Tudigong

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Tudigong
Tudigong-Statue im Bezirk Zhonghe von Neu-Taipeh (Taiwan)

Tudigong oder Tu Di Gong (土地公, Tǔdì gōng), auch Tudishen (土地神, Tǔdì shén), ist eine Gottheit aus dem chinesischen Volksglauben. Er gilt als „Erdgottheit“ und wird als Beschützer einer Örtlichkeit und der dort lebenden Menschen verehrt.

Benennungen

Für Tudigong gibt es verschiedene Benennungen:[1][2]

  • Fude Zhengshen (福德正神, Fúdé Zhèngshén, „rechtmäßiger Gott der Segnung und der Tugend“ – eine formelle Ansprache)
  • Tuzhigong (土治公)
  • Sheshen (社神, „Gemeinschaftsgott“)
(und andere mehr)

Neben den mehr formellen Titulierungen und Ansprachen sind auch vertraulichere, wie 爺爺, Yéyé ‚Großvater‘ oder 大伯公, Dà bógōng ‚Großer älterer Herr‘ gebräuchlich.

Manchmal wird Tudigong eine Ehefrau Tudipo (土地婆) zur Seite gestellt.

Rolle

Im traditionellen chinesischen Volksglauben ist die Welt von einer Vielzahl von Gottheiten und Geistern angefüllt. Diese spirituellen Kräfte können dem Menschen gewogen sein oder ihm Schaden zufügen. Der Mensch ist jedoch nicht hilflos den Göttern und Geistern ausgeliefert, sondern kann diese beeinflussen, indem er sich mit ihnen verständigt und durch magische Praktiken und rituelle Handlungen, die ihm feindlich gesinnten Kräfte neutralisiert. In der chinesischen Götterwelt herrscht trotz der Fülle der spirituellen Kräfte kein Chaos, sondern eine relativ strenge hierarchische Ordnung. Es gibt niedere und höhere Gottheiten. Die Einflüsse der niederen Gottheiten können durch die der höheren aufgehoben werden.[3]

Tudigong-Altar in Hongkong

Verehrung

Tudigong ist ein den Menschen wohlgesinnter Gott. Er wird häufig als freundlich lächelnder älterer Mann mit weißem Bart dargestellt. Er ist meist in ein prachtvolles Gewand aus Rot und Gelb gekleidet und trägt eine gleichermaßen prachtvolle Kopfbedeckung. Die Farbe Gelb kennzeichnet ihn gewissermaßen als höheren Beamten in der Götterwelt.[4][5] In stehender Position hält er häufig einen langen Stab oder eine Art Szepter und in der anderen Hand ein Goldstück, als Symbol für Reichtum und Glück.[1][2] Auf westliche Beobachter wirkt er wie eine Bischofsfigur, eine Art Weihnachtsmann oder Santa Claus.[6] Der Schrein oder Altar für Tudigong wird meistens an einer im Sinne des Feng-Shui besonders günstigen Stelle platziert. Dies können ganz verschiedene Orte sein – irgendwo im Haus, aber auch ausgewählte Plätze in freier Natur.

Seine Position in der Götterhierarchie ist eine niedrige. Er ist buchstäblich ein „erdnaher“ Gott, nahe an den Menschen und entfernt vom Götterhimmel. Tudigong ist kein „Gott der Erde“ und nicht zu vergleichen mit der Erdmutter Gaia, sondern eine Gottheit einer lokalen Örtlichkeit. Er ist dem jeweiligen Stadtgott (Chenghuang, 城隍) untergeordnet. Wenn Personen den Wohnort wechseln, verabschieden sie sich von dem örtlichen Tudigong und beginnen den Tudigong ihres neuen Wohnortes zu verehren. Tudigong ist daher eher ein Rang und Titel, als ein einziger Gott.[1]

Festivitäten zu Ehren der Gottheit finden typischerweise am zweiten Tag des zweiten Monats und am 15. Tag des achten Monats des chinesischen Lunisolaralenders statt.[1]

Nach der Machtübernahme der Kommunisten in China gerieten die Verehrung Tudigongs und ganz allgemein die alten chinesischen Gebräuche in Misskredit. Viele Tempel und Schreine wurden insbesondere während der Kulturrevolution zerstört. Nach dem Tod Mao Zedongs wurden viele wieder aufgebaut. Die Verehrung Tudigongs ist insbesondere in Südchina, wo traditionell engere Beziehungen zu den chinesischen Gemeinschaften in Taiwan, Singapur, Hongkong, etc. bestanden, immer noch verbreitet. Auch in Taiwan wird er vielfach geehrt.[6][7]

Einzelnachweise

  1. a b c d Earth God Of Wealth - Fu De Zheng Shen (福德正神). Süd-Taiwan-Universität für Naturwissenschaften und Technik (STUST), abgerufen am 28. Oktober 2018 (pdf, englisch).
  2. a b Cheng Shuiping: Earth God 福德正神. Rat für Kulturangelegenheiten des Exekutiv-Yuans, archiviert vom Original am 2009; abgerufen am 28. Oktober 2018 (englisch).
  3. Matthias Eder: Chinese Religion. In: Asian Folklore Studies - Monograph No.6. Tokio 1973 (englisch).
  4. Chinesische Farbensymbolik. forumchina.de, abgerufen am 28. Oktober 2018.
  5. Hui-Chih Yu: A Cross-Cultural Analysis of Symbolic Meanings of Color. In: Chang Gung Journal of Humanities and Social Sciences. Band 7, Nr. 1, April 2014, S. 49–74 (englisch, pdf).
  6. a b Robert Kelly: The Tao of Taiwanese Temples. BBC News, 5. Oktober 2011, abgerufen am 28. Oktober 2018 (englisch).
  7. Chien Hui-ju, Loa Iok-sin: Tudigong worshiped on 5km walk. Taipei Times, abgerufen am 28. Oktober 2018 (englisch).