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Ludwig I. (Bayern)

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Ludwig I., König von Bayern, Gemälde von Joseph Karl Stieler, 1826, Darstellung im Krönungsornat (mit der Collane des Hubertusordens). Rechts oben das Motto Gerecht und beharrlich.
Ludwig I. von Bayern als Kronprinz, gemalt 1807 von Angelika Kauffmann

Ludwig I., geboren als Ludwig Karl August (* 25. August 1786 in Straßburg; † 29. Februar 1868 in Nizza), war König des Königreiches Bayern aus dem Geschlecht der Wittelsbacher. Er folgte seinem Vater Maximilian I. nach dessen Tod im Jahre 1825 auf den bayerischen Thron und dankte im Revolutionsjahr 1848 zugunsten seines Sohnes Maximilian II. ab.

Kronprinz

Der als Ludwig Karl August getaufte Ludwig I. war der Sohn von Maximilian I. Joseph und der Prinzessin Auguste Wilhelmine Maria von Hessen-Darmstadt. Sein Taufpate war König Ludwig XVI. von Frankreich. Er war der Onkel der Prinzessin Elisabeth in Bayern, der späteren Kaiserin von Österreich sowie Königin von Ungarn. Ludwig I. erhielt 1793 den Juristen Joseph von Kirschbaum zum Hofmeister, die religiöse Erziehung lag seit 1797 in den Händen des katholischen Priesters Joseph Anton Sambuga.

Er studierte bei Johann Michael Sailer an der Universität Landshut und anschließend an der Universität Göttingen. Außer in Alter Geschichte bildete er sich vorwiegend in französischer, italienischer und spanischer Literatur, später erlernte er zudem die russische Sprache.

Laut des am 1. Oktober 1799 auf Schloss Gattschina bei St. Petersburg zwischen Kurpfalz-Bayern und Russland abgeschlossenen Allianz- und Heiratsvertrags sollte er als bayerischer Kronprinz die 1786 geborene Tochter Zar Pauls I., Großfürstin Katharina, heiraten. Das Heiratsprojekt stieß in den folgenden Jahren jedoch auf entschiedenen Widerspruch, insbesondere Napoleons, der zeitweise selbst eine Ehe mit ihr beabsichtigte. Auf dem Erfurter Fürstenkongress 1808 wurde der Plan schließlich gegen den Willen des Kronprinzen aufgegeben.[1] Am 12. Oktober 1810 heiratete er daraufhin die evangelische Prinzessin Therese von Sachsen-Hildburghausen (Prinzenhochzeit). Damit wurde die Tradition des Münchner Oktoberfestes begründet. Der Veranstaltungsort wird nach der Prinzessin Theresienwiese genannt. 1811 wurde als erstes Kind der Thronfolger Maximilian geboren, der Ehe entstammten insgesamt neun Kinder.

Nach der Ernennung des Kronprinzen zum Generalgouverneur des Inn- und Salzachkreises residierte das Paar in Innsbruck und auf Schloss Mirabell in Salzburg. Therese bevorzugte Salzburg, wo auch ihr Sohn Otto zur Welt kam. Nachdem der Kreis 1816 mit dem Vertrag von München an Österreich gefallen war, bezogen Ludwig und Therese Residenz in Würzburg.[2] Zeitweise lebten sie auch auf Schloss Johannisburg in Aschaffenburg. Den Sommer verbrachten die Eheleute in Bad Brückenau. Häufig nahm das als attraktiv geltende Kronprinzenpaar gemeinsam öffentliche Termine wahr. Zwischen 1816 und 1825 verbrachte er dann seine Kronprinzenjahre in Würzburg, wo mit dem späteren Prinzregenten Luitpold ein weiterer Sohn geboren wurde. Außerdem unternahm Ludwig zahlreiche Italienreisen und erwarb in Rom die Villa Malta.

Bereits auf dem Wiener Kongress 1815 verfocht Ludwig eine deutsch-nationale Politik. 1817 war Ludwig maßgeblich am Sturz des Ministers Montgelas beteiligt.[3] Als sein Vater aus Wien zurückkam, legte er ihm einen Brief vor, in dem er die Entlassung des Ministers forderte. Dem Wunsch des Kronprinzen wurde am 2. Februar 1817 stattgegeben. Ludwig unterstützte als Philhellene großzügig den griechischen Freiheitskampf, wobei er im Befreiungskrieg 1821 ein Darlehen in Höhe von 1,5 Millionen Gulden zur Verfügung stellte. Nicht zuletzt aufgrund dieser Verdienste wurde später sein jugendlicher Sohn Otto auf der Londoner Konferenz im Mai 1832 von Großbritannien, Frankreich und Russland zum König von Griechenland bestimmt.

