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Korsika im Altertum

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Die Geschichte Korsikas im Altertum ist, obwohl die Insel nie als reich galt, von Kämpfen um die Vorherrschaft durch fremde Mächte geprägt. Die Nachfolger der neolithischen Kulturen konnten ihre Traditionen zwar noch bis weit in die römische Zeit halten, doch interessierten sich bereits zuvor Etrusker, Karthager, bzw. Phönizier, Griechen und nach den Römern Vandalen, Byzantiner und Sarazenen für die Insel.

Forschung

Die Quellenlage und die Erforschung der Insel sind spärlich und damit verbundene wissenschaftliche Veröffentlichungen in geringer Menge vorhanden. Das rührt zum einen von der untergeordneten Bedeutung Korsikas im Altertum, zum anderen vom Desinteresse der französischen Forschung an der Insel. Anders als im benachbarten Sardinien, das von italienischen Forschern besser erkundet und dokumentiert ist, befindet sich die Erforschung Korsikas im Anfangsstadium. Neben der Quellenarmut steckt auch die Archäologie Korsikas in den Kinderschuhen.

Im 19. Jahrhundert wurde Generalinspektor Prosper Mérimée nach Korsika geschickt, um die historischen Denkmäler zu erfassen. Er veröffentlichte 1840 sein Werk Notes d'un voyage en Corse, in dem er seinen Kenntnisstand der korsischen Geschichte zusammenfasste. Die intensive Erforschung der Frühgeschichte Korsikas begann im 20. Jahrhundert mit Roger Grosjean.[1]

In letzter Zeit müssen lange vertretene Ansichten der wissenschaftlichen Forschung relativiert werden. So hat man – vor allem bei Forschungen auf Sardinien – festgestellt, dass die Romanisierung, von der man dachte, sie hätte lange nur die schon von den Griechen und Karthagern bewohnten Küstenbereiche betroffen, in gewissem Maße bereits relativ früh auf die Bewohner der Insel übergegriffen hatte.[2]

Bezeichnend für den Kenntnisstand über die Insel ist, dass beispielsweise das 1965 erschienene Lexikon der Alten Welt keinen Artikel über Korsika hat, sich allerdings ausführlich den Mittelmeerinseln Kreta, Sizilien oder Sardinien widmet.

Inselkunde und Benennung

In römischer Zeit nannte man die Korsika umgebenden Gewässer im Norden und im Westen Mare Ligusticum, im Osten Mare Tyrrhenum und im Süden zu Sardinien hin Fretum Gallicum. Die Lage zwischen dem italischen Festland im Osten, dem gallischen Festland im Norden und Sardinien im Süden machte Korsika zu einem strategisch wichtigen Punkt für die Beherrschung des westlichen Mittelmeers. Außerdem war die Insel als Umschlagplatz des mediterranen Handels von Bedeutung. Korsika wurde von Theophrastos von Eresos[3] als stark bewaldet und gebirgig beschrieben. Für den Getreideanbau eignete sich nur eine begrenzte Fläche – vor allem an der Ostküste im Bereich der Stadt Aléria, doch lieferte die Insel vor allem Bauholz und Rohstoffe wie Kupfer, Eisenerz, Silber, Blei, Pech, Wachs und Honig. Insgesamt galten die Inselprodukte, abgesehen von den aufgezählten, als recht wertlos, das Klima vor allem im Sommer als ungesund (Malaria) und alles in allem als rau und abweisend[4].

