Pumpspeicherkraftwerk Koralm

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Pumpspeicherkraftwerk Koralm
Lage
Pumpspeicherkraftwerk Koralm (Steiermark)
Pumpspeicherkraftwerk Koralm
Koordinaten 46° 48′ 15″ N, 15° 2′ 3″ OKoordinaten: 46° 48′ 15″ N, 15° 2′ 3″ O
Land Österreich
Daten
Typ Pumpspeicherkraftwerk
Primärenergie Wasserkraft
Projektbeginn

Das Pumpspeicherkraftwerk Koralm ist ein geplantes Pumpspeicherkraftwerk im weststeirischen Koralmgebiet. Mit einer projektierten Maximalleistung von etwa 960 Megawatt wäre es das leistungsstärkste Kraftwerke in der Steiermark.[1][2]

Projektbeschreibung

Der Projektstandort des Kraftwerks im Bezirk Deutschlandsberg liegt auf der Ostabdachung der Koralm. Ein Oberspeicher soll mit Stauziel auf 1738 m Seehöhe auf der Glitzalm zwischen Frauenkogel und Ochsenofen errichtet werden. Er soll 4,9 Millionen Wasser speichern können, als Abschlussdamm soll ein etwa 640 m langer bepflanzter Erdschüttdamm dienen. Der Unterspeicher ist im Talraum des Seebaches (Flurbezeichnung Waldsteinbauer) auf einer Höhe von 1082 m (Stauziel) geplant und soll einen Speichernutzinhalt von 4,5 Millionen m³ haben. Er soll einen Steinschüttdamm als Abschlussdamm erhalten. Die beiden Becken sollen durch Pump- und Druckleitungen verbunden sein.

Die Kraftstation ist als Kavernenkraftwerk geplant mit einer Maximalleistung von rund 970 MW im Pumpbetrieb und rund 960 MW im Turbinenbetrieb. Als Maschinen sind vier ternäre Maschinensätze vorgesehen. Die Kaverne soll über einen 2343 m langen Zufahrststollen erschlossen werden.[1]

Der Projektstandort liegt im Geltungsbereich der Alpenkonvention, der Standort des Oberspeichers auch im Europaschutzgebiet Koralpe.[1] Für das Projekt müssen etwa 15 Hektar Wald gerodet werden.[3]

Funktionsweise

Der Strom soll direkt in die nahegelegene 380-kV-Hochspannungsleitung eingespeist werden.

Die geplante Anlage dient zur Speicherung elektrischer Energie durch Hochpumpen von Wasser. Bei Energiebedarf im Stromnetz wird mittels Pumpen und Generatoren Strom gewonnen, wobei das das Wasser in den Unterspeicher geleitet wird. In Zeiten von Energieüberschuss im Netz soll das Wasser wieder in den Oberspeicher gepumpt werden.[1]

Nach einer einmaligen Wasserentnahme aus dem Seebach (Dauer etwa zwei Jahre)[3] soll der Wasserkreislauf ein fast geschlossenes System darstellen. Allfällige Evaporationsverluste sollen durch anfallende Niederschlags- bzw. Bergwässer ausgeglichen werden.[1]

Geschichte

Die Betreiberfirma Pumpspeicherkraftwerk Koralm GmbH wurde im August 2012 gegründet.[2] Das Projekt wurde im Jänner 2013 erstmals den betroffenen Gemeinden vorgestellt.[4]

Im Mai 2016 bestimmte das Land Steiermark in einem Feststellungsbescheid, dass für das Projekt keine Umweltverträglichkeitsprüfung (UVP) notwendig sei, da das zu bebauende Land nicht in einem Landschaftsschutzgebiet liege,[5] außerdem sahen sie den Bau mangels Ausleitung nicht als Wasserkraftanlage. Umweltschützer legten gegen den Bescheid Beschwerde ein. Am 10. August 2016 entschied das Bundesverwaltungsgericht, dass für das Projekt durchaus eine UVP durchgeführt werden muss.[2] Ein Einwand dagegen durch die Betreiber wurde vom Verwaltungsgerichtshof als unbegründet abgewiesen.[3]

Kritik

Kritik am geplanten Bauvorhaben kommt von Anrainern sowie von Natur- und Umweltschutzorganisationen. Die Marktgemeinde Schwanberg fürchtet, durch den Baustellenverkehr nicht die angestrebte Auszeichnung als Kurort „Bad Schwanberg“ erlangen zu können.[6]

Betreiber und Kosten

Projektbetreiber ist Pumpspeicherkraftwerk Koralm GmbH, die zu 50 Prozent der Mohik-Wertholz GmbH von Alfred Liechtenstein, zu 48 Prozent der Sonnhof Entwicklungs GmbH von Peter Masser und zu je einem Prozent der Andritz Hydro GmbH und der Porr Bau GmbH.[2]

Als Kosten für das Projekt wurden 800–1000 Millionen Euro kolportiert.[2]

Einzelnachweise

  1. a b c d e Amt der steiermärkischen Landesregierung (Hrsg.): UVP-Gutachten für das Vorhaben Pumpspeicherkraftwerk Koralm – Befund und Gutachten aus dem Fachbereich Waldökologie und Forstwesen. Graz 22. August 2018 (Online auf der Website des Landes [PDF; 5,4 MB]).
  2. a b c d e Koralm-Pumpspeicherkraftwerk: UVP notwendig. In: ORF. 16. August 2016, abgerufen am 8. Oktober 2018.
  3. a b c UVP für Kraftwerk auf der Koralm unumgänglich. In: ORF. 5. Mai 2017, abgerufen am 8. Oktober 2018.
  4. Günter Pilch: Gigantisches Kraftwerk für die Koralm geplant. In: Kleine Zeitung. 10. Januar 2013, abgerufen am 8. Oktober 2018.
  5. Bau des Koralm-Kraftwerks ohne UVP? In: ORF. 20. Mai 2016, abgerufen am 8. Oktober 2018.
  6. UVP-Verhandlung zu Koralm-Kraftwerk gestartet. In: ORF. 8. Oktober 2018, abgerufen am 8. Oktober 2018.