Helen Blanchard

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Helen Augusta Blanchard (1897)

Helen Augusta Blanchard (* 25. Oktober 1840 in Portland, Maine; † 12. Januar 1922 in Providence, Rhode Island) war eine amerikanische Erfinderin. Zwischen 1873 und 1915 erhielt sie 28 Patente. Bekannt ist sie für viele Erfindungen, die sich mit Nähmaschinen und Nähtechniken beschäftigen.

Frühes Leben

Blanchard wurde am 25. Oktober 1840 in Portland, Maine, in eine wohlhabende Familie geboren. Ihr Vater Nathaniel Blanchard war Reeder und Geschäftsmann. Ihre Mutter war Phoebe Buxton Blanchard. Helen war eines von sechs Kindern. Sie hatte zwei Schwestern Louise Phobe und Persis E. und drei Brüder David H., Augustus und Albus. Helen zeigte schon früh eine erfinderische Denkweise, erhielt ihr erstes Patent jedoch erst mit über dreißig Jahren nach dem Geschäftseinbruch ihres Vaters. Es gibt keinen Hinweis darauf, dass sie eine mechanische oder technische Ausbildung erhalten hat, obgleich sie ihre Patente hauptsächlich in diesen Bereichen angemeldet hat.[1]

Erste Erfindungen und Umzug nach Boston – 1870er Jahre

Ihr Vater erlitt in der Wirtschaftskrise von 1866 finanzielle Verluste, was auch zum Verlust des Familiensitzes führte. Als Nathaniel starb, hinterließ er seine Familie in finanziellen Schwierigkeiten. Helen Blanchard zog nach Boston, Massachusetts um und ließ in den Jahren 1873 bis 1875 einige Erfindungen auf Nähmaschinen patentieren.[2]:518 Dazu gehörte auch die Blanchard-Übernähmaschine, welche gestrickte Stoffe gleichzeitig nähen und beschneiden konnte.[3]

Philadelphia und New York – die späten 1870er – 1890er Jahre

Nach der Entwicklung der Technik für Zick-Zack- und Übersäumnähten zog Blanchard nach Philadelphia, wo sie die Blanchard Overseaming Company of Philadelphia gründete, um ihre Erfindungen aus den späten 1870er und frühen 1880er Jahren zu vermarkten. 1882 gründete sie die Blanchard Hosiery Machine Company. Anfang der 1890er Jahre zog sie nach New York City und ließ weitere Erfindungen wie zum Beispiel einen Anspitzer[4] und eine Hutnähmaschine[2]:520 patentieren.

Späteres Leben und Vermächtnis

Nach ihren profitablen Unternehmungen kaufte sie den Familienbesitz in Portland zurück und zog 1901 selbst dorthin um. Sie ließ bis zu ihrem Schlaganfall 1916 weitere Erfindungen patentieren. Sie starb 1922 in Providence in Rhode Island und wurde in der Familienparzelle in Portlands Evergreen Cemetery begraben.[2]:520[5] Es ist nicht bekannt, was aus ihrem Besitz und Vermögen nach ihrem Tod wurde. 2006 wurde sie in die Nationale Ruhmeshalle der Erfinder aufgenommen.[6]

Patente

Helen Blanchard erhielt 28 Patente in 45 Jahren, 22 von ihnen beschäftigten sich mit Nähtechniken und Nähmaschinen. Auf viele dieser Erfindungen haben sich andere Erfinder in ihren Entwürfen bezogen.