Die Bezeichnung Kyrnos (griech. Κύρνως) ist möglicherweise die griechische oder römische Umbenennung eines einheimischen, korsischen Toponyms. In der Forschung wird eine Herkunft von kors- – laut Eustathios Baumkrone – wohl aber eher von *krsa, Kopf aus der Sprache der vorrömischen Korsen, diskutiert. Die Römer versahen das Wort mit dem Suffix -îqa, die Phokäer mit -nos. Eine andere Möglichkeit ist, dass der Name auf den phönizischen Begriff Korsai zurückgeht, was in etwa „mit Wäldern bedeckt“ bedeutet.[5]

Frühe Besiedlung

Flächenvergrößerung Korsikas (blau) durch den niedrigeren Meeresspiegel zur Zeit der Besiedlung der Insel aus Richtung Elba im Norden
Die Steinreihen von Palaggiu auch als Campu dei Morti (Friedhof) bezeichnet
Zeitstellung korsischer Megalithen

Die Besiedlung Korsikas ist seit dem 8. Jahrtausend v. Chr. dokumentiert. Die aus Ligurien stammende korsische Urbevölkerung, Jäger und Sammler, die über eine Landbrücke bei den heutigen Inseln Elba und Capraia einwanderte, wurde um 6000 v. Chr. von Zuwanderern der neolithischen Cardial- oder Impressokultur verdrängt. Für die ligurische Herkunft spricht beispielsweise der Name des Flusses Potanos. Die Insel lag aufgrund des würmeiszeitlichen Niedrigwassers (etwa 100 m tiefer) näher am Festland und war bis etwa 5000 v. Chr. mit Sardinien verbunden. Im Süden der Insel entwickelte sich etwa 3000 v. Chr. eine mehrphasige Megalith-Kultur (Filitosa). In neolithischer Zeit sind Kontakte zu Sardinien, Etrurien und Ligurien belegt. Terrina bei Aléria gilt als Zeugnis des Höhepunkts des Aeneolithikums. Zu dieser Zeit (um 1600 v. Chr.) entstand auf der Insel die Torre-Kultur, die durch Dolmen, Menhire und Statuenmenhire überliefert ist. Wie im Inneren der Iberischen Halbinsel, auf den Balearen, auf Sardinien und Malta herrschte die Megalithkultur auch noch zu der Zeit, in der in Teilen Europas schon die Metallzeit eingesetzt hatte.[6] In der Bronzezeit entstanden auf Korsika befestige Siedlungen sowie kreisrunde, Torren genannte Türme. Kulturelle Kontakte wurden vor allem nach Sardinien und zum italienischen Festland gepflegt. Trotz der Kontakte führte die Entwicklung in der Eisenzeit nicht zur Verstädterung. Erste feste Siedlungen entstanden im 9. vorchristlichen Jahrhundert (Capula, Cuccuruzzu, Modria und Araguina-Sennola bei Bonifacio).

Laut Diodor lebten die Bewohner der Insel vor allem als Hirten. Das Innere der Insel konnte seine Unabhängigkeit bis in römische Zeit mehr oder weniger aufrechterhalten. So fanden sich noch in römischer Zeit Sitten wie das Männerkindbett, das die Ablenkung böser Geister bewirken sollte[7].

Griechen, Etrusker und Karthager

Eine Verstädterung begann erst mit der Ansiedlung von Karthagern um 565 v. Chr. Herodot zählte die Korsen zu den Söldnern der Karthager[8]. Um 545 v. Chr. gründeten griechische Siedler aus Phokaia[9], Mythologische Quelle: die wegen der Belagerung ihrer Heimatstadt durch die Perser unter Harpagos ihre Heimat, eine Stadt in der Gegend von Alalia, verließen. Wohl schon einige Zeit zuvor hatten Siedler aus der griechischen Stadt dort einen Handelsstützpunkt, möglicherweise schon eine Kolonie, unterhalten, was den Etruskern so nah an ihrem Territorium gar nicht gefiel. Da die phokäischen Griechen sowohl als Händler wie auch als Piraten den Handel und die Wirtschaftsmacht der Etrusker und Karthager im Gebiet von Südfrankreich, Sardinien und Etrurien nachhaltig störten und sogar das italische Festland attackierten, rüsteten sich die beiden Großmächte des westlichen Mittelmeerraumes, die sich in ihrer Hegemonie bedroht sahen, die Etrusker unter der Führung der Stadt Caere sowie die Karthager für einen Schlag gegen die griechische Stadt. Doch kamen 530 v. Chr. offenbar die Phönizier den Alliierten mit einer überraschenden Aktion zuvor.[10] Ihr Sieg in der Seeschlacht bei Alalia sorgte dafür, dass die Griechen ihre Stadt wieder verlassen mussten und sich im kampanischen Elea, einer um 540 v. Chr. gegründeten Tochterstadt, niederließen. In Elea entstand später eine der bedeutendsten griechischen Philosophenschule, die der Eleaten. Von nun an gehörte Sardinien zum Herrschaftsbereich der Karthager, Korsika zu dem der Etrusker. Die Kolonisation der Griechen im westlichen Mittelmeer kam mit der Niederlage Alalias völlig zum Erliegen. Diodor nannte Teer, Wachs und Honig als Tributgaben[11], die die Ureinwohner an die Etrusker zu liefern hatten.