König

Thronbesteigung

Kronentaler von 1828 Ludwig I.

Nach dem Tod seines Vaters Maximilian I. Joseph am 13. Oktober 1825 wurde Ludwig als bayerischer König inthronisiert. Um die Eingliederung der neu zum bayerischen Territorium hinzugekommenen Gebiete zu fördern, änderte er 1837 seine Titulatur und nannte sich fortan „König von Bayern, Herzog von Franken, Herzog in Schwaben und Pfalzgraf bei Rhein“.[4] Bei den Herzogstiteln und dem Pfalzgrafenamt handelt es sich aber um Wiederbelebungen mittelalterlicher Titel, da es diese Würden weder im neuzeitlichen bayerischen Staatsrecht noch im deutschen Bundesrecht gab, die jeweils nur den „König von Bayern“ kannten. Sie hatten jedoch alle eine lange Tradition, und keine von ihnen war vom Reichsdeputationshauptschluss von 1803 angetastet worden. An diese Titel knüpfte der König bewusst an und führte sie als Legitimation seiner Herrschaft über alle Landesteile. Ludwigs Titulatur ist also unter anderem auch als Ausdruck des romantisch historisierenden Regierungsverständnisses des Königs zu verstehen.[5] Jahre danach, bei der von König Ludwig I. veranlassten Gebietsreform vom November 1837 erfolgte dann auch die Umbenennung aller staatlichen Kreise von den Flussnamen hin zu den historischen Namen, so wurde beispielsweise aus dem Isarkreis wieder Oberbayern.

Die heute allein verwendete Schreibweise des Landesnamens mit „y“ geht auf eine Anordnung von König Ludwig vom 20. Oktober 1825 zurück, mit der die vorher meist geltende Schreibweise „Baiern“ abgelöst wurde. Diese Anordnung des Königs und seine Vorschrift des „griechischen“ Ypsilons steht im Zusammenhang mit seinem Philhellenismus.

Politisches Wirken

König Ludwig I. um 1830

Zu Beginn seiner Restaurationspolitik betrieb Ludwig eine gemäßigt liberale Politik, basierend auf der Verfassung von 1818. Eineinhalb Monate nach seinem Amtsantritt hob er die Pressezensur auf. 1826 ließ er die Ludwig-Maximilians-Universität aus Landshut nach München verlegen. Auf seine Initiative kam 1829 nach mehrjährigen Verhandlungen der Süddeutsche Zollverein zustande. 1834 trat Ludwig dann dem Deutschen Zollverein bei. Viele seiner Gesetzesentwürfe scheiterten jedoch am Widerstand des Landtags, so sein Versuch, Adelstitel nur noch auf den erstgeborenen Sohn vererben zu lassen. Ludwig sanierte den Staatshaushalt und sicherte die Finanzen des Königreiches durch Einsparungen in vielen Bereichen, auch beim Militäretat. Um in manchen Bereichen freie Hand zu behalten, setzte Ludwig 1834 eine permanente Zivilliste durch, einen festen Posten im Staatshaushalt, über dessen Mittel er frei verfügen konnte.

Mit der Wiederbesiedlung von Kloster Metten im Jahre 1830, der bis 1837 75 weitere Neugründungen folgten, begann der schon 1814 der Kirche, die durch die Säkularisation an Einfluss verloren hatte, wohlgesinnte[6] Ludwig seine kirchliche Restaurationspolitik.

Nach der Julirevolution 1830 in Paris und der Ausbreitung der revolutionären Bewegung auf weite Teile Europas zeigte Ludwigs Politik in der Zeit des Vormärz zunehmend reaktionäre Tendenzen. Er führte die Zensur wieder ein und beseitigte die Pressefreiheit. Das Hambacher Fest 1832 in der Pfalz auf dem Hambacher Schloss bei Neustadt an der Weinstraße hatte seine Wurzeln in der Unzufriedenheit der pfälzischen Bevölkerung mit der bayerischen Verwaltung. Ebenfalls am 27. Mai 1832 gab es auf dem Gaibacher Fest am Verfassungstag kritische Worte gegen Ludwigs Regierung. Nach den Unruhen infolge des Hambacher Festes rückte Carl Philipp von Wrede als Oberbefehlshaber eines 8.000 Mann starken bayerischen Armeekorps, in den bayerischen Rheinkreis ein. Im Zusammenhang mit den Unruhen vom Mai 1832 wurden 142 politische Prozesse eingeleitet. Die sieben Todesstrafen wandelte der König in langjährige Freiheitsstrafen um. In seiner gesamten Regierungszeit gab es etwa 1000 politische Prozesse. Ludwig verschärfte die Zensur und provozierte die Opposition der Bevölkerung.

