen Ursprungs, die über die gesamte Provinz verstreut in verschiedenste Lagen eingebettet sind. Annähernd 300 sind es an der Zahl – ca. 10 % aller Seen des gesamten Alpenraums – mit insgesamt ca. 35 km² Wasserfläche.

Der Naturraum des Trentino lässt sich grob in fünf Talsysteme unterteilen, deren Bäche teilweise verschiedenen Flusssystemen angehören, und die unterschiedlich komplex mit ihren jeweiligen Seiten- und Nebentälern verflochten sind. Das Etschtal bildet dabei so etwas wie das zentrale Rückgrat und ist von Norden nach Süden in die Kulturlandschaften Rotaliana-Ebene, Trientner Becken und Vallagarina unterteilt. Das nordwestliche Talsystem erstreckt sich vom Tonalepass durchs Val di Sole und anschließend durchs breit geöffnete Nonstal bis in die Rotaliana-Ebene und wird größtenteils vom Nonsbach, dem wasserreichsten Nebenfluss der Etsch, durchflossen. Vom Nordosten her hingegen hat sich der Avisio von seiner Quelle an der Marmolata aus durchs Fassatal, das Fleimstal und schließlich das Cembratal seinen Weg zur Etsch gebahnt, in die er bei Lavis mündet. Östlich von Trient, jenseits der Wasserscheide von Marzola, erstreckt sich zwischen Caldonazzosee und Enego die Valsugana. Sie wird vom Brenta durchflossen, dessen Lauf am Abfluss des Caldonazzosees seinen Ursprung hat und der ein eigenes Flusssystem bildet, das am Oberlauf in der Valsugana vor allem von Gebirgsbächen südlich der Lagoraigruppe gespeist wird. Das komplexeste und vielfältigste Talsystem der Provinz bilden schließlich die südwestlichen Täler im Gebiet der Judikarien und der Valle dei Laghi. Dabei bilden die Inneren Judikarien sowie die Valle dei Laghi zwei parallel verlaufende Haupttäler, die der Fluss Sarca durch ein Seitental der Äußeren Judikarien verbindet, um schließlich im unteren Sarcatal bei Torbole in den Gardasee zu münden. Im Übrigen sind das untere Sarcatal und die Vallagarina die tiefstgelegenen Täler der Alpen.

Größere Ortschaften und die Städte sind entlang der Täler konzentriert, wobei das Etschtal mit Abstand am dichtesten besiedelt und entsprechend bebaut ist. Auf eine hohe Bevölkerungsdichte kommen auch das untere Sarcatal, in dem die Orte Riva del Garda, Arco und Torbole zu einem beinahe durchweg urbanisierten Raum zusammengewachsen sind, sowie die Valsugana.

Berge und Hochebenen

Die Berge des Trentino gehören zu den südlichen Rätischen Alpen und den Dolomiten. Sie bestehen hauptsächlich aus Kalkgestein und Dolomit und gliedern sich in die Bereiche Adamello-, Presanella- und Brenta-Gruppe, die Judikarischen Alpen, die Dolomiten, die Lessinischen Alpen und die Sette Comuni. 60 Prozent des Provinzgebietes liegt oberhalb der 1000-m-Grenze. Der höchste Berg des Trentino ist der Monte Cevedale (3769 m s.l.m.) in der Ortlergruppe, weitere bedeutende Gipfel sind:

Verwaltung

Talgemeinschaften

Administrative Einteilung in 16 Distrikte seit 2006
Historische Einteilung in 11 Distrikte bis zum Jahr 2006

Ähnlich wie Südtirol ist das Trentino in Gemeinschaften unterteilt, die aber seit 2010 nicht mehr Bezirksgemeinschaften, sondern Talgemeinschaften (ital. Comunità di valle) genannt werden. Im Zuge dieser Gebietsreform ist die Anzahl von 11 auf 15 Gemeinschaften gestiegen. Die vormalige Bezirksgemeinschaft Valle dell’Adige ist abgeschafft worden: Deren Funktionen übernimmt unmittelbar die Landeshauptstadt Trient und übt sie auch für die Gemeinden Aldeno, Garniga Terme und Cimone aus.

Talgemeinschaft Deutscher Name Hauptort Fläche Bevölkerung
Alta Valsugana e Bersntol Oberes Suganertal und Fersental Pergine Valsugana 0394 km² 49.833
Alto Garda e Ledro Oberer Gardasee und Ledrotal Riva del Garda 0353 km² 46.315
Altipiani Cimbri Hochebene Lavarone 0106 km² 4.548
Valle di Cembra Zimmerstal Faver 0135 km² 11.315
Fascia Fassatal Pozza di Fassa 0318 km² 9.530
Paganella Andalo 0 97 km² 4.810
Primiero Primör Tonadico 0413 km² 10.097
Rotaliana-Königsberg Mezzocorona 0 95 km² 27.799
Val di Fiemme Fleimstal Cavalese 0415 km² 19.364
Val di Non Nonsberg Cles 0596 km² 38.693
Val di Sole Sulzberg Malè 0609 km² 15.510
Vallagarina Lagertal Rovereto 0694 km² 85.025
Valle dei Laghi Sarchetal Vezzano 0140 km² 10.023
Valli Giudicarie Judikarien Tione di Trento 1.176 km² 37.098
Valsugana e Tesino Suganertal und Tesin Borgo Valsugana 0578 km² 26.741