Anfang des 6. Jahrhunderts v. Chr. wurde Alalia etruskisiert. Dazu wurde möglicherweise eine Militärexpedition unter der Führung des Tarquinianers Velthus Spurinna ausgesandt. Am Beginn des 4. Jahrhunderts war Korsika noch ein letztes Mal Ziel einer griechischen Expedition, als der Tyrann Dionysios I. von Syrakus die Insel überfiel.[12] An der Südspitze der Insel, möglicherweise bei Porto-Vecchio, konnten sich Truppen aus Syrakus für einige Zeit festsetzen.[13]

Auch Rom interessierte sich schon sehr früh für Korsika. Ein erster Versuch einer römischen Stadtgründung um 425 v. Chr. scheiterte noch.[14] Schon früh, so wie im Falle von Galerius Torquatus[15] 296 v. Chr., wurde die Insel als Ort für ins Exil verbannte Römer genutzt.

Römische Republik

Corsica in römischer Zeit. In Praetorium befand sich der Sitz des Statthalters, Aléria war die größte und bedeutendste Stadt.

Die römische Eroberung Korsikas begann 259 v. Chr., als Lucius Cornelius Scipio im Zuge des Ersten Punischen Krieges Aléria (das griechische Alalia) und mehrere korsische Stämme unterwarf. Der römische Übergriff auf die Insel bedeutete die Ausweitung des Krieges vom Schauplatz Sizilien auf den ganzen westlichen Mittelmeerraum. Im späteren Friedensvertrag zwischen den Römern und den unterlegenen Karthagern war nicht die Rede davon, dass die beiden großen Inseln im Westen Italiens in die Einflusssphäre der Römer fallen sollten. Doch da die von einem Söldneraufstand geschwächten Karthager keine Möglichkeit zu einer Gegenreaktion hatten – und sich die Unruhe auch auf die karthagische Insel Sardinien ausdehnte – verleibten sich die Römer schließlich endgültig beide Inseln ein. Es ist nicht ganz sicher, ob dies schon 241 v. Chr. begann, sicher ist, dass 238/37 der Konsul Tiberius Sempronius Gracchus die Herrschaft zumindest in der Theorie über ganz Korsika und Sardinien erweiterte.

