Nigel Farage

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Zur Navigation springen Zur Suche springen
Nigel Farage (2014)

Nigel Paul Farage [ˈfærɑːʒ] (* 3. April 1964 in London[1]) ist ein britischer, ehemals der UK Independence Party (UKIP) zugehöriger Politiker[2] und ehemaliger Rohstoffhändler. Er ist seit 1999 Mitglied des Europäischen Parlaments, in dem er einer der jeweils beiden Vorsitzenden der EU-skeptischen Fraktionen Unabhängigkeit/Demokratie (2004–2009), Europa der Freiheit und der Demokratie (2009–2014) bzw. Europa der Freiheit und der direkten Demokratie (seit 2014) war bzw. ist.

Im September 2006 wurde er Vorsitzender seiner Partei. In seiner Zeit wuchs die Zahl der UKIP-Abgeordneten im Europa-Parlament von 10 auf 24; im nationalen britischen Parlament blieb die Partei unbedeutend. Kurz nach dem Brexit-Referendum erklärte er am 4. Juli 2016 seinen Rücktritt von allen Parteiämtern, da er sein politisches Ziel erreicht habe, den Austritt Großbritanniens aus der EU. Farage positionierte sich als ausgesprochener Gegner des europäischen Einigungsprozesses und vor allem des Euro. Im August 2018 wurde er Vize-Vorsitzender des Komitees Leave means Leave, das sich für ein Ja beim Referendum eingesetzt hatte. Anfang Dezember 2018 trat er aus der UKIP aus.[3]

Leben

Farage hat hugenottische Vorfahren. Er wurde 1964 als einer von zwei Söhnen eines Börsenmaklers geboren, der in der City of London arbeitete. Sein Vater war alkoholabhängig und verließ die Familie, als Nigel ein Kind war.

Farage besuchte bis 1982 das private Internat Dulwich College in London. Im Alter von 21 Jahren erkrankte er an einem Teratom, einem bösartigen Hodentumor („Hodenkrebs“). Der befallene linke Hoden wurde operativ entfernt, und Farage wurde dadurch geheilt.[4] Er arbeitete nach dem Schulabschluss als Rohstoffhändler bei der London Metal Exchange. Farage war später für die Investmentbank Drexel Burnham Lambert, die Bank Crédit Lyonnais, das Wertpapierhandelsunternehmen Refco und die Investmentbank Natixis tätig. Am 6. Mai 2010 erlitt er Verletzungen, als ein Kleinflugzeug, das ein UKIP-Werbebanner zog, eine Bruchlandung machte.[5][6]

Politische Laufbahn

Nigel Farage (2008)

Farage trat schon während seiner Schulzeit in die britische Konservative Partei ein; er trat 1992 wieder aus, als die konservative Regierung unter John Major 1992 den Vertrag von Maastricht unterzeichnete. 1993 war Farage eines der Gründungsmitglieder der UK Independence Party (UKIP), die einen Austritt Großbritanniens aus der Europäischen Union anstrebt.

Bei der Europawahl 1999 wurde Farage ins Europäische Parlament gewählt (als einer von drei UKIP-Abgeordneten), ebenso 2004 (einer von zehn), 2009 (einer von 13) und 2014 (einer von 24). Farage wurde Vorsitzender der Fraktion Unabhängigkeit/Demokratie sowie im September 2006 auch UKIP-Vorsitzender, nachdem er angekündigt hatte, durch eine straffere Parteiführung ihre Abgeordnetenzahl bei lokalen, nationalen und anderen Wahlen steigern zu wollen. UKIP solle aufhören, als eine Ein-Themen-Partei wahrgenommen zu werden, und für ihr Ziel des EU-Austritts („Brexit“) Verbündete in anderen Parteien suchen. Seine Kampagne Better Off Out („Draußen besser dran“) fand in anderen Parteien zunächst nur geringen Widerhall. Nach der Europawahl 2009 übernahm Farage zusammen mit Francesco Speroni den Vorsitz der Fraktion Europa der Freiheit und der Demokratie (EFD), der Nachfolgerin der Fraktion Unabhängigkeit/Demokratie.

Als Fraktionsvorsitzender fiel Farage durch verschiedene Kontroversen auf, bei denen er etwa eine durch eine Amnestie erlassene Bewährungsstrafe des französischen EU-Kommissars für Verkehr Jacques Barrot wegen Unterschlagung von 2 Millionen Pfund an Staatsgeldern öffentlich machte oder einen Segelurlaub anprangerte, den Kommissionspräsident José Manuel Barroso mit dem griechischen Multimilliardär Spiros Latsis auf dessen Yacht unternahm, einen Monat bevor die EU-Kommission unter Barrosos Vorgänger Romano Prodi eine griechische Staatsbeihilfe von 10,3 Millionen Euro für Latsis’ Reederei bewilligt hatte. 2010 zweifelte er die Rechtmäßigkeit der Methode an, mit der Herman Van Rompuy als Präsident des Europäischen Rates ins Amt gekommen war, da dieser vorher politisch völlig unbekannt gewesen sei. Er attestierte Rompuy das „Charisma eines feuchten Lappens“ mit dem „Erscheinungsbild eines untergeordneten Bankangestellten“[7] und bezeichnete Belgien als „so ziemlich ein Nicht-Land“ („pretty much a non-country“), woraufhin ihm eine Geldbuße in Höhe von 3000 Euro auferlegt wurde[8] und er eine Entschuldigung an Bankangestellte aussprach.