Gemeinden

Seepromenade in Riva del Garda

Die Autonome Provinz Trient hat 176 Gemeinden (Stand Dezember 2018). Aufgrund von Eingemeindungen und Zusammenschlüssen ist die Zahl rückläufig, so gab es beispielsweise 2009 noch 217 Gemeinden. Die größten davon sind:

Gemeinde Bevölkerung
Trient 117,417
Rovereto 39,482
Pergine Valsugana 21,363
Arco 17,588
Riva del Garda 17,190
Mori 9.746
Ala 8.907
Lavis 8.901
Levico Terme 7.919
Stand: 31. Dezember 2016

Sprachen

Minderheitensprachen im Trentino.
Volkszählung 2011

Im Gegensatz zu Südtirol wird im Trentino großteils Italienisch bzw. ein italienischer Mischdialekt gesprochen. Einen einheitlichen Trentiner Dialekt gibt es nicht. Im Westen sind lombardische Einflüsse bemerkbar, im Osten, insbesondere in der Region Primiero und im unteren Suganertal, werden venetische Dialekte gesprochen. Dazwischen liegt ein sprachliches Übergangsgebiet, in dem auch Trient liegt; dieser Trentiner Dialekt wird ebenfalls am stärksten vom Venetischen beeinflusst.[10] Vereinzelt kommen im Trentiner Dialekt auch vom Deutschen bzw. Bairischen abgeleitete Wörter vor.[11]

Deutsche Mundarten, die dem Bairischen zuzuordnen sind, werden in den Sprachinseln der Zimbern (italienisch Cimbri) und Fersentaler (italienisch Mocheni) gesprochen, die als jeweils eigenständige Sprachen anerkannt sind. Während das Zimbrische noch von fast der gesamten Dorfbevölkerung in Luserna/Lusern gesprochen wird, ist es in Lavarone/Lafraun/Lavróu und Folgaria/Vielgereuth/Folgrait in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts ausgestorben. Fersentalerisch wird in Fierozzo/Florutz/Vlarötz, Palù del Fersina/Palai im Fersental/Palae en Bersntol und Frassilongo/Gereut/Garait, einschließlich Roveda/Eichleit/Oachlait gesprochen. Ebenfalls wird die deutsche Sprache von einem Teil der Bevölkerung in der Gemeinde Ruffrè-Mendola/Ruffreit-Mendel gesprochen, die sich in unmittelbarer Nachbarschaft zu Südtirol befindet. Darüber hinaus wurde noch bis ins frühe 19. Jahrhundert in ausgedehnten Gebieten des Trentino Deutsch oder Ladinisch gesprochen.

Die Sprachgrenze verlief bis um 1800 rund 15 Kilometer südlich von Salurn bei der Einmündung des Noce (dt. Ulz) und des Avisio (dt. Efeis) in die Etsch. Das gesamte links der Etsch gelegene Gebiet einschließlich der Stadt Trient (ausgenommen die Täler am Avisio und das Gericht Ivano in der Unteren Valsugana) hatte vom 11. bis 17. Jahrhundert, teils darüber hinaus, eine deutsche Mehrheit oder eine starke deutsche Minderheit.[12] Das Cembratal, Fleimstal (ausgenommen die deutschen Orte Altrei und Truden) sowie der Nonsberg (ohne Deutschnonsberg) und der Sulzberg waren ladinisch.[13]

Das italienische Trentino entstand in seiner heute kompakten Form erst durch eine intensive Italianisierungsphase durch ethnische Homogenisierung seit Mitte des 18. Jahrhunderts.

In einigen Tälern, namentlich im Fassatal (lad. Val de Fascia), ist die ladinische Sprache in Gebrauch. Anerkannte ladinische Gemeinden sind Campitello di Fassa/Ciampedel, Canazei/Cianacei, Mazzin/Mazin, Moena, Pozza di Fassa/Poza, Soraga/Sorèga, Vigo di Fassa/Vich. Am Nonsberg (lad. Val de Non) und vereinzelt noch am Sulzberg (lad. Val de Sol) werden die Idiome Nones und Solander gesprochen, deren Anerkennung als Ladinisch bislang erfolglos geblieben ist.

Seit der Volkszählung von 2001 können die Bürger des Trentino ihre Zugehörigkeit zu einer sprachlichen Minderheit – ladinische, fersentalerische oder zimbrische – angeben. Bei der letzten Volkszählung 2011 haben sich im Nonstal erstmals mehr Ladiner als im Fassatal erklärt.[14][15]

Minderheit 2001
Sprecheranzahl[16]
2001
Anteil an der
Gesamtbevölkerung
2011
Sprecheranzahl[15]
2011
Anteil an der
Gesamtbevölkerung
Ladinisch 16.462 3,5 % 18.550 3,5 %
Fersentalerisch 2.276 0,5 % 1.660 0,3 %
Zimbrisch 882 0,2 % 1.072 0,2 %

Geschichte

Von der Urgeschichte bis zur Antike

Das Trentino repräsentiert mit Südtirol die Verbindungsregion zwischen dem mediterranen und dem zirkumalpinen Raum. Die Besiedlung des Trentino beginnt – außer seltenen mittelpaläolithischen Spuren – im Spätpaläolithikum. Es können Siedlungszonen im Gebirge und im Tal unterschieden werden, wobei von über 200 Fundstellen lediglich zehn im Tal liegen. Dies ist durch die massiven Talablagerungen erklärbar. Bei den Talfundstellen handelt es sich im Etschtal um 23 Abris mit umfassender Stratigraphie, die auf das Altmesolithikum zurückgeht und im Spätmesolithikum zunimmt (Sesshaftwerdung). Während der Neolithisierung wurden die Felsdächer zunächst aufgelassen und Freilandstationen bevorzugt. Die Phase 2 der Vasi-a-bocca-quadrata-Kultur (VBQ) konnte für diesen Zeithorizont erstmals in Isera in der Örtlichkeit Torretta nachgewiesen werden.