Beide Inseln wurden zunächst zu einem Militärbezirk vereint und durch eine Militärregierung verwaltet. Ein Aufstand im Jahr 231 v. Chr. wurde von Papirius Maso niedergeschlagen, wofür er den ersten Triumph in monte Albano bekam.[16] 227 v. Chr. wurden die beiden großen Inseln im Westen Italiens zur Kolonie Sardinia et Corsica zusammengefasst. Die Inbesitznahme der beiden Inseln sollte nicht zuletzt die Funktion eines Schutzschildes erfüllen, der das italische Festland vor Angriffen aus dem Westen schützte. Sardinia et Corsica war neben Sicilia eine der beiden ersten Provinzen, die das Römische Reich einrichtete und damit seinen Charakter endgültig von einem Stadtstaate zu einer Großmacht wandelte. Anders als bei ihrer Expansion in Italien schlossen sie die drei großen Inseln nicht ihrem Bundesgenossensystem an, sondern setzten einen Vizegouverneur mit zivilen und militärischen Rechten im Range eines Prätors ein. Zur Verwaltung der beiden neuen Kolonien wurden eigens zwei neue Prätorenposten geschaffen, die das römische System bis dato gar nicht vorsah und das Verwaltungssystem dem Wachsen des Reiches angepasst. Ursprünglich war eine Militärregierung nur für die Kriegszeiten auf der Insel eingesetzt gewesen, für die neue Verwaltungsform der Kolonie wurde die Militärverwaltung, die gleichzeitig auch die zivile Verwaltung übernahm, nun zur Dauereinrichtung. Der Verwalter der Provinz hatte seinen Amtssitz im sardischen Cagliari. Erster Statthalter wurde Marcus Valerius Laevinus. Die Einrichtung der Provinz wurde gegen den ausdrücklichen Wunsch der einheimischen Bevölkerung durchgesetzt, die sich bis dahin die Eigenständigkeit sowohl gegen die Griechen als auch die Karthager bewahren konnte.[17] Mehrfach kam es in der Folgezeit zu Aufständen und die Eroberung des Inselinneren beanspruchte noch viel römische Zeit und Kraft. Die erste Kolonie – Colonia Mariana – gründete Gaius Marius um das Jahr 104 v. Chr., weitere Kolonien folgten im Laufe des ersten vorchristlichen Jahrhunderts. Marius gründete die Kolonie im Nordosten der Insel, im Siedlungsgebiet des Stammes der Vanacini.[18] Zwischen Dezember 82 und 1. Januar 80 v. Chr. siedelte Sulla ebenfalls Kolonisten auf der Insel an. Seine Kolonie wurde in Aléria gegründet und hieß colonia Veneria Alaria.

Denarius des Sextus Pompeius, geprägt anlässlich seines Sieges über die Flotte Octavians 37 v. Chr. in der Seeschlacht von Messina. Auf der Vorderseite ist der Pharus von Messina abgebildet, auf der Rückseite das Monster Scylla, das Octavian besiegt haben soll.

Während des Bürgerkrieges gehörte die Insel zunächst zum Machtbereich des Gnaeus Pompeius Magnus, schloss sich dann aber Gaius Iulius Caesar an. Zwischen 40 und 38 v. Chr. besetzten Sextus Pompeius, der Sohn des Gnaeus Pompeius Magnus, und sein Legat Menas die Insel und terrorisierten von hier aus Sardinien und Sizilien sowie das italische Festland mit einer großen Piratenflotte. Neben den drei Triumviren wurde er zum vierten bedeutenden Faktor beim Kampf um die Nachfolge Caesars. Seine Flotte, die zu einem Großteil aus tausenden geflohenen Sklaven bestand und auch auf Korsika mehrere Stützpunkte unterhielt, beeinträchtigte die Getreideversorgung Roms massiv, so dass Octavian, da es ihm zu dieser Zeit nicht möglich war, gegen Pompeius zu bestehen, Zugeständnisse machen musste. Im Vertrag von Misenum (39 v. Chr.) wurden Pompeius die drei Inseln zugesprochen und Achaia in Aussicht gestellt, dafür verzichtete er auf die weitere Blockade des Festlandes und verhielt sich bei Konflikten zwischen Antonius und Octavian neutral. Doch konnte sich Octavian nicht mit dem Verlust der eigentlich ihm zustehenden Gebiete zufriedengeben und sorgte dafür, dass ihn Korsika und Sardinien durch von ihm initiierten Verrat wieder in die Hände fielen. Darauf entbrannten die Kämpfe mit Pompeius 38 v. Chr. erneut auf, der wieder das italische Festland blockierte, was dort zu einer Hungersnot führte. Erst später im selben Jahr hatte Octavian eine so starke Flotte, dass er Pompeius militärisch die Stirn bieten konnte und wieder Herr der Lage wurde. Korsika blieb nun bis zur Neuordnung der Provinzen 27 v. Chr. im Privatbesitz Octavians.

Die Römer bauten auf der Insel nur eine befestigte Straße, die sich an der Ostküste befand und im Süden von Piantarella über das Hauptquartier (Praetorium), Aléria bis Mariana.

