Heide (Landschaft)

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Heidelandschaft bei Haltern am See (Westruper Heide)

Heide (veraltet auch Haide) ist die Bezeichnung für einen Landschaftstyp und benannte ursprünglich das vom Menschen unbebaute Land, später auch eine schlechthin unfruchtbare, nicht urbar zu machende Landschaft[1][2][3] und war damit ein Synonym für Wildnis. Im engeren Sinne versteht die Biologie darunter einen Vegetationstyp, der durch Sträucher oder Zwergsträucher mit immergrünem, hartem Laub geprägt ist.[4] Heiden sind dabei insbesondere solche, die von Heidekrautgewächsen dominiert werden, wie idealtypisch die atlantischen Zwergstrauchheiden Nordwest-Europas, aber auch die Heiden Australiens und der Fynbos Südafrikas.

Im traditionellen Sprachgebrauch werden regional verschiedene Landschaftstypen als „Heide“ bezeichnet, teils auch mit zusammengesetzten Begriffen wie Felsheide oder Steppenheide (vergleiche zum Beispiel die Garchinger Heide, einen Trockenrasen bei München). In Ostdeutschland werden darunter, wohl von der älteren Bedeutung des Worts abgeleitet, aufgelichtete Kiefernwälder, seltener auch andere Wälder, verstanden.[1][5][6] Alle Heiden Mitteleuropas, abseits der Meeresküsten, verdanken dabei historisch ihre Entstehung der ungeregelten Beweidung, bei der ein Hutewald durch den Verbiss des Viehs in eine mehr oder weniger baumfreie, offene Fläche umgewandelt wurde.[7]

Im engsten Wortsinn werden solche Flächen „Heide“ genannt, die durch vorherrschendes Heidekraut (Calluna vulgaris) auf nährstoffarmen und sauren Böden gekennzeichnet sind, oft mit eingestreutem Wacholder. Der Name des Heidekrauts ist schon im Althochdeutschen belegt und zeigt dadurch die langstehende Verbindung des Landschaftsnamen mit weitgehend unbebaubarem Flachland.[1] Das blühende Heidekraut als Leitpflanze verwandelt einmal im Jahr, von Sommer bis Herbst, die weite, baumlose Heidelandschaft atlantischen Typs in einen lilafarbenen Teppich.

Begriffsgeschichte

Im Ursprung bedeutete das althochdeutsche Wort heide (auch heyde) „unbebautes Land“ im Gegensatz zu dem für Garten- oder Landwirtschaft urbar gemachten Land im Umkreis von Siedlungen.[1] Diese Bezeichnung wurde auf die Allmendeweiden übertragen, die von allen Bauern der Gemeinde gemeinsam genutzt wurden; dabei waren Wald und Weideland nicht voneinander geschieden, der Wald wurde mitbeweidet und lichtete sich dadurch immer mehr aus. Heide war in der Folge mehr ein Rechtsbegriff als eine Landschaftsform, andernorts sprach man im gleichen Sinne von Mark, Gemeine, Gemeinde, Gemeinheit, Allmende. Entsprechend sind Heiden in Norddeutschland Zwergstrauchfluren, in Süddeutschland Kalktriften mit Magerrasen, im Osten lichte Kiefernwälder. In der Neuzeit setzte sich dann (wohl bedingt durch das Heidekraut und die Berühmtheit der Lüneburger Heide) der norddeutsche Name durch. Regional gibt es noch weitere Bezeichnungen für die Heide, zum Beispiel Palve im baltischen Raum.

Geographische Verteilung

Deutschland

Die Gesamtfläche aller Heidegebiete beträgt in Brandenburg 12.407 Hektar, mehr als in jedem anderen Land der Bundesrepublik Deutschland.[8] Bekannte Heidelandschaften sind die Lüneburger Heide in Niedersachsen, die Colbitz-Letzlinger Heide in Sachsen-Anhalt, die Senne in Nordrhein-Westfalen, die Ohligser Heide in Solingen (Nordrhein-Westfalen) oder die Schorfheide in Brandenburg. Alle genannten Heidegebiete gehören zum Typus der atlantischen Heiden.

Heiden nicht-atlantischen Typs gibt es vor allem in Süddeutschland. Zu ihnen gehören die Lechtalheiden bei Augsburg.

Heideflächen in Parks

In einigen Parks sind Heideflächen angelegt, teilweise auch unter Berücksichtigung mehrerer Sorten, um deren Vielfalt zu veranschaulichen.

