Olof Klohr

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Olof Klohr (* 4. Januar 1927 in Hamburg; † 28. September 1994 in Rostock) war ein deutscher marxistischer Philosoph und Hochschullehrer in der DDR.

Der Sohn eines Schriftsetzers schloss 1943 die Mittelschule in Hamburg ab und machte 1943–1946 eine kaufmännische Ausbildung in Hamburg, noch unterbrochen durch Wehrdienst. 1946–1947 besuchte Klohr die Dolmetscher-Schule Hamburg, die er mit der Dolmetscherprüfung in Englisch abschloss, aber nur kurz 1947 bei der Britischen Militärregierung Hamburg nutzte. 1947–1949 besuchte er die Vorstudienanstalt Halle und legte 1949 das Abitur ab. 1949–1951 studierte er Gesellschaftswissenschaften an der Universität Leipzig bis zum Dipl.-Lehrer für Gesellschaftswissenschaften, 1951–1957 wurde er Dozent am Institut für Gesellschaftswissenschaften an der Universität Halle, wo er 1956 zum Dr. phil. promovierte mit der Dissertation über Ernst Haeckel: Das biogenetische Gesetz und seine philosophische Interpretation. 1957–1962 lehrte er als Dozent an der Universität Rostock, 1962 folgte die Habilitation an der Universität Jena mit der Arbeit: Katholische Philosophie und Theologie über einige Grundfragen des Lebens. Eine Auseinandersetzung mit idealistischen Irrtümern und Fehldeutungen in der westdeutschen katholischen Literatur. Darauf wurde er dort 1963 bis 1969 Professor für Religionssoziologie und „Wissenschaftlichen Atheismus“. Zu seinen Werken zählte eine empirische Studie über Klassenbewusstsein in einem Großbetrieb.

Nach Protesten von kirchlicher Seite wurde er 1969 als Professor für Dialektischen und Historischen Materialismus an die Ingenieurhochschule für Seefahrt Warnemünde/Wustrow versetzt, wo er bis 1990 im Bereich Marxismus-Leninismus lehrte. Dieses Fach gab es an jeder Hochschule in der DDR. Mit Hans Lutter (Pädagogische Hochschule Güstrow) und Eduard Winter (Universität Greifswald) bildete er eine Forschungsgemeinschaft zum „Wissenschaftlichen Atheismus“. Ende 1989 wurde der Name geändert in „Religionswissenschaft“.

Klohr befasste sich mit dem Atheismus und speziell dem Katholizismus, etwa Teilhard de Chardin, sowie mit Religionssoziologie. In der DDR-Philosophie wurde diese Position etwa ab 1969 zunehmend isoliert, da die SED-Führung den Konflikt mit der protestantischen Kirche auf dem Weg in den Sozialismus vermeiden wollte. Etwa der Atheismusforscher Martin Robbe verlagerte sein Interesse auf die Orientalistik. Dabei war Atheismus in der sowjetischen Philosophie ein zentrales Thema. In den 1980er Jahren war Klohr beteiligt an der Erstellung einer Eichsfeld-Studie über den dortigen Katholizismus.

Stefan Heym stellt ironisch Klohr im Roman Ahasver als Dr. Dr. h. c. Beifuß dar.

Schriften

Literatur

  • Wissenschaftlicher Atheismus in den Kämpfen unserer Zeit: Prof. Dr. phil. habil. Olof Klohr zum 60. Geburtstag. Rostock-Warnemünde 1987.
  • Michael Ploenus: „... einmalig von Eisenach bis Wladiwostok“. Olof Klohr (1927–1994). In: Matthias Steinbach (Hg.): Ketzer, Käuze, Querulanten. Jena (u. a.) 2008, S. 366–380.
  • Simone Thiede: Der Dialog zwischen Religionen und säkularen Weltanschauungen. Dargestellt am Beispiel des christlich-marxistischen Dialogs in der DDR. Lang, Frankfurt a. M. 1998. ISBN 978-3-631-33981-7
  • Simone Thiede: Christlich-Marxistischer Dialog in der DDR, 2009.
  • Manfred Lauermann: Der Atheismus: das ungeliebte Stiefkind der DDR. In: Richard Faber u. a. (Hg.): Atheismus: Ideologie, Philosophie oder Mentalität?, Würzburg 2006, S. 121–146. ISBN 3-82602895-3

Weblinks