Christliche Philosophie

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Christliche Philosophie ist ein Sammelbegriff für ein breites Spektrum philosophischer Forschungsprogramme, die sich als bezogen auf christliche Bedingungen des Philosophierens, z. B. auf den Gehalt der Offenbarung verstehen. In dieser weitesten Bedeutung unterliegt die Gestalt der christlichen Philosophie den mit der Offenbarung zu vereinbarenden Veränderungen, die sie in der abendländischen Denkgeschichte bewirkt hat. Auch die Transzendentalphilosophie der Aufklärung und Moderne sei, so zeitgenössische und christliche Philosophen moderner Zeit, vom christlichen Bewusstsein geprägt und werde als Ausdruck säkularisierten christlichen Denkens aufgefasst.

In einem engeren, klassischen Sinne ist christliche Philosophie jene Philosophie, die ein bejahendes Verhältnis zur christlichen Offenbarung hat und philosophierend christliche Wahrheiten reflektiert mit einbezieht. Sie erhebt trotzdem den Anspruch, eine Vernunftwissenschaft zu sein. Dieses Philosophieren begann in der ausgehenden Antike und setzte sich im christlichen Mittelalter fort. Für die Spätantike ist hier die Patristik und sind Philosophen wie Klemens von Alexandria, Origenes und Augustinus zu nennen. Im Mittelalter ist es die Scholastik mit Thomas von Aquin als Hauptvertreter und auch die Tradition von Grundproblemen und deren Lösungsversuche in der Philosophia perennis, die auch heute praktiziert wird.[1]

Das Ausgehen von christlichen Wahrheiten widersprach und widerspricht traditionellerweise nicht dem philosophischen Ansatz, da man argumentierte, dass dieses umfassende Erkenntnisbedingungen voraussetzt. Da die Philosophie weithin die prinzipielle Universalisierbarkeit von Wahrheits- und Geltungsansprüchen fordert, werden Projekte christlicher Philosophen, sofern sie spezifische Offenbarungsinhalte christlicher Provenienz voraussetzen, insbesondere seit Mitte des 19. Jahrhunderts oftmals kritisch beurteilt. Vertreter der christlichen Philosophie betonen demgegenüber, dass deren Wesen darin liegt, sich von christlichen Fragestellungen und Lösungsansätzen anregen zu lassen, die Argumentation jedoch stets rein logisch und ohne theologische Voraussetzung vorgeht. Christliche Philosophie argumentiert demgemäß ausschließlich mit der natürlichen Vernunft und wird gerade nicht theologisch, da ihre Beweise keinerlei übernatürliche Offenbarungswahrheiten beinhalten. Das wird auch dadurch nicht relativiert, dass die Antworten der christlichen Philosophie dem christlichen Glauben nicht widersprechen.

Der Ausdruck „christliche Philosophie“ wird in der Philosophiegeschichte bisweilen auch strikt beschreibend gebraucht, um das Corpus all jener Texte zu beschreiben, welche im christlichen Kulturmilieu produziert worden – analog zu den Bezeichnungen Arabische Philosophie, Chinesische Philosophie, Jüdische Philosophie usw.

Literatur

  • Karl Joseph Hieronymus Windischmann: Ueber den Begriff der christlichen Philosophie. 1823.
  • Leopold Emanuel Rückert: Christliche Philosophie oder Philosophie, Geschichte und Bibel nach ihren wahren Beziehungen zu einander dargestellt. 2 B#nde. Leipzig 1825.
  • Johann A. Konrad: Christliche Philosophie. Baden in der Schweiz 1849.
  • Heinrich Ritter: Die christliche Philosophie nach ihrem Begriff, ihren äußern Verhältnissen und in ihrer Geschichte bis auf die neuesten Zeiten. 2 Bände. 1858–1859.
  • Karl Werner: Zur Orientirung über Wesen und Aufgabe der christlichen Philosophie in der Gegenwart. 1867.
  • Etienne Gilson: Die Geschichte der christlichen Philosophie von ihren Anfängen bis Nikolaus von Cues. 1936/1937.
  • Hans Büchenbacher: Natur und Geist. Grundzüge einer christlichen Philosophie. 1954.
  • Jakob Hommes: Kommunistische Ideologie und christliche Philosophie. 1956.
  • Ernst Hoffmann: Platonismus und christliche Philosophie. 1960.
  • Karl Jakob: Moderner Gottesglaube. Versuch einer kurzgefaßten Einführung in die christliche Philosophie. 1964.
  • Otto Muck: Christliche Philosophie. 1964.
  • Emmerich Stiglmayr: Der Wissenschaftsbegriff in der christlichen Philosophie. 1979.
  • Ernst Bloch: Christliche Philosophie des Mittelalters, Philosophie der Renaissance. 1985.
  • Emerich Coreth (Hrsg.): Christliche Philosophie im katholischen Denken des 19. und 20. Jahrhunderts. 3 Bände. Graz u. a., 1987–1990.
  • Heinrich M. Schmidinger: Die christliche Philosophie des 20. Jahrhunderts im deutschen Sprachraum. Eine philosophiegeschichtliche Skizze. In: Salzburger Jahrbuch für Philosophie. 35, 1990, S. 105–123.
  • Richard Heinzmann: Christlicher Glaube und der Anspruch des Denkens Beiträge aus der Sicht christlicher Philosophie. 1998.
  • Emerich Coreth: Beiträge zur christlichen Philosophie. 1999.
  • Wolfgang Senz: Christliche Philosophie und Theologie im Lichte der Platonischen Dialektik und Lehre vom Ich. 2002.
  • Theo Kobusch: Christliche Philosophie. Die Entdeckung der Subjektivität. WBG, Darmstadt 2006.

Weblinks

Einzelnachweise

  1. Vgl. Brockhaus Enzyklopädie, Vierter Band, Wiesbaden 1968, S. 33f.