Die mächtige Schichtenabfolge mit fünf Horizonten bestand aus:

  • VBQ 3 mit Ritz- und Stichverzierungen (in Isera 1)
  • VBQ 3 mit Verzierungen mit Chassey-Einflüssen (in Isera 2) und Fiavè-Castelaz di Cagnò (in Isera 3 und 4)
  • sowie Keramik mit glatten Leisten vom Typ Tamins-Carasso (Isera 5).

In Isera 1 und 2 wurden erstmals Höhensiedlungen in strategisch günstiger Lage besiedelt. In Isera 3 und 4 wurden auch Abris wieder genutzt. Die Feuchtbodensiedlung tritt als neue Besiedlungsart auf. Isera 5 brachte die Verarmung der Keramik und ihrer Zierelemente. Charakteristisch wurde die Verbreitung der metallurgischen Tätigkeit. Die meisten Felsdächer wurden erneut genutzt, allerdings in Zusammenhang mit der Transhumanz, der Kupferverarbeitung sowie für Grabanlagen. Die Verarmung der keramischen Formen wurde als Folge der nun notwendigen Mobilität erklärt.

Seit dem 1. Jahrhundert vor Christus geriet das Gebiet des heutigen Trentino unter römische Herrschaft. Ob es sich bei dem Ort Tridentum (Trient) um eine keltische oder rätische Gründung ist, gilt als ungeklärt. Belegt ist sie seit dem 1. vorchristlichen Jahrhundert. Um 50 bis 40 v. Chr. wurde Tridentum zum römischen Municipium erhoben und nach römischer Verwaltungsgliederung das umliegende Land dem Municipium als Territorium zugewiesen. Das Gebiet der römischen Stadt umfasste weitgehend das Gebiet der heutigen Provinz Trient ausgenommen die Untere Valsugana, Primiero und das Fassatal, dafür einschließlich des Südtiroler Unterlandes mit Bozen und dem Etschtal bis zur Einmündung der Passer in die Etsch und im Eisacktal bis zur Einmündung des Tinnebaches in den Eisack südlich von Klausen.

Mittelalter und frühe Neuzeit

Das Gebiet wurde im 4./5. Jahrhundert christianisiert und Trient Bischofssitz. Ende des Jahres 400 erlitt Bischof Vigilius in der Val Rendena das Martyrium. Er wird von 385 bis 400 als dritter Bischof von Trient gezählt.

Nach dem Zusammenbruch des Weströmischen Reiches gelangte das heutige Trentino unter die Herrschaft der Ostgoten. 568/569 folgte die Eroberung durch die Langobarden. Sie errichteten auf dem Gebiet des ehemaligen Municipiums Tridentum das langobardische Herzogtum Trient, das zu den bedeutendsten des Langobardenreiches zählte. Bereits im 7. Jahrhundert musste das Gebiet von Bozen nördlich von Branzoll und links der Etsch bis zur Passer an die Baiern abgetreten werden.

Mit der Eingliederung der Langobardia Maior 774 in das Frankenreich unter Karl dem Großen wurde die karolingische Verwaltungseinteilung eingeführt. Das langobardische Herzogtum wurde zur fränkischen Grafschaft der langobardischen Krone.

Im Jahre 952 trennte Otto I., König des Ostfrankenreiches, seit 951 auch König von Italien und späterer Kaiser die Markgrafschaft Verona vom Regnum Italicum und gliederte sie dem Stammesherzogtum Baiern an, darunter auch die Grafschaft Trient, die damit Teil des Regnum Teutonicum wurde. Ab dieser Zeit setzte nach der langobardischen Einwanderung des 6. Jahrhunderts eine deutsche, hauptsächlich bairische Siedlungstätigkeit auch in Teilen des heutigen Trentino ein und südwärts darüber hinaus.

Die Grafschaft Trient wurde 1027 von Kaiser Konrad II. im Zuge des Reichskirchensystems innerhalb des Herzogtums Baiern dem Bischof von Trient zum Lehen gegeben. Der Bischof wurde gleichzeitig zum Reichsfürsten erhoben. Durch den alpinen südlichen Teil des Herzogtums Baierns führten die wichtigsten Pässe nach Reichsitalien. Die deutschen Könige und römisch-deutschen Kaiser sahen sie in der Hand der Bischöfe sicherer als in jener eines eventuell aufmüpfigen Adels.

Im Norden brachten die mit den mächtigen Welfen verwandten Grafen von Eppan und Ulten die zwischen der Töll bei Meran und der Salurner Klause rechts der Etsch gelegenen Teile des heutigen Südtirol unter ihre Kontrolle und entzogen sie den Fürstbischöfen von Trient. Nach ihrem Aussterben 1250 gingen das Ultental, mittlere Etschtal, Überetsch und Unterland an die Grafen von Tirol über, die seit 1150 auch die Vögte des Hochstifts Trient waren. Weitere Teile, so das Gebiet südlich von Salurn bis zur Einmündung von Noce und Avisio, kamen direkt zur Grafschaft Tirol, ebenso Herrschaften am Nonsberg, im Fleimstal und in der Valsugana. 1282 erlangte die Grafschaft Tirol die Reichsunmittelbarkeit und schied aus dem Herzogtum Baiern aus.

