Karl Kluth

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Zur Navigation springen Zur Suche springen
Wandbild Jugendliche beim Sport im Gymnasium Alstertal in Hamburg-Fuhlsbüttel, in der Zeit des Nationalsozialismus zerstört, schwarz-weiße Fotografie von Adolf und Carl Dransfeld, 1930
Wandbild Lebensfreude in der Gesamtschule Alter Teichweg in Hamburg-Dulsberg, in der Zeit des Nationalsozialismus zerstört, schwarz-weiße Fotografie von Adolf und Carl Dransfeld, 1931

Karl Kluth (* 12. Januar 1898 in Halle an der Saale; † 15. Dezember 1972 in Hamburg) war Mitglied des Hamburger Künstlervereins von 1832 und der Hamburgischen Sezession, während der Nazi-Diktatur in Deutschland konnte er trotz zahlreicher Probleme mit den Behörden weiterarbeiten. 1940 wurde er zum Kriegsdienst eingezogen und geriet in sowjetische Gefangenschaft. Nach der Heimkehr (1949) wurde er 1950 in die Vorstände des Deutschen Künstlerbundes[1] und des Hamburger Künstlervereins gewählt. 1952 nahm er eine Professur an der Hochschule für bildende Künste in Hamburg an.

Ausbildung

1919 bis 1922 an der Akademie Karlsruhe bei Albert Haueisen und August Babberger. Diese beiden Lehrer waren Schüler von Ludwig Thoma und unterrichteten in dessen Tradition. Babberger vermittelte zusätzlich eine von den Expressionisten stammende Dynamik. Zusätzlich orientierte sich Kluth an den Werken Edvard Munchs. 1920 erhielt er von der Akademie ein Stipendium und reiste nach Hamburg. An zweiter Stelle nach Berlin beherbergte Hamburg die größte und beste Sammlung moderner Malerei in Deutschland. Im Zentrum des kleinen aber feinen Kreises der Verfechter der modernen Kunst standen der Museumsdirektor Max Sauerlandt und der Grafik-Sammler Gustav Schiefler, Munch-Freund und Verfasser dessen Grafik-Verzeichnisses. In der Kunsthandlung Commeter waren Ausstellungen überregionaler Avantgarde-Kunst zu sehen und die Kunsthistorikerin Rosa Schapire engagierte sich aktiv für die neue Kunst. Aber auch der Hafen und sein Milieu übten in der Zeit nach dem Ersten Weltkrieg eine Anziehungskraft auf zahlreiche Künstler von außerhalb der Hansestadt aus.

Hamburg

Ab 1923 stellte Kluth mit der Hamburger Sezession aus. Zunächst erhielt er in seiner neuen Heimat Hamburg wenig Anerkennung von der konservativen Kunstkritik. Seine intensive Farbgebung stieß auf Unverständnis. Auch der Käuferkreis blieb begrenzt. Entsprechend lebten er und seine Frau in großer materieller Not. Er musste sich mit Nebenjobs durchschlagen, etwa als Heizer in einem Krankenhaus. Während der Weltwirtschaftskrise war er mehrmals auf die Unterstützung der Künstlernothilfe angewiesen. 1928 erhielt er auf einer Ausstellung Hamburger Künstler in Berlin die erste Anerkennung, die auch in der Hansestadt Gehör fand. So schrieb der Herausgeber der Zeitschrift „Der Kreis“ Ludwig Benninghoff über ihn: „… in Berlin ist Kluth der ganzen Kritik besonders aufgefallen als einzige genial veranlagte und gründlich arbeitende Natur.“ Im selben Jahr bekam Kluth den Lichtwark-Preis zusammen mit Hans Henny Jahnn. 1929 besuchte er auf Empfehlung Gustav Schieflers während einer Skandinavienreise Edvard Munch und arbeitete einige Zeit mit ihm.

Künstlerfeste

Karl Kluth war einer Hauptinitiatoren der über Künstlerkreise hinaus auch beim Hamburger Bürgertum beliebten Künstlerfeste, genannt Zinnober. Er zeichnete Karikaturen, beteiligte sich an der Ausmalung des Veranstaltungsgebäudes, (Curiohaus), fertigte Plakate an und leitete Revuen.

„Sezessionsstil“

Gegen Ende der 1920er Jahre fanden die Maler und Malerinnen der Hamburger Sezession erstmals überregional Anerkennung und machten mit ihrer „Hamburgischen Malerei“ von sich reden. In dieser Zeit entwickelte Kluth gemeinsam mit anderen jüngeren Mitgliedern der Hamburger Sezession den sogenannten Sezessionsstil. Helmut R. Leppien charakterisiert diesen Stil folgendermaßen: „Nun, 1930, finden wir bei Ballmer und Nesch, bei Kluth und Fiedler, bei Bargheer und Kronenberg und bei Grimm eine Gestaltungsweise, die durch kurvig schwingende Linien, welche die Formen zusammenfassen, durch eine gedämpfte Farbigkeit mit dem Hang zu sehr starken Tonkontrasten bestimmt wird.“ Maike Bruhns weist darauf hin, dass Kluth, durch Munch angeregt, erkannt habe, dass Farbe nicht nur Sichtbares bezeichnet, sondern auch als Träger dramatischer Aktion einsetzbar ist: „Die Motive oder Figuren gewinnen durch Statuarik oder Vereinzelung zuweilen zeichenartige Bedeutsamkeit (…) Es entstand eine Art Kompositstil, der Gegensätzliches vereinte: abstrakte Formen mit realistischen Bildelementen, Zeichnung und Malerisches.“ (Bruhns)