Sein zweiter Sohn Otto wurde 1832 als Otto I. griechischer König. Die Zivilverwaltung Griechenlands etablierte sich in der Folge unter der Leitung bayerischer Beamter. Der junge Otto musste seinen Vater in den darauffolgenden Jahren bis 1837 insgesamt drei Mal um hohe Kredite bitten. Diese wurden in der Folge niemals beglichen. Die Nicht-Rückzahlung der Darlehen belastete bis zur abschließenden Verhandlungslösung 1881 die griechisch-bayerischen Beziehungen.[7][8]

Im Jahr 1838 war es zu Verstimmungen mit dem russischen Zaren Nikolaus I. gekommen, der sich wünschte, dass seine Tochter Olga mit dem bayerischen Thronfolger Maximilian vermählt werden sollte. Ludwig I. und die Königin sowie Maximilian selbst, der für Olga nach einem Treffen in Berlin nichts empfand, lehnten jedoch ab. 1844 plante der Zar eine Kur in Bad Kissingen und wünschte sich „keinerlei Sendungen“ durch den bayerischen Hof. Der abwesende Ludwig beauftragte seine Gemahlin, zunächst doch wenigstens ein durch sie unterzeichnetes „Komplimentenschreiben“ für Nikolaus aufzusetzen, verwarf diesen Plan aber wieder. Therese beriet sich in dieser Angelegenheit mit den Ministern Gise und Abel.[9]

Unter Minister Karl von Abel verschlechterte sich dann das Verhältnis zwischen Katholiken und Protestanten. Am 14. August 1838 schrieb Ludwig gegen erheblichen Widerspruch mit dem „Kniebeugeerlass“ dem Militär wieder eine Kniebeuge vor dem Allerheiligsten bei Fronleichnamsprozessionen und Gottesdiensten vor. Diese Kniebeuge war bis 1803 im damals noch fast rein katholischen Bayern üblich gewesen, doch dann mit der Eingliederung protestantischer Gebiete abgeschafft worden. 1841 erwuchs aus der Beerdigung der protestantischen Königin Karoline von Baden, Ludwigs Stiefmutter, ein Skandal.

In der Rheinpfalz gründete er im selben Jahr das nach ihm benannte Ludwigshafen am Rhein. Sein Ziel, die 1803 an Baden verlorene rechtsrheinische Pfalz mit Mannheim und Heidelberg wiederzugewinnen war nicht zu verwirklichen.

Im März 1844 gab es Unruhen nach einer Brotpreiserhöhung und folgender Bierpreiserhöhung bei der sogenannten Münchner Bierrevolution.

Abdankung

„Der Engelsturtz“ – Ausschnitt aus einem satirischen Flugblatt aus Bayern zur Affäre mit Lola Montez (wohl 1848)
Der Thronverzicht Ludwigs I. Eigenhändiger Entwurf der „Königlichen Worte an die Bayern“, 20. März 1848. München, Bayerisches Hauptstaatsarchiv, Staatsrat 1719

1846 kam die irische Tänzerin Lola Montez nach München und wurde die Geliebte des Königs. Sie erhielt eine luxuriöse Villa in der Barer Straße in München, einen Adelstitel (Gräfin von Landsfeld) und finanzielle Unterstützung von Ludwig. Ihre Einbürgerung konnte er erst nach dem Rücktritt seines Ministers Karl von Abel durchsetzen.

Die Königin Therese reagierte auf das Verhältnis mit der „Spanierin“ angespannt und brachte Diplomaten in Verlegenheit, indem sie im Theater und an der Tafel, für die Öffentlichkeit gut sichtbar, ihrem Gemahl fernblieb.[10] Die Verleihung des Theresienordens an die Mätresse lehnte sie strikt ab. Der König ärgerte sich über die „Kälte und Sprachlosigkeit“ der Königin, die auch die neuen Minister[11] einschloss.[12] Friedrich Wilhelm IV. von Preußen und seine Frau Elisabeth, Ludwigs Halbschwester, die dessen Benehmen „entsetzlich“ fand,[12] nahmen Abstand von einer nach Bayern geplanten Reise, um dem König nicht begegnen zu müssen.