1363 ging die Grafschaft Tirol auf dem Erbweg an die Habsburger über, ebenso ihr Amt als Erbvögte der Hochstifte Trient und Brixen. In den ebenfalls 1363 von Rudolf IV. und dem Fürstbischof von Trient abgeschlossenen Kompaktaten, die in der Folgezeit mehrmals in abgeänderter Form erneuert wurden, sicherte sich Habsburg seine Einflusssphäre auf das nach vor reichsunmittelbare Fürstbistum Trient ab.

Die östlichen Teile des heutigen Trentino gehörten nur zum Teil zum geistlichen Reichsfürstentum Trient. Das Fassatal wurde im 11. Jahrhundert ein Teil des Hochstifts Brixen und gehörte bereits vor 952 zum Herzogtum Baiern, die Untere Valsugana und Primiero ein Teil des Hochstifts Feltre. Die Gebiete Feltres wurden im 14. Jahrhundert von den Habsburgern für Tirol gewonnen. Nachdem 1487 mit der Schlacht bei Calliano südlich von Trient der 1410 begonnene Expansionsdrang Venedigs Richtung Norden gestoppt werden konnte, gelangten die von Venedig besetzten Gebiete des Hochstifts Trient unter der Regierungszeit Kaiser Maximilian I. nach der Niederlage der Lagunenrepublik in der Schlacht von Agnadello im Jahr 1509 wieder an das Fürstbistum zurück. Teilweise gab Maximilian diese links der Etsch teilweise deutsch besiedelten Gebiete den Fürstbischöfen zurück, teilweise unterstellte er sie als „Welsche Confinen“ zur Grenzsicherung gegen Venedig direkt der Grafschaft Tirol.

Moderne

War das Gebiet des Hochstifts Trient bereits seit dem 13. Jahrhundert indirekter Teil der Grafschaft Tirol wurde das geistliche Reichsfürstentum 1803 mit dem Reichsdeputationshauptschluss mediatisiert und nunmehr direkt der Grafschaft Tirol eingegliedert.

Vom Territorium des heutigen Trentino gehörten vor 1803

  • 54,1 % zum Hochstift Trient (mit 57,8 % der damaligen Einwohner)
  • 40,8 % zur Grafschaft Tirol (40,6 % der Einwohner)
  • und 5,1 % zum Hochstift Brixen (1,6 % der Einwohner).[17]

Mit dem Frieden von Preßburg wurde das als Tirolo meridionale, Welschtirol oder Tirolo italiano bezeichnete Gebiet nach der Niederlage Österreichs in der Schlacht von Austerlitz 1805 dem im Dritten Koalitionskrieg mit Napoleon I. verbündeten Bayern zugesprochen. Im Zuge der bayerischen Verwaltungsreform von 1808 wurden die beiden österreichischen Kreise Rovereto und Trient zum Etschkreis und damit das heutige Trentino erstmals in einer einzigen Verwaltungseinheit zusammengefasst. 1809 nahm Welschtirol am Tiroler Freiheitskampf unter Andreas Hofer teil. Nach Napoleons Sieg in der Schlacht bei Wagram und dem Friede von Schönbrunn besetzten französische und verbündete Truppen erneut Tirol. Im Februar 1810 trennte Napoleon Bonaparte den Etschkreis von Bayern und gliederte ihn als Dipartimento Alto Adige dem stellvertretend von seinem Schwiegersohn Eugène Beauharnais regierten norditalienischen Königreich Italien an. Ebenso einen Teil des bayerischen Eisackkreises um Bozen samt dem Südtiroler Unterland. 1813 befreiten sich die Tiroler in einer Volkserhebung von der italienisch-französischen Herrschaft. Auf dem Wiener Kongress 1815 wurde das heutige Trentino wieder offiziell ein Teil Tirols und Österreichs.

Das historische Tirol in den Grenzen vor dem Ersten Weltkrieg

Nach 1815 wurden Teile von Adel und Bürgertum, vor allem Freiberufler von der italienischen Nationalbewegung erfasst. Sie behaupteten, Welschtirol habe vor 1803 zur Gänze zum Hochstift Trient gehört und sei erst seit kurzem gegen seinen Willen zu einem Teil Tirols gemacht worden. Zudem sei Welschtirol einheitlich von Italienern bewohnt. Dass Teile des Trentino schon vor 1803 zur Grafschaft Tirol und zum Hochstift Brixen gehört hatten, wurde ebenso geleugnet wie die ladinische und deutschsprachige Präsenz.

Während des Risorgimento drangen im Ersten italienischen Unabhängigkeitskrieg 1848 italienische Freikorps bis nach Vezzano etwa 10 Kilometer vor Trient vor, bis sie von österreichischen Truppen aufgehalten werden konnten. Im Dritten italienischen Unabhängigkeitskrieg 1866 zogen italienische Freischaren aus zwei Richtungen gegen Trient vor. In der Schlacht bei Bezzecca konnten die Truppen unter Giuseppe Garibaldi die Österreicher dabei ebenso besiegen, wie die von Giacomo Medici angeführten Truppen in der Valsugana. Die gleichzeitig von Preußen auferlegte Waffenruhe im Deutschen Krieg verhinderte ein weiteren Vormarsch des italienischen Verbündeten und führte zum Rückzug der italienischen Truppen aus dem Trentino.[18] Die Folge war, dass auch nach dem Krieg von 1866, wonach die Habsburger Venetien räumen mussten, das Trentino unter der Herrschaft von Österreich-Ungarn blieb.