Römische Kaiserzeit

Bei der Neuordnung des Reiches wurde Sardinia et Corsica eine senatorische Provinz. Verwaltet wurde die Provinz durch einen Prokonsul im Range eines Prätors. 6 n. Chr. wurde die eigenständige Provinz Corsica konstituiert, als Kaiser Augustus die Insel Sardinien, auf der eine Bürgermiliz unter Waffen stand, zu seinen Provinzen schlug. Auch nach der Rückgabe Sardiniens an den Senat im Jahr 67 wurde die Trennung aufrechterhalten. Offenbar seit 69 wurde Sardinien von einem Procurator verwaltet[19].

Nach Entwürfen Caesars wurde Aléria unter Octavian zwischen 36 und 27 v. Chr. neu errichtet und hieß von nun an Colonia Veneria Iulia Pacensis Restituta Tertianorum Aléria. Seit der Einrichtung Korsikas als selbstständiger Provinz war die Stadt Sitz des Legatus Augusti. Aléria wurde ein wichtiger Flottenstützpunkt. In der Blütezeit sollen in der Stadt 20.000 Menschen gelebt haben, Reste der römischen Besiedlung finden sich beispielsweise noch vom Amphitheater.

Porträt des Seneca mit Beischrift auf einer Doppelherme (Antikensammlung, Berlin)

Zwischen 41 und 49 war mit Seneca der wohl bekannteste nach Korsika verbannte Römer auf der Insel. Auf Betreiben Messalinas wurde er 41 des Ehebruchs angeklagt und von Claudius auf die Insel relegiert. Acht eher trostlose Jahre verbrachte Seneca hier.[20]

Im Vierkaiserjahr 69 hielt die Insel zu Otho. Der Prokurator Korsikas Decumus Pacarius, ein Gegner Othos, versuchte sich mitsamt der zur Insel gehörenden Flotte und den römischen Honoratioren auf die Seite des Vitellius zu schlagen. Doch traf er auf Widerstand, den er mit der Hinrichtung des Trierarchen der Liburnerschiffe, Claudius Pyrrichus, und des Ritters Quintius Certus zu brechen versuchte. Daraufhin leisteten die Korsen, wenn auch unwillig, den Eid auf Vitellius. Doch als Decumus Pacarius mit der Aushebung von Soldaten begann, kam es zu einer Rebellion, die ihn und seinen Anhängern das Leben kostete. Eine Auswirkung auf den Bürgerkrieg hatte all das nicht. Auch Otho, Vitellius und dann Vespasian reagierten weder auf Decumus Pacarius' Verrat noch auf dessen Ermordung.[21]

Aus den folgenden 200 Jahren sind nahezu keine Nachrichten von der Insel überliefert. Es war offenbar eine der friedvollsten und wirtschaftlich erfolgreichsten Epochen der korsischen Geschichte. Möglicherweise wurde Korsika seit 73 wieder von kaiserlichen Beamten verwaltet.[22] Unter Trajan (98–117) wurde die Provinz wieder an den Senat zur Verwaltung übergeben und von einem Prokonsul verwaltet. Unter Commodus (176–192) oder möglicherweise auch erst unter Septimius Severus (193–211) wurde Korsika erneut kaiserliche Provinz, die von einem Procurator Augusti et praefectus verwaltet wurde.[23]

Noch heute kann man einige auf der Insel verteilte Reste aus römischer Zeit entdecken. So gibt es beispielsweise die Reste von Thermen in Pietrapola, Guagno-les-Bains und Urbalacone.