Sonstiges Europa

In Europa gibt es eine Vielzahl von Heidegebieten. Zu unterscheiden sind drei Haupttypen von atlantischen Heiden:

  1. Küstennahe Heiden sind vom milden, feuchten Meeresklima geprägt. Diesen Heidetyp gibt es in Norwegen, Irland, Nordwestschottland sowie auf den Orkney- und Shetland-Inseln. Er ist mit Moor- und Sumpf­landschaften verbunden und stellt einen natürlich gewachsenen Landschaftstyp dar.
  2. Die zentralen, nicht unmittelbar an der Küste gelegenen Heideregionen umfassen Gebiete in Schweden, Dänemark, Deutschland, den Benelux-Staaten, England, Frankreich, Polen und den baltischen Staaten. Dabei handelt es sich überwiegend um Sandheiden, die durch menschliche Einflüsse entstanden sind.
  3. Ein dritter – ebenfalls anthropogen entstandener – Typ befindet sich in Südeuropa. In Südfrankreich, Spanien und Portugal liegen die Heideregionen im küstennahen, steilen Bergland (vgl. Macchie), während die zentralen Heidegebiete eher in flach welligen Tiefland-Regionen zu finden sind. Im Süden überziehen bunte Blumenteppiche die felsigen Bergkuppen.

Auch außerhalb Deutschlands gibt es in den Alpen und in deren Nähe Gebiete mit Heiden des nicht-atlantischen Typs.[9]

Entstehung von Heidegebieten

Ursprünglich waren Heiden nur an natürlich waldfreien Standorten an Küsten (Dünen), in Mooren und im Gebirge zu finden. Die typischen Heidelandschaften traten durch menschliche Bewirtschaftung anstelle der ursprünglichen Wälder (in der Regel bodensaure Laubwälder). Dies zeigt sich unter anderem am Beispiel der Lüneburger Heide. Die Weide- und Feldwirtschaft auf den Böden im norddeutschen Tiefland prägte zwar bis zum 10. Jahrhundert bereits die Landschaft. Den wüchsigen Eichen- und Buchenwaldgesellschaften gelang es jedoch immer wieder, die vom Menschen aufgegebenen Flächen zu besiedeln. Die intensive Nutzung der Waldbestände in den folgenden Jahrhunderten erschöpfte die Regenerationskraft der Bestände. Durch Rodung, Beweidung und Feuer wurden die Wälder aufgelichtet und die Ausbreitung lichtliebender Pflanzengesellschaften gefördert. Bei extremer Übernutzung kam es auf leichten Böden (pleistozäne Sander und Dünen) zur Bildung von Flugsanden. Als besonders verheerend erwies sich die zusätzliche landwirtschaftliche Nutzung durch Plaggenhieb.

Heidschnucken in der Lüneburger Heide

Beim bis ins 19. Jahrhundert praktizierten Plaggenhieb als Teil der Heidebauernwirtschaft wurde der Oberboden mit der Vegetation und der Wurzelzone entfernt. Zurück blieb der reine Mineralboden. Die Plaggen wurden als Brennmaterial genutzt oder als Einstreu in Stallungen verwendet und mit dem Kot der Tiere vermengt als Dünger auf die Felder ausgebracht. Weitere Nährstoffe wurden durch Beweidung, insbesondere mit Heidschnucken entzogen. Die Beweidung verhinderte zudem den Aufwuchs größerer Gehölze bzw. von Bäumen und förderte nicht verbissene Gehölzarten (Weideunkräuter) wie den für Heidelandschaften charakteristischen Wacholder.

Nährstoffe wurden aus den so genutzten Böden exportiert. Niederschläge wuschen die letzten verbleibenden Nährstoffe aus, die im durchlässigen Bodenausgangsmaterial (Sande) schnell in tiefere Schichten verlagert wurden. Auf diesen degradierten Böden siedelten nun Spezialisten wie Heidekrautgewächse (Ericaceae) und Heide-Wacholder (Juniperus communis), die durch starke organische Säuren die letzten Nährstoffe aus den Böden erschließen. Es kam zu einer Versauerung des Bodens, in dem immer weniger Bakterien als Zersetzer existieren können. In der Folge konnte Streu und organische Bestandteile immer weniger zersetzt werden. Unterhalb des Auswaschungshorizontes dieser Böden bildete sich eine Zone, in der organische Komplexbildner (Polyphenole, Carbonsäuren, Fulvosäuren) mit Eisen, Mangan und Aluminium ausfallen und sich verfestigen. Auf feuchteren Standorten unter Erikaheiden bildete sich in dieser Schicht der für Pflanzenwurzeln oft undurchdringliche Ortstein, auf trockeneren Böden unter Callunaheiden Orterde.