Montez, die vom König fast täglich besucht wurde, schrieb sich in eine genehmigte Studentenverbindung ein. Als es ihretwegen an der Universität zu Unruhen kam, ordnete der König am 9. Februar 1848 die sofortige Schließung der Universität an. Daraufhin kam es zu Protesten, auf Grund deren Ludwig die Universität am 10. Februar wieder öffnen und Montez ausweisen ließ. Am 11. Februar verließ die Tänzerin die Stadt.

Trotzdem folgte am 4. März 1848 der Sturm auf das Zeughaus, die Menge bewaffnete sich mit dem dort eingelagerten Kriegsgerät und zog in Richtung Residenz. Prinz Karl sorgte als Bruder des Königs und Generalfeldmarschall der bayerischen Armee durch sein Erscheinen für Ruhe und es kam zur friedlichen Auflösung, nachdem Freibier ausgeschenkt worden war. Daraufhin stellten sich seine Familie und die konservativen Kreise gegen Ludwig. Die Minister sympathisierten mit dem Volk. König Ludwig musste am 6. März die sogenannte Märzproklamation (die ihm regelrecht von seinem Minister Oettingen-Wallerstein als Reaktion auf die Unruhen und Demonstrationen diktiert worden war) mit erheblichen Zugeständnissen unterschreiben. In dieser Proklamation bekannte er, umgehend die Ständeversammlung einzuberufen und Reformen zu veranlassen, und noch am selben Tag wurde die Armee auf die Verfassung vereidigt. In Nürnberg und andernorts versammelten sich die Bürger, um die Reformankündigung mit Jubel zu feiern, die Krise schien beseitigt, denn die öffentliche Meinung stand nach den Zugeständnissen vom 6. März wieder hinter ihrem Monarchen. Ludwig I. kam daher nicht durch die Revolution zu Fall wie etwa Fürst Metternich oder Louis Philippe in Frankreich. Am 16. März 1848 folgten erneute Unruhen, denn Montez war nach der Verbannung wieder nach München gekommen. Ludwig musste sie am 17. März per Fahndungsaufruf polizeilich suchen lassen, was die für ihn schlimmste Demütigung war.[13] Am 20. März 1848 dankte Ludwig I. zugunsten seines erstgeborenen Sohnes Maximilian II. freiwillig ab. Da er nicht den Anschein erwecken wollte, dass er zum Rücktritt gezwungen war, schrieb er einige Wochen später:

„Regieren konnte ich nicht mehr, und einen Unterschreiber abgeben wollte ich nicht. Nicht Sklave zu werden, wurde ich Freiherr.“

Es lag somit an Ludwigs Nachfolger, der revolutionären Stimmung in Bayern zu begegnen und die versprochenen Reformen zu gewähren. Durch die Märzproklamation band der Vater seinen Sohn an ein Programm, mit dessen Umsetzung er aus Bayern erst eine konstitutionelle Monarchie im eigentlichen Sinn machte. Man bezeichnet Ludwig I. deshalb als den letzten souverän regierenden Monarchen in Bayern.

Bauherr

Ludwig I., Fotografie von Franz Hanfstaengl, ca. 1860

Unter Ludwig wurde München zu einer weit beachteten Stadt der Kunst. Er begann mit seiner Bautätigkeit schon als Kronprinz und setzte sie auch nach seiner Abdankung fort. Ludwig I. war – ganz dem Zeitgeist des Klassizismus und Neuhumanismus verpflichtet – ein glühender Verehrer des antiken Griechenlands (Philhellenismus), was sich in der baulichen Umgestaltung Münchens widerspiegelt. Er ließ viele noch heute wichtige Bauwerke errichten, darunter die Ludwigstraße mit der Universität (aus Landshut verlegt) und der Ludwigskirche, die Feldherrnhalle, das Siegestor, die Staatsbibliothek, den Königsplatz mit Glyptothek, Propyläen und Antikensammlung, die Alte Pinakothek, die Ruhmeshalle und die Bavaria-Statue auf der Theresienwiese. Seine wichtigsten Baumeister waren dabei Leo von Klenze und Friedrich von Gärtner. Die von Ludwigs Vater Maximilian I. favorisierten Karl von Fischer und Gustav Vorherr wurden durch Ludwig bereits als Kronprinz ins Abseits gestellt.