Die Zeit der Nazi-Diktatur

1933 berief Max Sauerlandt, der Direktor des Museums für Kunst und Gewerbe und der Landeskunstschule, Karl Kluth als Lehrenden. Bevor jedoch Kluth die Stelle antreten konnte, wurden er und sämtliche von Sauerlandt berufenen Dozenten von der Kulturbehörde, die mittlerweile nazistisch funktionierte, entlassen. Max Sauerlandt wurde ebenfalls entlassen.

Kluths Gemälde „Akt auf rotem Sofa“ (1933) nahmen die Nazis zum Anlass die zwölfte Ausstellung der Hamburger Sezession zwangsweise zu beenden. Der Vorwurf lautete, es handele sich um Pornografie. Ein Landschaftsgemälde Kluths, „Wegespuren II“ von 1933, ebenfalls in der Ausstellung, wurde als „kulturbolschewistisch“ angefeindet. Die Hamburger Sezessionsausstellung war die erste, die im von den Nazis beherrschten Deutschland verboten wurde.

Trotz der politisch motivierten Angriffe, vor allem durch den „Kampfbund für deutsche Kultur“, konnte Kluth weiterhin ausstellen. Der Hamburger NSDAP-Bürgermeister Carl Vincent Krogmann fand Kluths Bilder „nicht schlecht“ und stattete ihm in seinem Atelier einen Besuch ab. Im Juni 1936 hingen Kluths Bilder noch in der Hamburger Kunsthalle in der Abteilung „Zeitgenössische Hamburgische Kunst“. Ein Kritiker schrieb 1935 sogar: „Karl Kluth steht in der Vorhut der modernen deutschen Malerei.“ Der Maler selbst sah seine Situation in einem Brief an die Hamburger Kunstmäzenin Emmi Ruben skeptischer: „Das ist alles sehr nett, aber man hat das Gefühl, dass man nur noch für die Kollegen malt.“

1934 hatte Kluth zusammen mit Willem Grimm noch ein Norwegenstipendium erhalten. Am Ende dieser Reise besuchte Kluth ein letztes Mal Edvard Munch.

„Der große Eklat und das Ende jeglicher Freizügigkeit“, wie Maike Bruhns schreibt, kam für die moderne Kunst in Hamburg, als die Künstlerbundausstellung „Malerei und Plastik in Deutschland“ 1936 in der Hansestadt nach nur zehn Tagen geschlossen wurde. Aufgebrachte Nazis beschädigten im selben Jahr in Berlin zwei Aquarelle von Kluth.

Die Aktion „Entartete Kunst“ 1937

Während der staatlich angeordneten Aktion „Entartete Kunst“ im Jahr 1937 wurden Kluths Gemälde „Schneefeld in Norwegen“ (1934) und „Bildnis Hans Ruwoldt“ (1930) aus der Hamburger Kunsthalle genommen. Vermutlich sind beide Werke zerstört worden. Außerdem fielen etwa 23 Grafiken Kluths dieser Aktion zum Opfer.

„Fabrikausstellungen“

Außerhalb der für die Künste zuständigen Reichskammer veranstaltete Otto Andreas Schreiber innerhalb der Deutschen Arbeitsfront sogenannte Fabrikausstellungen für die Arbeiterschaft. Auch von Karl Kluth waren einige Blätter im Rahmen dieser Ausstellungen zu sehen.

Einkommenslage

Durch die Verhinderung seines Lehramts an der Hamburger Landeskunstschule hatten die Nazis Kluth eine sicher geglaubte Einkommensbasis genommen. Er musste sich deshalb weiterhin mit privatem Kunstunterricht durchschlagen. 1935 und 1937 erhielt er jeweils eine Unterstützung von der Amsinck-Stiftung. Auch die Kunstmäzenin Emmi Ruben half ihm durch Bilderkäufe (z. B. „Aschermittwoch“, 1934).

Seit 1937 arbeitete Kluth als Bühnenbildner an der städtischen Kieler Bühne für den Intendanten Kurt Eggers-Kestner, mit dem er befreundet war. Die Zusammenarbeit währte allerdings nur bis 1939. Im Sommer dieses Jahres gab es einen „Kulturbolschewismus“-Skandal wegen Kluths Bühnenbildern zu einer Wilhelm-Tell-Inszenierung. Eggers-Kestner stellte sich vor Kluth und verlor dadurch seinen Posten. Nur durch Beziehungen konnte er vor dem Konzentrationslager gerettet werden und tauchte anschließend in Berlin unter. Kluth ging nach Hamburg zurück. Im Sommer 1940 fand er vorübergehend eine Stelle als Porträt- und Stilllebenlehrer an der Kunstschule Schmilinsky. Er sprang für Eduard Bargheer ein, der von einer Studienfahrt nach Ischia nicht mehr zurückgekehrt war.