Heidepflege heute

Die kargen Heiden Nordwestdeutschlands mit ihrer Wacholder- und Heidevegetation sind aus einer über Jahrhunderte andauernden Nutzung durch das Heidebauerntum entstanden. Seitdem Kunstdünger oder überschüssige Gülle aus Gebieten mit einer intensiven Viehwirtschaft wirtschaftlich auf Heideflächen eingebracht werden können, wurde diese Art der Nutzung unwirtschaftlich. Ein großer Anteil der Flächen wurde in Ackerland umgewandelt. In Deutschland wurden Tierhaltungen auf nährstoffarmen Flächen schon vor Jahrzehnten in großem Umfang eingestellt.

Aufgehalten wurde und wird die Verringerung der Gesamtfläche des Heidelands durch militärische Nutzungen (z. B. Lieberoser Heide, Senne, Osterheide bei Schneverdingen, Mehlinger Heide bei Kaiserslautern in der Pfalz), die den Aufwuchs von Sträuchern und Bäumen massiv behindern und sogar zur Bildung neuer Heideflächen beitragen. Ansonsten lässt sich die Verwaldung von Heideflächen nur durch bewusste Landschaftspflege (hier: Heidepflege) – etwa durch extensive Beweidung – verhindern.

Biodiversität

Die an den Lebensraum Heide angepassten Schaf- und Rinderrassen wie auch andere Tier- und Pflanzenarten der Heide sind vom Aussterben bedroht, wenn dieser Lebensraum verschwindet. Dieser Vorgang würde die Biodiversität verringern. Im Interesse des Erhalts bedrohter Tierarten ist der Nachteil, dass z. B. Heid- und Moorschnucken, die optimal an den Lebensraum Heide angepasst sind, im Vergleich zu anderen Schafrassen nur wenig Milch, Fleisch und Wolle produzieren, von untergeordneter Bedeutung. Die Hauptaufgabe dieser Tiere ist das Verzehren von Gras, Kräutern und Blättern der Bäume zum Erhalt eines nährstoffarmen Biotops, von dessen Existenz nicht nur sie profitieren.[10] Schafhaltung auf Heideflächen wird deshalb mit öffentlichen Mitteln subventioniert.[11]

Kunst und Kultur

Grab des „Heidedichters“ Hermann Löns bei Walsrode

Zumal im 19. Jahrhundert entdeckten Maler, Schriftsteller und Musiker die Heide als Landschaft und Sujet. Eine zentrale Rolle für die Lüneburger Heide spielte der Heidedichter Hermann Löns. Eugen Brachts Durchbruch als Künstler fällt in seine Phase der Heidemalerei.

Naturparks wie die Lüneburger Heide spielen eine wichtige Rolle für die Naherholung. Viele Besucher haben eine emotionale Beziehung zu diesem Landschaftstyp entwickelt.[12] Gerade der anachronistisch wirkende Charakter der Landschaft aus der „Hermann-Löns-Zeit“ selbst und die dort betriebene Art von Landwirtschaft wirken auf viele Touristen attraktiv. Im Kino haben Heimatfilme wie Grün ist die Heide diese Befindlichkeit thematisiert. Die „Heimatliebe“, die in den 1950er Jahren noch zu einem Rekord an Besucherzahlen in deutschen Kinos geführt hat, dürfte heute nicht mehr so ausgeprägt wie damals sein. Für diese Annahme sprechen rückläufige Zahlen von Besuchern der Lüneburger Heide.

Die Seltenheit großflächiger Heidelandschaften macht diese zum „schützenswerten Relikt“.[13] Ob durch das Instrument des Naturschutzes die Entwicklung und der Wandel von Natur gefördert werden oder ob ein von Städtern als schön empfundener Zustand einer Kulturlandschaft bewahrt werden soll, ist für viele Naturschützer eine offene Frage. Mit dem Prinzip des Naturschutzes sind beide Varianten vereinbar.