Im Laufe des 19. Jahrhunderts machten sich zunehmend wirtschaftliche Probleme bemerkbar, die zu einer Verarmung der überwiegend ländlichen Bevölkerung des Landes führte. Diese Probleme waren zum Teil hausgemacht, zum Teil aber auch durch äußere Faktoren bedingt. Der über Jahrhunderte hinaus vom Fürstbistum geprägte Führungsstil eines Ancien Régime und sein verkrusteter Verwaltungsapparat stellten sich nach der Eingliederung in das Habsburgerreich und seinen vergleichsweise modernen Staatsapparat als hinderlich heraus, was sich bei einer traditionell orientierten Gesellschaft noch verstärkt auswirkte. Mit dem Wegfall der Lombardei und Venetiens und der neuen Staatsgrenze im Süden, wurde nicht nur der Ex- und Import von Gütern und Waren in diese nahe liegenden Märkte erschwert, sondern auch eine Barriere zum angrenzenden italienischsprachigen Kulturkreis errichtet. Letzteres fand ihren Ausdruck im Kampf um eine eigene italienische Universität, die in den sogenannten „Fatti di Innsbruck“ ihren Höhepunkt fand.[19][20]

Die aufgrund der geographischen Bedingungen und der starken Fragmentierung des Grundeigentums rückständige landwirtschaftliche Produktion, die Veränderungen wenn überhaupt nur eingeschränkt zuließ, war ebenfalls ein Faktor, der sich zunehmend negativ bemerkbar machte. Zudem ereigneten sich im Laufe des 19. Jahrhunderts eine Reihe von Naturereignissen, die die bereits angespannte Situation noch verschärfte, wie die schweren Überschwemmungen von 1882 und 1885, der Ausbruch der Maul- und Klauenseuche in den 1890er Jahren, die den Viehbestand drastisch reduzierte, der Ausbruch der Pébrine-Krankheit, die die Seidenraupenzucht traf oder der Befall der Weinreben durch die Peronospora gefolgt von einer Reblausplage in den 1900er Jahren. Die Verarmung der ländlichen Bevölkerung war an zwei Indikatoren abzulesen, die zwischen dem 19. und 20. Jahrhundert vermehrt in Erscheinung traten. Zum einen an der Pellagra, einer Mangelerkrankung aufgrund des vermehrten Konsums der auf Maismehl basierenden billigen, aber den Magen füllenden Polenta, die ab den 1880er Jahren endemisch auftrat, und zum anderen an der Auswanderung, die als letzter Ausweg aus der Misere angesehen wurde.[19]

Aus dieser Lage heraus entstand in Teilen der Bevölkerung der Wunsch nach mehr Selbstständigkeit und Autonomie, wie er beispielsweise von Alcide De Gasperi vorangetrieben wurde. Aber auch radikalere Strömungen, wie der Irredentismus zogen daraus zum Teil ihre Existenzberechtigung. Letzterer bemühte sich, auch das Trentino mit seiner italienischsprachigen Bevölkerung mit dem neugegründeten Königreich Italien zu vereinen. Seit 1866 erhob eine radikale Strömung des italienischen Nationalismus Gebietsansprüche über den von Italienern bewohnten Raum hinaus. Gefordert wurde der Alpenhauptkamm als Nordgrenze Italiens. Eine Forderung, die sich direkt gegen die Schweiz und Österreich richtete. Nach dem Waffenstillstand von Villa Giusti am Ende des Ersten Weltkriegs wurde das Trentino von italienischen Truppen besetzt und im nachfolgenden Vertrag von Saint-Germain am 10. Oktober 1920 dem Königreich Italien angegliedert. Gleichzeitig erfolgte auch die Annexion Deutschsüdtirols und des von Ladinern bewohnten Teils von Tirol. Noch kurz vor dem Kriegseintritt Italiens hatte Alcide De Gasperi als Abgeordneter zum österreichischen Reichsrat die Gewissheit gegenüber dem österreichischen Botschafter in Rom, Karl von Macchio geäußert, dass bei einer Volksabstimmung 90 Prozent der Italiener Tirols für den Verbleib bei Österreich stimmen würden.[21] Im Ersten Weltkrieg kämpften rund 60.000 Welschtiroler in den Reihen der Österreich-Ungarischen Armee gegen Italien und an der Ostfront;[22] Über 11.000 Soldaten verloren dabei ihr Leben.[23][24] Rund 750 Trentiner desertierten und kämpften in den Reihen der Italienischen Armee gegen Österreich.[25]

Italienische Truppen am 3. November 1918 auf dem Domplatz in Trient

Nach dem Ersten Weltkrieg wurden die neu annektierten Gebiete Tirols als Venezia-Tridentina von einem italienischen Zivilkommissar verwaltet. Mit der Machtübernahme des italienischen Faschismus wurde am 21. Januar 1923 die Provinz Trient errichtet, der auch die ladinischen Gebiete und Südtirol unterstanden. Im selben Jahr wurden die ladinischen Täler Ampezzo und Buchenstein (lad. Fodom, ital. Livinallongo) der Provinz Belluno angeschlossen. 1927 wurde mit der Errichtung einer eigenen Provinz Bozen der größte Teil Südtirols von der Provinz Trient gelöst. Bei Trient blieben das Südtiroler Unterland sowie die deutschsprachigen Gemeinden des Fleimstals und der Deutschnonsberg. 1929 wurde Pedemonte von der Provinz Trient ausgegliedert und der Provinz Vicenza zugeschlagen. 1934 wurden dann die Gemeinden Valvestino und Magasa der Provinz Brescia angegliedert.

Mit der deutschen Besetzung Italiens im Zweiten Weltkrieg wurden die ehemaligen Tiroler Gebiete Italiens im September 1943 nicht von Italien getrennt, aber mit der Operationszone Alpenvorland (OZAV) einer deutschen Zivilverwaltung unterstellt. Die deutschsprachigen Gemeinden der Provinz Trient mit Ausnahme der Sprachinseln wurden mit der Provinz Bozen vereint.

Nach dem Zweiten Weltkrieg kam dem Trentino, insbesondere der Stadt Trient, eine wichtige Rolle innerhalb der neugegründeten Region Trentino-Tiroler Etschland zu. Italiens Ministerpräsident Alcide De Gasperi, selbst ein Trentiner aus Pieve Tesino, sorgte dafür, dass seinen Landsleuten eine weitgehende Autonomie zuerkannt wurde, wie sie ursprünglich nur für Südtirol vorgesehen war.

Die Regionalregierung in Trient, wo die Italiener in der Mehrheit waren, war auch weitestgehend für die Belange der Südtiroler zuständig, was bei diesen für Unmut sorgte, weil damit die im Gruber-De-Gasperi-Abkommen versprochene Selbstverwaltung Südtirols umgangen wurde.

Nach dem Autonomiestatut von 1972 hat das Trentino seine Autonomie beibehalten und zum Teil sogar ausbauen können: Allerdings ist es von Südtirol fast vollständig abgekoppelt worden und die Region hat nur mehr eine koordinierende Funktion zwischen den Provinzen.

Bei Tesero in Val di Stava brach am 19. Juli 1985 der Damm eines Absetzbeckens eines Bergwerks und verursachte eine Flutwelle, die 268 Todesopfer forderte. In der Ortschaft Cavalese ereigneten sich zwei schwere Unglücke der zum Monte Cermis führenden Luftseilbahn.

In der unmittelbaren Nachkriegszeit war das Trentino noch eine abgelegene, überwiegend landwirtschaftlich geprägte Region, erlebte aber in den Folgejahren des miracolo economico (Wirtschaftswunder) wie die Nachbarregionen Südtirol, Venetien und Friaul einen beträchtlichen Wirtschaftsaufschwung und gehört heute zu den wirtschaftlich erfolgreichsten und wohlhabendsten Italiens.

Bevölkerungsentwicklung

Bevölkerungsentwicklung im Trentino
Jahr 1921 1971 1981 1991 2001 2011
Einwohner 404.237 427.845 442.845 449.852 477.017 524.832

Quelle:Istituto di Statistica della Provincia di Trento – ISPAT

In der Vergangenheit kam es zu bedeutenden Veränderungen in der demographischen Entwicklung im Trentino. Wirkte sich bis in die 1970er Jahre hinein die Auswanderung negativ auf das Bevölkerungswachstum aus, spielt diese aufgrund des gestiegenen Wohlstandes seitdem keine Rolle mehr. Negativ bemerkbar machte sich dagegen ab den 1980er Jahren der Geburtenrückgang bei gleichzeitiger Überalterung und Anstieg der Sterberate. Der positive Saldo in der Bevölkerungsentwicklung ist ab diesem Zeitpunkt vor allem durch Einwanderung bedingt, wobei die im Vergleich zum übrigen Italien geringere Arbeitslosenquote einer der Hauptgründe für die Zuwanderung ist.[26][27]

Die Bevölkerungsdichte von 86,8 Einwohner/km² (2016) ist aufgrund der geographischen Gegebenheiten, etwa 60 % der Landesoberfläche liegen über 1000 m s.l.m., ungleichmäßig verteilt und im Vergleich zum landesweiten Wert, 201 Einwohner/km² (2016), wesentlich geringer. Dabei waren in der Vergangenheit deutliche interne Migrationsprozesse zu beobachten. So nahm die Bevölkerung in der Höhenstufe bis 250 m s.l.m. seit den 1930er Jahren stark zu. Machte diese 1931 noch 37,4 % der Gesamtbevölkerung aus, betrug sie 2006 49,4 %. Bedingt war dieser Anstieg durch Strukurwandelprozesse, wie die Aufgabe der Berglandwirtschaft zugunsten des sekundären und tertiären Bereichs.[28]

Autonomie und Politik

Das Trentino ist eine Autonome Provinz und genießt dementsprechende Sonderrechte, die im Statut der Region Trentino-Südtirol verankert sind. Das Land hat weitgehende Kompetenzen in den Bereichen Raumordnung, Handwerk, Messen und Märkte, Jagd und Fischerei, Kommunikations- und Transportwesen, Fremdenverkehr und Gastgewerbe, Landwirtschaft, Kindergärten, Schulbau.

Große Teile der vom Staat eingetriebenen Steuern fließen in die Landeskassen zurück, von der Mehrwertsteuer bis hin zur Einkommens- und Körperschaftssteuer. Dafür muss das Land Funktionen wahrnehmen (wie z. B. das Schulwesen), die im übrigen Italien vom Staat ausgeübt werden, und diese auch finanzieren.

Wegen der effizienten Verwaltung und der finanziellen Vorzüge haben zahlreiche Gemeinden der Provinzen Belluno und Vicenza die Angliederung an das Trentino beantragt.