Kriegserfahrung

Im selben Jahr wurde er mit 42 Jahren zur Wehrmacht eingezogen. Nachdem er zunächst in Frankreich eingesetzt wurde, kam er anschließend an die Ostfront und geriet in sowjetische Gefangenschaft. Erst neun Jahre später, 1949, durfte er nach Hamburg zurückkehren. Nach der Heimkehr verarbeitete er seine Kriegserfahrungen in dem monumentalen Gemälde „Der Krieg“, das in Schloss Gottorf hängt.

Kunst nach dem Zweiten Weltkrieg

1950 wurde er in den Vorstand des Deutschen Künstlerbundes gewählt. Doch während das Informel in Deutschland nach dem Zweiten Weltkrieg als wichtigste, wenn nicht sogar als ausschließlich zu wertschätzende Kunstrichtung galt, blieb Kluth seinen realistischen Wurzeln treu. Er malte in Anknüpfung an den Hamburger Sezessionsstil weiterhin teilstilisierte Figurenbilder und Porträts. Dies bedeutete keinen Stillstand in der Entwicklung. Er bevorzugte nun größere Formate, die Gestalten füllten fast immer die gesamte Bildfläche aus, die Farben legten an Intensität zu. Die Bildoberfläche wurde reliefartiger. Die Naturform bearbeitete er so, dass sie schwer entzifferbar wurde, sozusagen „vergittert“ durch schraffurartige Flächen. Zeichnerische Elemente überzogen zunehmend das Bild.

Schüler

Kluth lehrte dreizehn Jahre lang, von 1952 bis 1965, an der Hochschule für bildende Künste in Hamburg. Als Lehrer bemühte er sich, seine Schüler eigenständig werden zu lassen. Großen Wert legte er auf Reflexionen und Gespräche, die er über die Vermittlung technischer Fertigkeiten stellte. Aus seiner Kunstklasse gingen beispielsweise die Maler der Gruppe ZEBRA (Dieter Asmus, Nikolaus Störtenbecker, Peter Nagel und Dietmar Ullrich) hervor.

Die letzten Jahre

Nach der Pensionierung arbeitete Kluth in seinem Atelier am Hamburger Grindelhof frei weiter. 1956 und 1966 zeigte der Hamburger Kunstverein zwei große Retrospektiven seines Schaffens. 1972 fand noch eine Ausstellung in Oldenburg statt. Karl Kluth starb am 15. Dezember 1972 an Herzversagen in seiner Wahlheimatstadt Hamburg; er wurde auf dem Friedhof Ohlsdorf beigesetzt.[2]

Werke (Auswahl)

  • Akt auf rotem Sofa, 1933 (Öl/Leinwand, 75 cm × 100 cm), Hamburger Kunsthalle
  • Wegespuren II, 1933 (Öl/Leinwand, 80 cm × 100 cm), Slg. Hamburger Sparkasse
  • Bildnis Gustav Schiefler, 1931 (Öl/Leinwand, 140 cm × 100 cm), Slg. Hamburger Sparkasse
  • Selbstbildnis Karl Kluth, 1937 (Öl/Leinwand, o.A.), Hamburger Kunsthalle
  • Karikatur zu Willem Grimm aus dem Almanach zum „Zinnoberfest“, 1933, 15,2 cm × 10,6 cm, Galerie Herold, Hamburg
  • Karikatur zu Fritz Kronenberg aus dem Almanach zum „Zinnoberfest“, 1933, 15,2 cm × 10,6 cm, Galerie Herold, Hamburg
  • Porträt Theodor Heuss, 1956 (Öl/Leinwand, 128 cm × 118 cm), Kieler Rathaus[3]

Ausstellungen

  • Künstlerische Tendenzen nach 1945 in Hamburg. Haspa-Galerie, Hamburg 2007

Einzelnachweise

  1. kuenstlerbund.de: Vorstände des Deutschen Künstlerbundes seit 1951 (abgerufen am 14. September 2015)
  2. Prominenten-Gräber
  3. kiel.de: Porträt Bundespräsident Prof. Dr. Theodor Heuss (abgerufen am 14. September 2015)

Literatur und Quellen

  • Volker Heydorn: Maler in Hamburg. Bd. 1 u. 2, Hamburg 1974 ff.
  • Maike Bruhns: Karl Kluth (1898–1972). in: Die Maler. Arthur Illies, Friedrich Ahlers-Hestermann, Karl Kluth. Hamburg 1989.
  • Helmut R. Leppien, in: Der Maler Willem Grimm, 1904–1986. Leben und Werk. Hamburg 1989.
  • Die Hamburgische Sezession. Die Kunstsammlung der Hamburger Sparkasse. (Hrsg.), Hamburg 2002.
  • Friederike Weimar: Die Hamburgische Sezession, 1919–1933. Fischerhude 2003.

Weblinks

 Commons: Karl Kluth – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien