Landesbedeutsame Buslinie

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Der Begriff der Landesbedeutsamen Buslinie ist eine nicht einheitlich genutzte Bezeichnung für spezielle Strecken des ÖPNV in Deutschland, die zur Ergänzung des Schienenverkehrsnetzes dienen. Sie sollen sicherstellen, dass strukturschwache Gegenden nicht vom überregionalen Verkehr abgeschnitten werden, der zumeist über die Schiene verläuft. Zu diesem Zweck werden regionale Verkehrsunternehmen beauftragt oder deren bestehende Verbindungen von den landeseigenen Aufgabenträgern des Nahverkehrs speziell gefördert.

Die Kriterien für eine Landesbedeutsame Buslinie variieren zwischen den verschiedenen Aufgabenträgern. Meist müssen von Montag bis Freitag ein stündlicher oder zweistündlicher Takt zu gleichmäßigen, gut zu merkenden Abfahrtsminuten sowie am Wochenende zweistündliche Verbindungen angeboten werden. Weiterhin müssen effektive Verknüpfungen zum Schienenverkehr vorhanden sein, wobei Wert auf möglichst kurze Umsteigezeiten gelegt wird.

Brandenburg

In Brandenburg existiert derzeit kein einheitliches Netz für Landesbedeutsame Buslinien. Es werden jedoch in den meisten Regionen sogenannte "PlusBusse" angeboten oder geplant, die in Trägerschaft der Landkreise agieren. Hier wird ein stündlicher Mindesttakt von Montag bis Freitag vorausgesetzt, samstags sollen sechs und sonntags vier Fahrtenpaare pro Strecke verkehren. Die Umstiegszeiten zu Zügen sollen nicht länger als 15 Minuten betragen.[1]

Niedersachsen

In Niedersachsen wurde 2015 eine Studie zur Einführung eines sogenannte "Landesbusliniennetzes" zur Einschätzung von 35 potentiellen Linienvorschlägen erarbeitet und vorgestellt. Hierbei ergaben sich zahlreiche praktikable Verbindungen von Mittelzentren zu Oberzentren sowie Lückenschlüsse im bestehenden Netz, die besonders die strukturschwachen Regionen im Nordwesten des Landes stärken sollen. Seit 2017 werden landesbedeutsame Buslinien durch die Landesnahverkehrsgesellschaft Niedersachsen gefördert.[2] Die Landkreise und kreisfreie Städte sowie Verkehrsverbünde können die Förderung von Landesbedeutsamen Buslinien dort beantragen. Die Taktkriterien sind hier eine stündliche, schnelle Verbindung verfügen, die an Wochentagen von 6:00 bis 23:00 verkehren müssen. Die Busse müssen über Klimaanlagen, WLAN, bequeme Überlandbestuhlung sowie barrierefreie Zustiege verfügen. Diese Kriterien entsprechen dem Standard des Schienenverkehrs.[3]

Rheinland-Pfalz

In Rheinland-Pfalz wird die Bezeichnung der Landesbedeutsamen Buslinien nicht offiziell genutzt. Innerhalb des Rheinland-Pfalz-Taktes verkehren jedoch seit 1996 sogenannte "RegioLinien", die mit einem dichten sogenannten "Fahrradbus"-Netz einhergehen. Im Rahmen des "Rheinland-Pfalz-Taktes 2015" wurde das bestehende Regionalbusnetz grundlegend überarbeitet. Seitdem werden auch Unterzentren stärker eingebunden.[4]

Sachsen-Anhalt

Logo Landesnetz Sachsen-Anhalt

In Sachsen-Anhalt werden die Landesbedeutsamen Buslinien im Landesnetz Sachsen-Anhalt organisiert und als "Mein Takt" vermarktet. Dies geschieht in Kooperation des Landes mit der Nahverkehrsservice Sachsen-Anhalt GmbH. Die ersten überregionalen Buslinien existieren hier seit 2008, mittlerweile werden unter "Mein Takt" 29 Linien angeboten (Stand November 2018). Das Taktkriterium im Landesnetz Sachsen-Anhalt ist ein Zweistundentakt, der an jedem Tag der Woche von frühmorgens bis spätabends gefahren wird.

Weiterhin existiert ein vom Mitteldeutschen Verkehrsverbund ausgehendes PlusBus-Netz, welches neben Sachsen-Anhalt auch in Sachsen agiert. Hierbei werden besonders Gemeinden angebunden, die nicht direkt von der S-Bahn Mitteldeutschland erfasst werden. Von Montag bis Freitag ist hierbei ein Stundentakt vorausgesetzt, an Samstagen ein Zweistundentakt sowie an Sonntagen ein annähernder Zweistundentakt mit mindestens 4 Fahrtenpaaren.

Thüringen

In Thüringen wird seit 2016 ein Netz von Landesbedeutsamen Buslinien unter Trägerschaft der Nahverkehrsservicegesellschaft Thüringen aufgebaut.[5] In diesem Rahmen wurde eine Liste von förderfähigen Verbindungen veröffentlicht, auf deren Grundlage die regionalen Verkehrsunternehmen dann ihre Fahrpläne und Taktungen planen und die Einstufung zur Landesbedeutsamen Buslinie beantragen können. Gegenwärtig sind dort 59 Strecken aufgeführt. Zum Stand August 2018 waren 18 Linien durch die speziellen Fördermaßnahmen gestützt.

Als mindeste Einstufungskriterium gelten die Bereitstellung von acht (Montag bis Freitag) sowie vier täglichen Fahrtenpaaren (Samstag und Sonntag), wobei ein Taktfahrplan vorliegen muss. Hierbei darf es keine saisonalen Einschränkungen geben. Die Umstiegszeiten zum Bahnverkehr sollen maximal 15 Minuten betragen.

Literatur

  • NVS-Nahverkehrsservicegesellschaft Thüringen mbH (Hrsg.): Regiotakte. Nr. 03/2018, Juli 2018.

Einzelnachweise

  1. Landesbedeutsame Buslinien. Abgerufen am 4. November 2018.
  2. Landesbuslinien. Abgerufen am 4. November 2018.
  3. Förderung landesbedeutsamer Buslinien. Abgerufen am 4. November 2018.
  4. Bus-Regiolinien. Abgerufen am 4. November 2018.
  5. Thüringer Ministerium für Infrastruktur und Landwirtschaft: Landesbedeutsames Busnetz geht an den Start - Medienmitteilung. Abgerufen am 4. November 2018.