Denkmalpflege

Das „Rahmenkonzept zur Erweiterung des Naturparks Lüneburger Heide“ beschreibt die denkmalschützerische Aufgabe von Regionalplanern. „Historisch gewachsene Ortskerne, Heidekirchen und -bauernhäuser, Schafställe und Findlingsmauern zeugen von der Vergangenheit und prägen das Bild vieler Gemeinden“.[13] Demnach müssen also Schafställe nicht nur deshalb erhalten werden, weil sie für die Haltung von Heidschnucken erforderlich wären, sondern auch aus Gründen des Denkmalschutzes.

Siehe auch

Heidelandschaft im Steingrund in der Lüneburger Heide beim Wilseder Berg

Literatur

(nach Autoren bzw. Herausgebern alphabetisch geordnet)

  • Herrmann Cordes (Hrsg.): Naturschutzgebiet Lüneburger Heide. Geschichte – Ökologie – Naturschutz. Hauschild, Bremen 1997, ISBN 3-931785-36-X.
  • Heinz Ellenberg, Christoph Leuschner: Vegetation Mitteleuropas mit den Alpen. In ökologischer, dynamischer und historischer Sicht (= UTB Botanik, Ökologie, Agrar- und Forstwissenschaften, Geographie 8104). Sechste, vollständig neu bearbeitete und stark erweiterte Auflage. Ulmer, Stuttgart 2010, ISBN 978-3-8001-2824-2.
  • Gert Gröning, Uwe Schneider: Die Heide in Park und Garten. Zur Geschichte und Bedeutung des Heidemotivs in der Gartenkultur = Grüne Reihe 19. Wernersche Verlagsgesellschaft, Worms 1999. ISBN 978-3-88462-158-5.
  • Thomas Kaiser u. a.: Pflege- und Entwicklungsplan Naturschutzgroßprojekt Senne. Zweckverband Naturpark Eggegebirge und Teutoburger Wald, Detmold 2007, ISBN 978-3-00-021675-6.
  • Karl-Josef Nick: Gedanken zur Entstehung, Entwicklung und Erhaltung der Heidelandschaft. In: Emsländische Geschichte. Bd. 18, 2011, ISSN 0947-8582, S. 36–60.

Weblinks

 Commons: Heide – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

  1. a b c d Lemma Heide. In: Jacob Grimm, Wilhelm Grimm: Deutsches Wörterbuch. Leipzig 1854–1960 (www.woerterbuchnetz.de).
  2. Stichwort „Heide“ im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache.
  3. Korinna Thiem, Olaf Bastian: Historische Kulturlandschaftselemente Sachsens. Schriftenreihe des Landesamtes für Umwelt, Landwirtschaft und Geologie, Heft 18/2014. Kapitel 3.8: „Heide“.
  4. Matthias Schaefer: Wörterbuch der Ökologie. Fünfte Auflage, Springer-Verlag, Berlin 2012, S. 114. ISBN 978 3827425621.
  5. Jürgen Kunze: Schorfheide und verwandte Namen: Erkundungen zu einem rätselhaften Wort. LIT Verlag, Münster, 2007. ISBN 978 3825800079.
  6. Hans Mortensen (1941): Zum Landschaftsbegriff „Heide“ in Nordwestdeutschland und im deutschen Osten. In: Nachrichten von der Akademie der Wissenschaften in Göttingen aus dem Jahre 1941. Mathematisch-physikalische Klasse. Göttingen 1942, S. 76–83.
  7. Heinz Ellenberg: Vegetation Mitteleuropas mit den Alpen in ökologischer, dynamischer und historischer Sicht. Fünfte Auflage. Ulmer-Verlag, Stuttgart 1996, S. 719. ISBN 3 8252 8104 3.
  8. Land Brandenburg: Heidepflege mit Schafen
  9. Planet Wissen: Heidelandschaften in Europa
  10. Ralf Badtke: Ins Gras beißen für den Naturschutz. Heidepflege mit Schafen in Solingen, Hilden und Langenfeld
  11. Christian Brüne / Thomas Stumpf: Beweidung von Heide- und Sandmagerrasenflächen durch Schafe und Ziegen
  12. Hansjörg Küster: Die Entdeckung der Lüneburger Heide als „schöne Natur“. In: Themenportal Europäische Geschichte, 2010
  13. a b Naturpark Lüneburger Heide: Rahmenkonzept zur Erweiterung des NaturparksLüneburger Heide. Kurzfassung (PDF; 838 kB), 20. April 2006, S. 7 f.