Spätantike und Frühmittelalter

Bei der Neuordnung der Provinzen durch Diokletian zu Beginn der Spätantike (Ende des 3. Jahrhunderts) blieb der Status Korsikas unangetastet. Sie wurde von einem praeses verwaltet und der Diözese Italia Suburbicaria zugeschlagen. Wie im gesamten römischen Reich steigerte sich der Steuerdruck zu dieser Zeit immer weiter. Wie auch an vielen anderen Stellen des Reiches kam es auf Korsika zur Einwanderung von Invasoren und Völkerbewegungen, die dazu führten, dass die weströmische Zentralgewalt die Insel aufgab. 410 eroberten die Westgoten die Insel, 455[24] die Vandalen unter ihrem König Geiserich, der die Insel als Stützpunkt nutzte, um das italienische Festland jedes Jahr erneut zu plündern. Außerdem wurde Korsika, das anders als das nordafrikanische Vandalenreich von einem Vandalen und nicht von einem römischen Beamten verwaltet wurde, neben Sardinien und Sizilien dazu genutzt, das nun vandalische Nordafrika vor Angriffen aus dem Norden zu schützen. Im Jahr 500 schließlich eroberten die Ostgoten Korsika. 536 konnten oströmische Truppen des Kaisers Justinian I. unter dem Befehl Cyrils, eines Offiziers Belisars, die Insel wie auch Sardinien und die Balearen für das Oströmische Reich im Zuge einer mehrjährigen Militäroperation im westlichen Mittelmeer, die vor allen das Ziel der Rückeroberung Nordafrikas von den Vandalen hatte, zurückgewinnen. Die anderenorts sehr rege Bautätigkeit des Kaisers hinterließ auf Korsika jedoch keine Spuren. 575 landeten die Langobarden an der Insel und besetzten mehrere strategisch wichtige Küstenplätze. Das Landesinnere blieb allerdings in oströmischer bzw. byzantinischer Hand.

Papst Gregor I. diktiert Gregorianischen Gesang, der ihm vom heiligen Geist eingegeben worden sein soll, an einen Schreiber (Antiphonar des Hartker von St. Gallen, um 1000).

Der Steuerdruck und die verschiedenen Invasionen erschütterten die Insel zutiefst und sorgten für deren Ruin. Einzige Klammer, die die Insel zusammenhielt, war die schon sehr stark im Land verankerte Kirche. Ein neues Kapitel in der Geschichte der Insel wurde dann auch nicht überraschend von kirchlicher Seite aufgeschlagen. Papst Gregor I. reklamierte die Insel während seines Pontifikats (590–604) als Missionsgebiet. In seinem Auftrag wurde der christliche Glaube in der Bevölkerung vertieft, die Kirchenorganisation wurde erneuert und das kanonische Recht eingeführt. Lange vakant gebliebene Bischofssitze wurden dauerhaft neu besetzt und eine Verwaltung aufgebaut, die zumindest teilweise auch ins Landesinnere vordrang. Wo die zerfallende byzantinische Herrschaft die sozialen Gegensätze verschärfte, wurde die Kirche zum stabilisierenden und Kontinuität garantierendem Element und die Bischöfe wurden zu den echten und anerkannten Oberhäuptern der Bevölkerung.[25]

Im frühen 7. Jahrhundert erwuchs der Insel mit den Sarazenen, die nun mehrfach die Küste der Insel verwüsteten, ein neues Problem. Auch die Langobarden kamen wieder auf die Insel, um dort gegen die Sarazenen zu kämpfen. Der Konflikt mit den Sarazenen, an dem teilweise auch andere auswärtige Mächte teilnahmen, die dann nicht selten Anspruch auf Korsika oder Teile erhoben, bestimmte nun für mehrere Jahrhunderte die Geschicke der Insel. Diese Epoche ist abgesehen von den viel später verfassten und mit Legenden durchsetzten Chroniken des Giovanni della Grossa (1388–1464) nahezu ohne überlieferte Quellen geblieben.

Im weiteren Verlauf des Mittelalters sollte Korsika zum Spielball einiger Mächte des Mittelmeerraumes werden, die die Insel immer wieder zurückwarfen und Korsika zu einem Armenhaus Europas machten. Erst in den letzten Jahren, nicht zuletzt durch den Tourismus und die damit verbundenen Einnahmen, ist Korsika dabei, mit der Entwicklung anderer Teile West- und Südeuropas gleichzuziehen.