Im Zuge der Vorbereitung für die britische Unterhauswahl 2010 kündigte Farage im September 2009 seinen Rücktritt als UKIP-Parteichef an, um sich auf seine Kandidatur gegen John Bercow, den Speaker of the House, zu konzentrieren. Sein Nachfolger im Vorsitz der UKIP wurde Malcolm Pearson, der allerdings im August 2010 zurücktrat. Farage, dessen Unterhauskandidatur erfolglos geblieben war, kandidierte daraufhin erneut für den UKIP-Vorsitz und gewann bei der parteiinternen Wahl gegen David Campbell Bannerman, Tim Congdon und Winston McKenzie.

Als EU-Parlamentarier war Farage in der Periode von 2009 bis 2014 als Co-Vorsitzender der Fraktion Europa der Freiheit und der Demokratie Mitglied in der Konferenz der Präsidenten. Ansonsten war Farage in keinen Ausschüssen oder Delegationen tätig.[1]

Im Zusammenhang mit der Staatsschuldenkrise im Euroraum und dem Rettungspaket sprach sich Farage klar gegen die Rettungsaktion für Griechenland aus und bezeichnete diese als Manöver, um von den Problemen in Spanien und Italien abzulenken.[9]

Nachdem er bei der Unterhauswahl 2015 im britischen Wahlkreis Thanet South seinem Gegenkandidaten Craig Mackinlay von der Konservativen Partei unterlegen war, erklärte Farage, wie er für diesen Fall angekündigt hatte, seinen Rücktritt als Parteivorsitzender der UKIP,[10] was jedoch am 11. Mai 2015 vom Parteivorstand abgelehnt wurde.[11]

Farage gilt als eine Schlüsselfigur für den Abstimmungserfolg der Brexit-Befürworter beim EU-Referendum am 23. Juni 2016. Er engagierte sich vehement im Wahlkampf.[12] Bei dem Referendum stimmten 72,1 % der Wahlberechtigten ab (51,9 % der Abstimmenden für einen Brexit und 48,1 % dagegen).[13]

Am 4. Juli 2016 gab Farage überraschend bekannt, dass er sein Amt als UKIP-Parteichef abgeben werde, weil er sein Ziel erreicht habe, das Vereinigte Königreich aus der EU zu führen. Er wurde mit den Worten zitiert: „Ich will mein Leben zurück.“[14]

Am 11. Januar 2018 sagte Farage in einer Talkshow, er könne sich ein zweites Brexit-Referendum vorstellen.[15] Am 17. August 2018 schrieb Farage in einer Kolumne,[16] es sei an der Zeit, der Westminster-Clique eine Lektion zu erteilen. Er werde mit der Kampagne Leave Means Leave durchs Land ziehen, um gegen den Brexit-Plan der Regierung May zu protestieren und für einen harten EU-Austritt zu kämpfen.[17]

Nachdem der UKIP-Vorsitzende Gerard Batten am 22. November 2018 den umstrittenen Tommy Robinson zu seinem Berater ernannt hatte, rief Farage zur Abwahl von Batten auf. Dieser ziehe UKIP „in eine schändliche Richtung“. UKIP müsse sich bemühen, eine „nichtrassistische, nichtsektiererische Partei“ zu sein.[18] Wenige Tage später erklärte er am 4. Dezember 2018 seinen Austritt aus der Partei. Zur Begründung meinte er, dass er UKIP „kaum mehr wiedererkennen“ könne und dass sie extremistischen Strömungen gegenüber blind geworden sei. Der Vorsitzende Batten sei geradezu besessen vom Thema „Islam“ – nicht nur „Islamismus“ – und ebenso von der Person Tommy Robinsons. Die Verbindung mit Robinson und der English Defence League werde UKIP „weg von einer parlamentarischen Partei hin zu einer Partei des Straßen-Aktivismus“ führen.[19]

Präsidentschaftswahlkampf in den Vereinigten Staaten 2016

Am 25. August 2016 trat Farage zur Unterstützung des republikanischen Präsidentschaftskandidaten Donald Trump auf einer Versammlung von 15.000 Aktivisten in Jackson (Mississippi) auf und rief sie auf, sich „gegen das Establishment“ in Washington zu erheben.[20]

Im Oktober 2016 lobte Farage Trump dafür, dass er Hillary Clinton „wie ein Silberrückengorilla“ dominiert habe,[21] kritisierte aber auch dessen Äußerungen im Wahlkampf über Frauen, Muslime und Mexikaner.[22]