Nachdem über Jahrzehnte hinweg die italienischen Christdemokraten die Regierungsverantwortung hatten, hat es nach dem Politskandal Mani pulite ein Abwechseln verschiedener politischer Konstellationen gegeben. Zuerst haben die Autonomisten Bazzanella und Andreotti die Wahlen für sich entscheiden können, von 1999 bis Dezember 2012 war Lorenzo Dellai Landeshauptmann, unterstützt von einer Mitte-links-Koalition. Die Landtagswahlen 2013 gewann Ugo Rossi vom Partito Autonomista Trentino Tirolese.

Trentiner Landeshauptleute

Trentiner Landtag

Die Landtagswahlen vom 21. Oktober 2018 brachten folgendes Ergebnis:

Kandidat Stimmen % Sitze Listen Stimmen % Sitze Gesamt
Maurizio Fugatti 124.590 46,74 1 Lega Nord (LN) 69.116 27,09 13 21
Civica Trentina (CT) 11.777 4,62 2
Progetto Trentino (PT) 8.248 3,23 1
Forza Italia (FI) 7.204 2,82 1
Autonomisti Popolari (AP) 7.621 2,99 1
Agire per il Trentino (AGIRE) 5.458 2,14 1
Unione di CentroCentro Popolare (UdC–CP) 5.306 2,08 0
Fratelli d’Italia (FdI) 3.686 1,44 0
Associazione Fassa (AF) 2.490 0,98 1
Gesamt 120.906 47,39 20
Giorgio Tonini (PD) 67.712 25,40 1 Partito Democratico (PD) 35.530 13,93 4 8
Futura 2018 17.670 6,93 2
Unione per il Trentino (UpT) 10.150 3,98 1
Gesamt 63.350 24,83 7
Ugo Rossi 33.121 12,42 1 Partito Autonomista Trentino Tirolese (PATT) 32.109 12,59 3 4
Filippo Degasperi 18.922 7,10 1 MoVimento 5 Stelle (M5S) 18.437 7,23 1 2
Antonella Valer 7.099 2,66 0 Liberi e Uguali (LeU) 3.560 1,40 0 0
L'Altro Trentino a Sinistra (AES) 2.101 0,82 0
Gesamt 5,661 2,22 0
Mauro Ottobre 5.237 1,96 0 Autonomia Dinamica (AD) 5.117 2,01 0 0
Roberto de Laurentis 4.015 1,51 0 Territorialità Responsabilità Economia (TRE) 3.826 1,50 0 0
Paolo Primon 2.384 0,89 0 Popoli Liberi – Primon Freie Völker 2.285 0,90 0 0
Ferruccio Chenetti 1.904 0,71 0 Moviment Ladin de Fascia 1.890 0,74 0 0
Filippo Castaldini 1.247 0,47 0 CasaPound Italia (CPI) 1.215 0,48 0 0
Federico Monegaglia 350 0,13 0 Riconquistare l'Italia (RI) 341 0,13 0 0

Wirtschaft

Landwirtschaft spielt im Trentino eine wichtige Rolle: Insbesondere die Produktion von Äpfeln der Sorte Golden Delicious nimmt hier einen hohen Stellenwert ein. Die Weinproduktion ist auch bedeutend.

Die Industrie beschäftigt rund 33 % der arbeitenden Bevölkerung. Viele Betriebe sind im Textil-, Holzverarbeitungs- und Druckereigewerbe tätig.

Wichtigster Wirtschaftszweig ist der Dienstleistungssektor. Jeder zehnte Trentiner ist überdies bei der Landesverwaltung angestellt. Herausragend ist die Rolle des Tourismus. Touristische Zentren sind zunächst Trient selbst, dann die Wintersportorte Madonna di Campiglio, Canazei und San Martino di Castrozza, das Klettererzentrum Arco und das Windsurf-Zentrum Riva del Garda.

Das nominale pro-Kopf-Einkommen lag 2015 bei 34.600 Euro, kaufkraftmäßig erreicht das Trentino einen Wert von 123 (EU-27 = 100).[29] Mit einem Wert von 0,916 erreicht Trentino Platz 1 unter den 21 Regionen und autonomen Provinzen Italiens im Index der menschlichen Entwicklung.[30]

Literatur

  • Cesare Battisti: Il Trentino. Saggio di geografia fisica e di antropogeografia. Giovanni Zippel Editore, Trient 1889.
  • Giovanni Francesio, Redaktion Rolf Eder: Südtirol & Trentino: Burgen – Nationalparks – Wein – Wanderungen – Bozen – Meran – Palazzi – Dolomiten – Törggelen – Gletscher (= Ein Dorling-Kindersley-Buch; Vis-à-vis). aktualisierte neue Auflage. Dorling Kindersley, Starnberg 2008, ISBN 978-3-8310-0530-7 (italienisch: Trentino Alto Adige. 2001. Übersetzt von Benjamin Schwarz, Erstausgabe: 2003).
  • Michael Gehler: Die fatti di Innsbruck oder der Sturm auf die italienische Rechtsfakultät am 4. November 1904. Ein Ereignis im gesamtpolitischen Kontext der ausklingenden Habsburger Monarchie. In: Michael Gehler, Günther Pallaver: Universität und Nationalismus. Innsbruck 1904 und der Sturm auf die italienische Rechtsfakultät. Trient 2013, ISBN 978-88-7197-152-0.
  • Giovanni Olmi: La pellagra nel Trentino fra otto e novecento. In: Maria Luisa Betri, Ada Gigli Marchetti (Hrsg.): Salute e classi lavoratrici in Italia dall’Unità al fascismo. Angeli, Mailand 1982.