Weiterhin ließ er auf zwei Bergrücken an der Donau die Walhalla und die Befreiungshalle errichten und war Bauherr des Pompejanums in Aschaffenburg. Ludwig wirkte nicht nur im rechtsrheinischen Bayern, sondern auch in der Pfalz, die seit 1816 zu Bayern gehörte. Er baute die klassizistische Villa Ludwigshöhe in Edenkoben und die Festung Germersheim. Der Speyrer Dom wurde unter Ludwig im ursprünglichem Stil der Romanik purifiziert.

Das größte und teuerste Bauprojekt der Regierungszeit Ludwigs war der Neuaufbau der Landesfestung Ingolstadt. Ludwig nahm maßgeblich Einfluss auf die Wahl des Standorts Ingolstadt für die Festung und legte „allerhöchstpersönlich“ den Grundstein am 24. August 1828. Für die Ästhetik der Festungsbauten sorgte im Auftrag des Königs Leo von Klenze.

Ludwigs Interesse an der Thematik des Denkmalschutzes wird deutlich durch seinen Erlass von 1826, der für das ganze Königreich Bayern Gültigkeit hatte. Für Städte wie z. B. Dinkelsbühl verhinderte dieser Erlass den Abriss der mittelalterlichen Stadtmauer mit ihren Toren und Türmen und trug auf diese Weise wesentlich zum heutigen Erscheinungsbild der Altstadt bei. Auch verhinderte Ludwig den Abriss der gotischen Münchner Stadttore, und es unterblieben weitere Zerstörungen wie am mittelalterlichen Rathaus Straubing, um den König nicht zu verärgern.

Förderer der Künste

Johann von Schraudolph, Steinigung des Stephanus, zerstörtes Fresko im Speyerer Dom; links im grünen Mantel, König Ludwig I. als Saulus.

Sein künstlerisches Erweckungserlebnis fand nach eigener Aussage Ludwigs 1805 vor der Hebe-Skulptur des italienischen Bildhauers Antonio Canova in Venedig statt.[14] Die von Max I. erworbene Venus und der von Ludwig erworbene Paris des Bildhauers wurden gemeinsam mit zahlreichen antiken Skulpturen in der von Ludwig begründeten Glyptothek aufgestellt. Künstlerisch förderte er später die Nazarener, die ihn bereits 1818 während eines Besuchs in Rom mit ihrer geplanten Erneuerung der Kunst beeindruckten. Durch den Nazarenermaler Johann von Schraudolph ließ König Ludwig zwischen 1846 und 1853 den Speyerer Dom ausmalen. Dieser stellte ihn auf dem dortigen Großfresko Die Steinigung des Stephanus als Saulus dar.

Schon 1819 sorgte er dafür, dass Peter von Cornelius an die Münchner Kunstakademie berufen wurde. Das Engagement des Königs wirkte sich stilbildend auf die Münchner Schule aus.

Als Vorbild in Sachen Kunst und Bau diente Ludwigs Vorgänger, der bayerische Kurfürst Max Emanuel. Ludwig ließ zwölf Gemälde zu den Napoleonischen Kriegen von Wilhelm von Kobell nach dem Vorbild von Franz Joachim Beichs Schlachtenzyklus im Viktoriensaal von Schloss Schleißheim erstellen, den Max Emanuel bei Beich beauftragt hatte. Neben dem Beichschen Schlösserzyklus in Schloss Nymphenburg inspirierte ihn vor allem die Schönheitengalerie von Pierre Gobert. Diese und andere Sammlungen des Genres führte Ludwig in seiner Schönheitengalerie fort, die er zwischen 1827 und 1850 von Joseph Karl Stieler erstellen ließ.[15]

Als Dank für seine Förderung der Künste wurde Ludwig I. nach seiner Abdankung während der Feierlichkeiten bei der Enthüllung der Bavaria am 9. Oktober 1850 das König-Ludwig-Album überreicht. Es enthält Arbeiten von zahlreichen Künstlern, die in Reproduktionen weite Verbreitung fanden.

Förderer der Wirtschaft

Wirtschaft und Gesellschaft Bayerns blieben noch das ganze 19. Jahrhundert von der Landwirtschaft geprägt. Die Auswanderung nach Nordamerika nahm insbesondere in Franken und der Pfalz zu. Um 1840 hatte die bäuerliche Bevölkerung noch einen Anteil von über 65 Prozent. Die Industrie beschränkte sich auf die Zentren Augsburg und Nürnberg, Oberfranken und die Rheinpfalz. Ludwig selbst hegte große Vorbehalte gegen die Industrialisierung des Landes.[16] Der Schwerpunkt von Ludwigs Wirtschaftspolitik lag daher auf Sicherungs- und Schutzmaßnahmen für die heimische Ökonomie. In der Zeit Ludwigs wurden auch erstmals regionale und landesweite Ausstellungen für Handwerk, Landwirtschaft und Industrie üblich.

