Fürstliche Gruftkapelle (Anholt)

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Zur Navigation springen Zur Suche springen
Fürstliche Gruftkapelle in Anholt

Die Fürstliche Gruftkapelle ist eine Fürstengruft in Isselburg-Anholt. Sie dient dem deutschen Adelsgeschlecht Salm-Salm, einer Linie des reichsfürstlichen Hauses Salm, als Erbbegräbnis, Grablege bzw. Mausoleum. Das Baudenkmal befindet sich im Privatbesitz des Fürstenhauses.

Lage, Beschreibung und Geschichte

Die Anlage liegt unweit der deutsch-niederländischen Grenze am Kapellendeich in der Anholter Bauernschaft Regniet und bildet dort im Rahmen einer Landschaftsarchitektur den Point de vue einer von Anholt dorthin fluchtenden Allee. Die Mitte der Anlage besteht aus einem sechseckigen Zentralbau mit barock gewölbtem, schiefergedecktem Zwiebeldach, bekrönt von einer Laterne, die die Grundform der Kapelle en miniature wiedergibt. Das Gebäude ist als Ziegelbau mit bleiverglasten Segmentbogenfenstern ausgeführt, in Ritzquaderung verputzt und in einem Cremeton gestrichen. An zwei gegenüberliegenden Seiten des Sechsecks sind Vorbauten als Entrée und als Altarraum angebaut. Der Eingangsvorbau verfügt über einen Glockengiebel mit Figurennische für ein Kruzifix, der Altaranbau über einen schlichten Schmuckgiebel. Der Eingang besteht aus einem von Pilastern flankierten Torbogen mit einer doppelflügeligen Holztür, die in schwarzweißen Rauten, einem heraldischen Symbol der Wild- und Rheingrafen, gestrichen ist. Über dem Torbogen ist als Relief ein barockes Allianzwappen eingelassen.

Im Innern des Gebäudes, dessen Wände von zahlreichen Epitaphen bedeckt sind, liegt ein Zugang zum Keller, in dem sich eine Krypta mit Sarkophagen der fürstlichen Familie befindet. Insgesamt verfügt die Anlage über rund 70 Gräber.[1] Eine historische Besonderheit ist die Grabplatte für Dietrich II. von Bronckhorst-Batenburg (1478–1549), dem Herrn von Anholt, aus dem Jahr 1552, die offenbar hierhin transloziert wurde.

Die Gruftkapelle ist von den Rasenflächen eines Friedhofs umgeben, auf dem Grabsteine liegen und Kruzifixe stehen. Dieser Friedhof, der über einen im Sechseck verlaufenden Weg erschlossen wird, ist von einer niedrigen polygonal geführten Mauer aus Backstein eingefriedet, die ihrerseits von einem Trockengraben umgeben ist. In die Mauer sind zwei Tore aus Schmiedeeisen eingelassen, vor denen kleine Brücken aus Backstein den Trockengraben überspannen. Die Tore rahmen Backsteinpfeiler mit barocken Wappenaufsätzen.

Ursprünglich wurde das Gebäude um 1670 als Heiligkreuz-Kapelle für Katholiken aus der benachbarten niederländischen Provinz Gelderland errichtet und spiegelt damit Geist und Konfliktsituation der Zeit der Gegenreformation wider, in der es den Katholiken in der benachbarten Republik der Sieben Vereinigten Provinzen verwehrt war, ihre Religion frei auszuüben und eigene Kirchen zu errichten. Bauherr war Karl Theodor Otto zu Salm (→ Missionsstationen im Fürstbistum Münster). 1804 fasste der damalige Herr zu Anholt, der Reichsfürst Konstantin zu Salm-Salm, den Entschluss, die Kapelle, die durch die Einführung der Religionsfreiheit in der Batavischen Republik als Gotteshaus niederländischer Katholiken entbehrlich geworden war, zur Grablege seines Geschlechts umzubauen.[2] Der Umbau erfolgte ab 1811. 1813 fanden die ersten fürstlichen Beisetzungen statt. In jenem Jahr wurden Särge der Ahnen aus der Anholter Pfarrkirche St. Pankratius hierhin überführt.

Bestattungen (Auswahl)

Literatur

  • Georg Dehio (Hrsg.): Handbuch der deutschen Kunstdenkmäler. Neuauflage, Nordrhein-Westfalen, Teil 2: Westfalen. Darmstadt 1969, S. 17 f.

Weblinks

Einzelnachweise

  1. Sonja Terhorst: Die fürstliche Grufkapelle in Anhalt war geöffnet. Artikel vom 12. September 2016 im Portal nrz.de, abgerufen am 24. Dezember 2018
  2. Anholt und seine Geschichte, Webseite im Portal anholt-heimatverein.de, abgerufen am 24. Dezember 2018

Koordinaten: 51° 51′ 22,9″ N, 6° 26′ 1,3″ O