Mit dem Aufleben des öffentlichen Interesses an Korsika als Urlaubsland, begannen sich auch Wissenschaftler für die Geschichte und die Hinterlassenschaften der Korsen des Altertums zu interessieren. Es ist zu erwarten, dass in den nächsten Jahrzehnten die Erkenntnisse zur frühen und alten Geschichte sowie zur Kultur und der Archäologie des frühen Korsikas eine vielfache Vermehrung erfahren und die Vergangenheit Korsikas womöglich in einem anderen oder neuen Gewand erscheinen lassen.

Literatur

Weblinks

Referenzen

  1. Wolfgang Kathe: Korsika, Reise Know-How Verlag Peter Rump, ISBN 3-8317-1448-7
  2. Zum aktuellen Forschungsstand siehe Bechert: Die Provinzen des römischen Reiches, S. 62.
  3. Historia plantarum 5,8
  4. Bechert: Die Provinzen des römischen Reiches, S. 61f.
  5. Zur Benennung siehe Gerhard Radke: Corsica, in: Der Kleine Pauly, Bd. 1 (1964), Sp. 1324.
  6. Richard Pittioni in: Propyläen Weltgeschichte, Band 1, S. 275.
  7. Vgl. dazu Kulturgeschichte der Antike. Band 2: Rom, Berlin 1982.
  8. Historien 7,165.
  9. die auch Massillia, Emporion, Nikaia, Athenopolis und Antipolis gegründet hatten
  10. Siehe Der Neue Pauly. – in der früheren Literatur wird immer von einem Kampf zwischen Griechen und Karthagern/Etruskern geschrieben. Auch werden 540 v. Chr. (Wolfgang Schuller: Griechische Geschichte, S. 14) und 535 v. Chr. (Propyläen Weltgeschichte. Bd. 3, S. 678.) als Jahr der Schlacht angegeben. Über den Ausgang des Kampfes gibt es verschiedene Aussagen. Jochen Bleicken (Propyläen Weltgeschichte. Bd. 4, S. 45.) spricht von einem vernichtenden Sieg der karthagisch-etruskischen Koalition, an anderer Stelle wird von einem knappen Sieg der Griechen berichtet, der die Stadt jedoch so schwächte, dass sie aufgegeben werden musste (Hermann Bengtson: Römische Geschichte. München 1973, S. 17.). Alfred Heuss (Propyläen Weltgeschichte. Bd. 3, S. 201,) spricht von einer „nicht eindeutigen Entscheidung“.
  11. Diodor 5,13,4; 11,88,5.
  12. Alfred Heuss, in: Propyläen Weltgeschichte. Bd. 3, S. 387.
  13. Bengtson: Römische Geschichte, S. 39.
  14. Theophrastos von Eresos: historia plantarum. 5,8,2 und eine Inschrift eines Claudius (Klautie) auf einer attischen Kylix aus dem Jahr 425 v. Chr. aus einer casabiadischen Nekropole.
  15. Theophilos I. FGrH.
  16. Valerius Maximus 3,6,5 – weil ihm der Senat den Triumph verweigerte, hielt er ihn mehr oder minder eigenmächtig auf dem Mons Albanus ab.
  17. Bechert: Die Provinzen des römischen Reiches, S. 61.
  18. CIL 10, 8038
  19. CIL 12, 2455.
  20. Manfred Fuhrmann: Seneca und Kaiser Nero. Eine Biographie. A. Fest, Berlin 1997, ISBN 3-8286-0012-3, S. 185 (zum Einfluss Senecas auf Nero).
  21. Tacitus, Historien 2,16.
  22. CIL 10, 8023 und 8024.
  23. CIL 3, 6813 und CIL 10, 7580.
  24. Das Lexikon des Mittelalters nennt das Jahr 455, Moses I. Finley in Das antike Sizilien 445, Jochen Martin in Spatantike und Völkerwanderung: „nach 455“.
  25. Zur Rolle der Kirche siehe Lexikon des Mittelalters.
Dieser Artikel wurde am 20. August 2006 in dieser Version in die Liste der lesenswerten Artikel aufgenommen.