Der König förderte auch den Eisenbahnbau in Bayern, der unter Ludwigs Herrschaft begann. Die erste deutsche Eisenbahn für Personenverkehr zwischen Nürnberg und Fürth, die Ludwigseisenbahn (1835), sowie die Eisenbahn zwischen Bexbach und Ludwigshafen am Rhein, die Pfälzische Ludwigsbahn, wurden nach ihm benannt. Ludwig ließ 1843 bis 1854 die Bahnstrecke Hof–Nürnberg–Augsburg–Kempten–Lindau (Ludwig-Süd-Nord-Bahn) bauen.

Er initiierte weiterhin den Ludwig-Donau-Main-Kanal, eine Verbindung zwischen Nordsee und Schwarzem Meer, den Vorgängerbau des heutigen Main-Donau-Kanals.

1836 begannen Friedrich von Gärtner und Joseph Daniel Ohlmüller im Auftrag Ludwigs I. mit dem Neubau der Alten Saline in Bad Reichenhall. Die 1851 fertiggestellten Anlagen gelten heute als Industriedenkmal von europäischem Rang.

1843 entstand als Gegenpol zur badisch gewordenen Stadt Mannheim zu Ehren König Ludwigs I. Ludwigshafen als neuer bayerischer Rheinhafen. Am 18. Juli 1855 wurde dann auf dem Gelände der ehemaligen Gartenanlagen des Oggersheimer Schlosses mit dem Bau der Samtfabrik begonnen. Ein Jahr später legte der abgedankte König, Namensgeber Ludwigshafens und Grundstückseigentümer des Geländes, zusammen mit seiner Schwester, der österreichischen Kaiserwitwe Karoline Auguste, und mit seinen Töchtern Mathilde und Alexandra einen Eckstein für die neue Fabrik.

Privatleben

Im Privatleben war Ludwig, trotz seiner königlichen Durchsetzungsfähigkeit, bescheiden und umgänglich und war wegen der sparsamen privaten Hofhaltung sogar für seine oft schäbige Kleidung bekannt. Auch die Königin litt unter dem Geiz ihres Gatten, der öffentlich als großer Mäzen auftrat und seine Mätressen fürstlich verwöhnte. Die Begegnung mit Franz Xaver Krenkl im Englischen Garten und die gelassene Reaktion Ludwigs wurde zu einer bekannten Anekdote. Ludwig war von Geburt an schwerhörig [17] und hatte ein Geburtsmal auf der Stirn, das oft in Porträts verborgen wurde. Ludwig neigte allerdings auch zu Jähzorn und stotterte zuweilen.[18]

Ludwig hatte außer Lola Montez noch zahlreiche weitere außereheliche Affären und war einer der Liebhaber von Lady Jane Digby, einer aristokratischen englischen Abenteurerin. Eine weitere Affäre war die italienische Adlige Marianna Marquesa Florenzi.

Ludwig hatte einen Hang zur Exzentrik, ein Ausdruck dafür war auch seine Dichtkunst, für die der König sogar von Heinrich Heine gehänselt wurde. Nachdem Ludwig ihm die schon sicher geglaubte Professur nicht verliehen hatte, bedachte Heine den Monarchen später mit einer ganzen Reihe spöttischer Verse, etwa in Lobgesänge auf König Ludwig:

„Das ist Herr Ludwig von Bayerland.
Desgleichen gibt es wenig;
Das Volk der Bavaren verehrt in ihm
Den angestammelten König.“

Neue Gedichte[19]

Ironischerweise fügte Ludwigs Walhalla-Tempel schließlich 2009 Heines Büste seiner Sammlung hinzu.

Ludwig als Dichter

Goethes Ankunft im Elysium
(aus dem König-Ludwig-Album)

Der König verfasste zahlreiche Gedichte und besuchte am 28. August 1827 Johann Wolfgang von Goethe in Weimar, um ihm zum 78. Geburtstag den Verdienstorden der Bayerischen Krone zu überreichen. Ludwig I. begeisterte sich auch für die mittelalterliche Literatur und ihre künstlerische Umsetzung. Deshalb besuchte er 1833 das Schloss Runkelstein bei Bozen.