Weblinks

 Commons: Trentino – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
 Wiktionary: Trentino – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen

Einzelbelege

  1. Statistiche demografiche ISTAT. Monatliche Bevölkerungsstatistiken des Istituto Nazionale di Statistica, Stand 31. Dezember 2016.
  2. Die Entstehung eines Markenzeichens auf Italienisch abgerufen am 23. Mai 2017.
  3. Cesare Battisti: Il Trentino. Saggio di geografia fisica e di antropogeografia, S. 19.
  4. Michael Mayr: Der italienische Irredentismus. 2. vermehrte und verbesserte Auflage, Innsbruck 1917, S. 261.
  5. Francesco Vigilio Barbacovi: Considerazioni sulla prosperità dei popoli del Trentino ora riuniti al Regno d’Italia. Trento 1810.
  6. Gioseffo Pinamonti: Trento. Sue vicinanze, commercio e costumi de’ Trentini. Trento 1836; hierzu ausf. Florian Huber: Religiöse Ethnographien. Religion, Raum und Nation in vormärzlichen Landesbeschreibungen. In: Hannes Obermair u. a. (Hrsg.): Regionale Zivilgesellschaft in Bewegung – Cittadini innanzi tutto. Wien-Bozen: Folio 2012. ISBN 978-3-85256-618-4, S. 12–31.
  7. Michael Mayr: Der italienische Irredentismus. 2. vermehrte und verbesserte Auflage, Innsbruck 1917. S. 266.
  8. vgl. Hans-Dieter Hübner: Unterwegs auf historischen Spuren. Wanderungen und Exkursionen zu den Schwerpunkten der österreich-ungarischen Südtiroloffensive 1916. Band 3, 2016: ... südliche Teil der Grafschaft, man nannte ihn bis 1918 Welschtirol oder einfach Südtirol....
  9. Anton von Lutterotti: Südtiroler Landeskunde. Bozen: Athesia 2000, S. 7
  10. Bonfadini, Giovanni: Il confine linguistico veneto-lombardo. In: Manlio Cortelazzo: Guida ai dialetti veneti. Band 5. CLEUP, Padua 1983, S. 23–59.
  11. Z. B. „matèla“ vom Bairischen Madel.
  12. Bernhard Wurzer: Die deutschen Sprachinseln in Oberitalien. 4. überarb. Ausgabe, Bozen 1977.
  13. Bepe Richebuono: Breve storia dei Ladini dolomitici. Istitut Ladin Micurà de Rü, San Martin de Tor 1992.
  14. Zugehörigkeit zur Bevölkerung ladinischer, fersentalerischer und zimbrischer Spracher, nach Gemeinde und Wohngebiet – Volkszählung 2001 (PDF; 27 kB) Statistisches Jahrbuch (Annuario Statistico) 2006 der Autonomen Provinz Trient.
  15. a b Vorläufiges Endergebnis der Volkszählung 2011 (PDF; 202 kB), Statistikamt der Autonomen Provinz Trient.
  16. Appartenenza alla popolazione di lingua ladina, mochena e cimbra, per comune ed area di residenza (censimento 2001). Website „Minoranze Linguistiche“ der Autonomen Provinz Trient, abgerufen am 4. Oktober 2012 (PDF; 27 kB, italienisch).
  17. Hermann Ignaz Bidermann: Die Italiener im Tirolischen Provinzial-Verbande, Innsbruck 1874, S. 61ff
  18. Clara Nardon: 1848: irredenti e compromessi: documenti S. 11–19
  19. a b Giovanni Olmi: La pellagra nel Trentino fra otto e novecento S. 365–378
  20. Michael Gehler: Die fatti di Innsbruck oder der Sturm auf die italienische Rechtsfakultät am 4. November 1904. Ein Ereignis im gesamtpolitischen Kontext der ausklingenden Habsburger Monarchie, in: Michael Gehler/Günther Pallaver: Universität und Nationalismus. Innsbruck 1904 und der Sturm auf die italienische Rechtsfakultät, Trient 2013, S. 19–55.
  21. Paolo Piccoli, Armando Vadagnini: De Gasperi. Un trentino nella storia d’Europa, Soveria Mannelli 2004, S. 103
  22. Claus Gatterer: Erbfeindschaft Italien-Österreich. München-Zürich 1972, S. 138
  23. Tiroler Ehrenbuch – Digital
  24. Datenbank der im 1. Weltkrieg gefallenen Trentiner (italienisch) abgerufen am 15. November 2017
  25. Miria Manzana: Volontari trentini nell’esercito italiano, trentinocultura.net
  26. L’economia trentina: demografia, occupazione e reddito prodotto – Aspetti demografici (italienisch) abgerufen am 23. November 2018
  27. Distribuzione della superficie territoriale per fascia altimetrica (italienisch) abgerufen am 23. November 2018
  28. Provincia Autonoma di Trento – Servizio Statistica: Studi monografici: Un’analisi dinamica della popolazione residente in provincia di trento attraverso i censimenti S. 15–16
  29. Eurostat. Abgerufen am 15. April 2018.
  30. Sub-national HDI - Area Database - Global Data Lab. Abgerufen am 12. August 2018 (englisch).

Koordinaten: 46° 4′ N, 11° 7′ O