Mörtel

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Zur Navigation springen Zur Suche springen
Erhärteter Mauermörtel in Sichtmauerwerk

Mörtel (von lat. mortarium „Mörser“, „Mörtelgefäß“; regional auch Speis, m.) ist ein Baustoff, der aus einem Bindemittel (beispielsweise Kalk oder Zement), Gesteinskörnung mit höchstens 4 mm Korngröße sowie Zugabewasser besteht, gegebenenfalls noch aus Betonzusatzstoffen und -zusatzmitteln,[1] und der durch chemische Reaktion der Bindemittel erhärtet. Eine Kenngröße für die Zusammensetzung ist der Wasserfeststoffwert. Der Mörtel dient in erster Linie zur Verbindung von Mauersteinen und zum Verputzen von Wänden und Decken. Seine Herstellung erfolgt entweder im Werk oder vor Ort auf der Baustelle.

Geschichte

Die Entwicklung von Mörtel fällt in die Zeit der Antike. Die Römer entwickelten den Baustoff opus caementitium, ein Gemisch aus Bruchstein oder Ziegelschrot („Caementum“), Bindemittel („Mortar“) und Wasser, um eine Art künstlichen Stein herzustellen.[2] Opus caementitium wird heute als Vorläufer des Betons betrachtet, aber auch der heutige Mörtel hat sich aus diesem antiken Baustoff entwickelt. Im Unterschied zum Beton sind die verwendeten Gesteinskörnungen feiner, eine Zugabe von größeren Bruchsteinen fehlt.

Einteilung

Funktionell

Nach Art der Verwendung

Nach seiner Funktion oder Verwendung unterscheidet man:[3]

Auch zur Wärmedämmung oder zur Befestigung von Verkleidungselementen wird Mörtel eingesetzt. Ein weiterer Einsatzbereich ist die Verwendung von Zementmörtel für die Auskleidung von Stahlrohren als Korrosionsschutz gegenüber aggressiven Medien.[5]

Brandschutzmörtel

Aufbau eines Prüfkörpers für eine Brandprüfung

Brandschutzmörtel sind in Deutschland zulassungspflichtig durch das Deutsche Institut für Bautechnik. Es handelt sich um besondere Baustoffe, die einer bauamtlichen Fremdüberwachung unterzogen werden, weil sie zur Herstellung von Abschottungen benutzt werden, die nachweislich eine bestimmte Feuerwiderstandsklasse aufweisen müssen. Das Brandschutzgewerk ist ein Teil des „WKSB“ (Wärme-, Kälte-, Schall- und Brandschutz), also des Isolierungshandwerkes. Die einschlägigen Branchenverbände hierfür sind in Deutschland die Gütegemeinschaft Brandschutz im Ausbau und in den USA und Kanada die Firestop Contractors International Association und der International Firestop Council.

Gesteinskörnung

Terrassenplatten in Mörtel mit Feinkies als Gesteinskörnung

Die häufigste Gesteinskörnung für Mörtel ist Sand, es können jedoch in bestimmten Fällen auch andere Materialien verwendet werden, beispielsweise Feinkies oder Holzspäne. Das Größtkorn der Gesteinskörnung liegt bei 4 mm. Zementmörtel unterscheidet sich neben der Verwendung meist durch diese geringe Korngröße von Beton. Manche Mörtel-Bindemittel können auch ohne Gesteinskörnung, also lediglich mit Wasser, verwendet werden.

Bindemittel

Mörtel kann mit mineralischen Bindemitteln, wie etwa Kalk, Zement, Gips, Anhydrit, Magnesit und Lehm, Putz- und Mauerbinder oder mit organischen Bindemitteln (also Kunststoffen) hergestellt werden.

Aushärtung

Das Bindemittel erhärtet entweder durch physikalische (Trocknung, etwa bei Lehm) oder chemische Vorgänge:

  • Im Luftmörtel kann das Bindemittel nur an der Luft, z. B. durch Trocknung oder durch Reaktion mit Kohlenstoffdioxid, aushärten.
  • Wassermörtel oder hydraulischer Mörtel härtet auch unter Wasser aus.

Mörtelgruppen

Seit 2003 gilt für Putzmörtel ein neues Normenwerk:

DIN-EN 998-1 (09/2003)

Festlegung für Mörtel im Mauerwerksbau
Die Putzmörtelgruppen PI, PII, PIII nach DIN 18550 gibt es nicht mehr. Die neue europäische Norm gilt für im Werk hergestellte Putzmörtel. Sie unterscheidet nach Art der Eigenschaften und/oder Verwendungszweck

  • Normalmörtel (GP)
  • Leichtmörtel (LW)
  • Edelputzmörtel (CR)
  • Einlagenputzmörtel für außen (OC)
  • Sanierputzmörtel (R)
  • Wärmedämmputzmörtel (T)
Einteilung nach der alten DIN 18550

Normen und Standards

  • DIN 1053 – Mauerwerk
  • DIN 18550 – Putz und Putzsysteme

Spezielle Arten

Weblinks

 Wiktionary: Mörtel – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen

Einzelnachweise

  1. Dietmar Grütze: Bau-Lexikon. Carl Hanser Verlag, München 2007, ISBN 3-446-40472-4, S. 181.
  2. Fritz Scheidegger: Aus der Geschichte der Bautechnik. Birkhäuser, Basel 1994, ISBN 3-7643-5069-5, S. 75.
  3. A. Beuth und M. Beuth: Lexikon Bauwesen. Deutsche Verlags-Anstalt, München 2001, ISBN 3-421-03242-4, S. 108.
  4. Hans-Gustav Olshausen: VDI-Lexikon Bauingenieurwesen. Springer-Verlag, Berlin Heidelberg 1991, ISBN 978-3-662-30425-9, S. 652.
  5. Mannesmann Forschungsberichte, Nr. 770/1978 von B. Heinrich, H. Hildebrand, M. Schulze, W. Schenk, in: 3R international, 17. Jg., Heft 7, Juli 1978, S. 448–459.