Ludwigs Gedichte erschienen zwischen 1829 und 1847 in vier Bänden. Außerdem veröffentlichte er 1843 zur Eröffnung der Ruhmeshalle Walhallas Genossen sowie 1866 das vielfach aufgeführte Lustspiel Rezept gegen Schwiegermütter. Letzteres übersetzte er aus dem Spanischen von Don Manuel Juan Diana, wie es ihm später auch Johannes Fastenrath nachtat.[3] Ferner verfasste er zwischen 1808 und 1820 die drei historischen Schauspiele Otto, Teutschlands Errettung und Conradin, von denen aber keines für eine Aufführung vorgesehen war.[20]

Späte Jahre und Tod

Ludwig lebte noch 20 Jahre nach seiner Abdankung als Privatmann und förderte aus Privatmitteln weiterhin die Künste. Sein Alterssitz wurde das von ihm nicht geliebte Wittelsbacher Palais. 1867 besuchte er noch mit seinem Enkel König Ludwig II. die Pariser Weltausstellung.

Ludwig I. starb am 29. Februar 1868 im Alter von 81 Jahren in Nizza in einer Villa, die er für den Winter gemietet hatte. Er ist seinem Wunsch entsprechend in der Basilika St. Bonifaz in München begraben. Sein Herz wurde getrennt bestattet und befindet sich in der Gnadenkapelle von Altötting.

Nachkommen

Grab von Ludwig I.
Ludwigs Denkmal in der von ihm errichteten Walhalla

König Ludwig heiratete am 12. Oktober 1810 in München die Prinzessin Therese von Sachsen-Hildburghausen (1792–1854), Tochter des Herzog Friedrich (seit 1826 Sachsen-Altenburg) und seiner Gattin Prinzessin Charlotte von Mecklenburg-Strelitz. Aus der Ehe gingen neun Kinder hervor:

Die Ehe mit Therese hielt Ludwig nicht davon ab, für andere Frauen zu schwärmen. So lernte er 1821 Marianna Marchesa Florenzi (1802–1870) in Rom kennen. Möglicherweise ist deren Sohn Ludovico († 1896), als dessen Vater Mariannas Gatte Ettore Marchese Florenzi auftrat, ein außerehelicher Spross des Wittelsbachers. Marianna und Ludwig trafen sich wenigstens 30-mal, sie schrieb ihm rund 3000 Briefe, von ihm sind etwa 1500 Briefe an sie erhalten.

1831 war Jane Digby die Mätresse des Königs. Sie heiratete 1833 in München Karl Theodor von Venningen, genannt Ullner von Diepurg. Noch vor der Hochzeit wurde Sohn Heribert Ludwig von Venningen, genannt Ullner von Diepurg (1833–1885) geboren, der die heutige Hauptlinie der Herren von Venningen fortsetzte. Auch für ihn kommt Ludwig I. als Vater in Betracht.

Vorfahren

 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
Christian III. von Pfalz-Zweibrücken (1674–1735)
 
 
 
 
 
 
 
Friedrich Michael von Pfalz-Birkenfeld-Bischweiler (1724–1767)
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
Karoline von Nassau-Saarbrücken (1704–1774)
 
 
 
 
 
 
 
Maximilian I. Joseph König von Bayern (1756–1825)
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
Joseph Karl von Pfalz-Sulzbach (1694–1729)
 
 
 
 
 
 
 
Maria Franziska von Pfalz-Sulzbach (1724–1794)
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
Elisabeth Auguste Sofie von der Pfalz (1693–1728)
 
 
 
 
 
 
 
Ludwig I. König von Bayern (1786–1868)
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
Ludwig VIII. Landgraf von Hessen-Darmstadt (1691–1768)
 
 
 
 
 
 
 
Georg Wilhelm von Hessen-Darmstadt (1722–1782)
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
Charlotte von Hanau-Lichtenberg (1700–1726)
 
 
 
 
 
 
 
Auguste Wilhelmine von Hessen-Darmstadt (1765–1796)
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
Christian von Leiningen-Dagsburg-Falkenburg (1695–1766)
 
 
 
 
 
 
 
Luise zu Leiningen-Dagsburg-Falkenburg (1729–1818)
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
Katharina Polyxena von Solms-Rödelheim (1702–1765)
 
 
 
 
 
 

Literatur

Weblinks

 Commons: Ludwig I. von Bayern – Album mit Bildern, Videos und Audiodateien
 Wikisource: Ludwig I. von Bayern – Quellen und Volltexte