Trump seinerseits schlug in einem Tweet am 22. November 2016 Farage für den Posten des britischen Botschafters in den Vereinigten Staaten vor. Die britische Regierung erwiderte darauf, dass der Botschafterposten schon mit Kim Darroch besetzt sei, der sein Amt erst im Januar 2016 angetreten habe, und dass Botschafter üblicherweise mindestens vier Jahre im Amt seien. Der frühere Botschafter Christopher Meyer erklärte, dass man „den Vorschlag anhören könne und ihn dann höflich, aber entschieden ablehnen“ werde. In einem Kommentar meinte Farage, dass der Regierung die Abneigung gegen ihn, UKIP und den Ausgang des Referendums wichtiger sei als die Dinge, die für das Land gut seien. Er sei „in einer guten Position, mit der Unterstützung des Präsidenten seinem Land zu helfen“.[23]

Familie

Farage ist seit 1999 in zweiter Ehe mit der Deutschen Kirsten Mehr verheiratet, mit der er zwei Kinder hat und von der er getrennt lebt. Er hat zwei Kinder aus erster Ehe.[24] Die zwei Kinder aus seiner Ehe mit Kirsten Mehr haben sowohl die britische als auch die deutsche Staatsangehörigkeit.[25]

Weblinks

 Commons: Nigel Farage – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

  1. a b Nigel Farage. Europäisches Parlament.
  2. Jochen Buchsteiner: Chefpopulist tritt ab: Farage verlässt Britische Unabhängigkeitspartei. In: FAZ.net. 5. Dezember 2018, abgerufen am 9. Dezember 2018.
  3. Nigel Farage tritt aus Ukip aus. In: Zeit Online. 4. Dezember 2018, abgerufen am 4. Dezember 2018
  4. Nigel Farage: Flying Free. Biteback Publishing, 2011, ISBN 978-1-849-54286-9 (eingeschränkte Vorschau in der Google-Buchsuche).
  5. Matthew Weaver: Ukip’s Nigel Farage injured in aeroplane crash. In: The Guardian. 6. Mai 2010, abgerufen am 31. Dezember 2011 (englisch).
  6. UKIP MEP Nigel Farage crashes in light plane during 2010 Election Day in UK. In: YouTube. Abgerufen am 31. Dezember 2011 (englisch).
  7. Nigel Farage insults Herman van Rompuy, calls EU President a “Damp Rag”. In: YouTube. 24. Oktober 2010, abgerufen am 18. Dezember 2015 (englisch).
  8. Carsten Volkery: Britischer Rechtspopulist bepöbelt EU-Ratspräsidenten. In: Spiegel Online. 2. März 2010, abgerufen am 31. Dezember 2011.
  9. Dorothea von Wurmbrand-Stuppach: Interview Nigel Farage: „Je schneller der Euro verschwindet, desto besser für jeden“ (Memento vom 20. Oktober 2013 im Internet Archive). In: Markenpost.de. 26. Juli 2011.
  10. Nigel Farage resigns as UKIP leader as the party vote rises. In: BBC News. 8. Mai 2015, abgerufen am 8. Mai 2015 (englisch).
  11. Nigel Farage tritt vom Rücktritt zurück. In: Spiegel Online. 11. Mai 2015.
  12. Alexander Menden: Der Mann, dem „das britische Volk zu folgen beschloss“. In: Süddeutsche Zeitung. 24. Juni 2016.
  13. Results. In: BBC News (englisch).
  14. Ukip-Chef und Brexit-Befürworter Nigel Farage tritt zurück. In: Frankfurter Allgemeine Zeitung. 4. Juli 2016, abgerufen am 4. Juli 2016.
  15. Farage kann sich zweites Brexit-Referendum vorstellen. In: FAZ.net. 11. Januar 2018.
  16. Nigel Farage: The time has come to teach the political class a lesson: I’m back fighting for a real Brexit. In: The Daily Telegraph. 17. August 2018.
  17. Peter Stäuber: Wozu soll dieser Brexit gut sein? In: Zeit Online. 23. August 2018.
  18. UKIP leader defends hiring Tommy Robinson. In: BBC News. 23. November 2018, abgerufen am 12. Dezember 2018 (englisch).
  19. Former leader Nigel Farage quits UKIP. In: BBC News. 4. Dezember 2018, abgerufen am 5. Dezember 2018 (englisch).
  20. Donald Trump can beat polls, UKIP’s Nigel Farage tells rally. In: BBC News. 24. August 2016, abgerufen am 24. August 2016 (englisch).
  21. Robin de Peyer: Nigel Farage praises ‘silverback gorilla’ Donald Trump for ‘dominating’ Hillary Clinton. In: Evening Standard. 10. Oktober 2016, abgerufen am 16. Oktober 2016.
  22. Jane Martinson, Rowena Mason, Molly Redden: Nigel Farage backtracks on Donald Trump support amid groping claims. In: The Guardian. 15. Oktober 2016, abgerufen am 16. Oktober 2016.
  23. Nigel Farage attacks response to Trump ambassador tweet. In: BBC News. 22. November 2016, abgerufen am 22. November 2016 (englisch).
  24. Nigel Farage and wife Kirsten ‘living separate lives’. BBC News. 6. Februar 2017.
  25. Nigel Farage: two of my children have German passports. In: The Guardian. 18. April 2018.