Einzelnachweise

  1. Albrecht Liess: Das Heiratsprojekt Kronprinz Ludwigs von Bayern mit der russischen Kaisertochter Katharina in der Auseinandersetzung der Großmächte 1799-1808. In: Archivalische Zeitschrift Bd. 88/2006 (Festschrift Hermann Rumschöttel zum 65. Geburtstag, Böhlau Verlag Köln, Weimar, Wien 2006) S. 525–555 und Albrecht Liess: Kronprinz Ludwig von Bayern und Napoleon / Le prince héritier Louis de Bavière et Napoléon. In : Bayern und Frankreich: Wege und Begegnungen. 1000 Jahre bayerisch-französische Beziehungen / France-Baviere: allers et retours. 1000 ans de relations franco-bavaroises, hrsg. von den Staatlichen Archiven Bayerns und Frankreichs in Zusammenarbeit mit der Montgelas-Gesellschaft zur Förderung der bayerisch-französischen Beziehungen e.V. Konzeption und Redaktion: Gerhard Hetzer, Ariane James-Sarazin, Albrecht Liess (Ausstellungskataloge der Staatlichen Archive Bayerns Bd. 47) S. 203–210, München-Paris 2006, ISBN 3-921635-99-3 und Biro éditeur, ISBN 2-35119-008-4, http://www.bayern-france.info/pdf/Kapitel_6_Beitrag_1_neu.pdf.
  2. Das Großherzogtum Würzburg war 1814 an Bayern gefallen
  3. a b Ludwig I. (Bayern). In: Meyers Konversations-Lexikon. 4. Auflage. Band 10, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig/Wien 1885–1892, S. 964.
  4. «Der Tradition würde der Titel „Herzog von Bayern, Franken und in Schwaben, Pfalzgraf bei Rhein“ entsprechen» (Norbert Lewandowski, Die Familie, die Bayern erfand: Das Haus Wittelsbach: Geschichten, Traditionen, Schicksale, Skandale, Stiebner Verlag GmbH, 2014, p. 17); Ingolstädter Wochen-Blatt, 1840, Vol. 39, S. 409 (eingeschränkte Vorschau in der Google-Buchsuche); Ludwig von Gottes…: Unsern Gruß zuvor… eingeschränkte Vorschau in der Google-Buchsuche
  5. Ludwig I. / Bauherr der Befreiungshalle befreiungshalle.org, abgerufen am 20. März 2018.
  6. Wolfgang Weiß: Die katholische Kirche im 19. Jahrhundert. In: Ulrich Wagner (Hrsg.): Geschichte der Stadt Würzburg. 4 Bände, Band I-III/2, Theiss, Stuttgart 2001–2007; III/1–2: Vom Übergang an Bayern bis zum 21. Jahrhundert. 2007, ISBN 978-3-8062-1478-9, S. 430–449 und 1303, hier: S. 430.
  7. Wolf Seidl: Bayern in Griechenland. Süddeutscher Verlag, 2. Auflage, 1970, S. 131.
  8. Bayerische Bibliographie 1963 S. 339ff
  9. Martha Schad: Bayerns Königinnen. Piper 2005, S. 133 f.
  10. Martha Schad: Bayerns Königinnen. Piper 2005, S. 155.
  11. von Maurer und zu Rhein – „Ministerium der Morgenröte“
  12. a b Martha Schad: Bayerns Königinnen. Piper 2005, S. 157.
  13. Die deutsche Revolution von 1848/49 Haus der Bayerischen Geschichte, abgerufen am 20. März 2018.
  14. Christian M. Geyer: Der Sinn für Kunst – die Skulpturen Canovas für München. Gebr. Mann, Berlin 2010, ISBN 978-3-7861-2633-1, S. 13ff
  15. Ulrike von Hase-Schmundt: Joseph Stieler: 1781–1858. Sein Leben u. sein Werk. Krit. Verzeichnis d. Werke. Prestel, München 1971, ISBN 3-7913-0340-6, S. 91 f.
  16. Haus der Bayerischen Geschichte (HdbG - Bevölkerung, Wirtschaft und Technik in der Zeit Ludwigs I.)
  17. http://www.stefan-etzel.de/HOME/bios/ludwig.htm
  18. br.de Der komplizierte Charakter Ludwigs I.
  19. Aus: Anhang zu Neue Gedichte, zit. nach: DHA, Band 2, S. 142.
  20. Die Sehnsucht eines Königs Ludwig I. von Bayern auf www.oehmsclassics.de (Memento vom 25. September 2003 im Internet Archive)
VorgängerAmtNachfolger
Maximilian I.Königreich BayernKönigreich Bayern König von Bayern
1825–1848
Maximilian II.