  • 1873: Verbesserung von Nähmaschinen[7]
    Diese Erfindung ermöglichte einen Knopfloch- oder Zickzackstich, der einer Naht beim Verschließen mehr Festigkeit gab. Der Stich konnte durch verschiedene Weise variiert werden, z. B. durch die Variation der Nadeltiefe. Die Originalnähmaschine mit dieser Variation befindet sich zur Zeit im Smithsonian im Nationalmuseum für amerikanische Geschichte.
  • 1875: Verbesserung der elastischen Nähte für Kleidungsstücke[8]
    Bei dieser Erfindung handelt es sich um eine Nähmethode, bei der ein starker elastischer Stich produziert wird, der mit minimalen Änderungen im verwendeten Material einhergeht und die Einstellung der Gewebespannung möglich macht.
  • 1875: Verbesserung von Schuhen durch elastische Aussparungen[9]
    Diese Erfindung ist eine Möglichkeit Schuhe zu verstärken, indem sie einen verstärkten Spann bekommen, der die Schuhstücke zusammenhält. Eine Folge von Stichen bringt einen Normal- und einen Gummifaden zusammen und erzeugt eine Spannung, die mehr Bewegungen aushält als vorherige Methoden.
  • 1876: Verbesserung von gefalzten und abgedeckten Nähten[10]
    Bei dieser Erfindung handelt es sich um ein Verfahren, bei dem zwei Materialkanten, die einmal zu einer Naht zusammengenäht wurden, flach gemacht werden können. Dies kann entweder durch das Einlegen einer Kante oder durch das Nähen eines Streifens über die Naht erfolgen.
  • 1883: Spulengehäuse[11]
    Diese Erfindung ist eine einfache Abdeckung für Seiden-, Baumwollen-, Garnspulen oder für anderes Material, die die Spule vor Verschmutzung, Beschädigung oder Abwickeln schützt.
  • 1893: Verfahren zum Befestigen von Fransen und Kordeln an Materialecken[12]
    Diese Erfindung ist eine Methode zur Befestigung von Schilfblatt oder Kordeln an den Materialkanten, insbesondere zur Befestigung von Schilfrohreinlagen an Hutschweißbändern. Dies geschieht durch Falten der Materialkanten um die Schilfrohreinlage oder um die Kordel vor dem Nähen.
  • 1893: Nähnadel[13]
    Diese Erfindung verbesserte die Nähnadel, indem der Faden mit nur einer Hand eingefädelt werden konnte. Die Nadel hatte eine Verriegelung, so dass beim Einfädeln der Faden in einen Schlitz gelegt werden konnte, anstatt ihn durch das Loch zu fädeln.
  • 1894: Chirurgische Nadel[14]
    Diese Erfindung ist eine Verbesserung der bisherigen chirurgischen Nadeln. Sie hat eine Lanzettenspitze, die es ihr ermöglicht, die Haut leicht mit minimalem Widerstand zu durchbohren und somit weniger Schmerzen für den Patienten zu verursachen. Die Kerbe auf der Rückseite der Nadel ermöglicht es dem Faden, sich von der Nadel zu lösen, indem er von der Haut ausgeschoben wird.
  • 1900: Nähmaschinennadel[15]
    Diese Erfindung ist eine Nadel, die in Nähmaschinen verwendet wird, in denen ein oder mehrere Fäden verwendet werden, um Stiche zu bilden. Die Nadel durchsticht den Stoff und mit ihrer Kerbe liefert sie einen anderen Faden, um den Stich zu erzeugen.
  • 1901: Naht für genähte Artikel[16]
    Diese Erfindung ist eine Möglichkeit zwei Materialkanten, insbesondere Maschenware, und eine Überkante zu verbinden. Bei diesem Verfahren wird eine Reihe von Schlaufen gemacht, die aus einem einzigen Faden bestehen, der durch beide Materialkanten verläuft.
  • 1901: Hutnähmaschine[17]
    Diese Erfindung ist eine Anpassung an die Nähmaschine, die einen gemeinen Kettenstich mit einem Faden ermöglicht, um Schweißbänder und Leinenstreifen auf die Innenkante des Hutes zu nähen. Zuvor war diese Arbeit von Hand erledigt worden, so dass diese Maschine die Produktionsrate erhöhte.
  • 1914: Arten von Webkantennähten[18]
    Bei dieser Erfindung handelt es sich um ein Verfahren, bei dem in erster Linie die Enden von Strickereiwebkanten zusammengefügt werden. Es kann aber auch mit einem anderen Stoff für dekorative Zwecke verwendet werden. Dabei werden Wellen im Stoff geglättet und eine flache Naht erzeugt, was bisher nicht möglich war.

Siehe auch

Einzelnachweise

  1. Stanley, Autumn. Mothers and Daughters of Invention: Notes for a Revised History of Technology. New Brunswick, NJ: Rutgers U, 1995. Print.
  2. a b c Autumn Stanley: Mothers and Daughters of Invention. Scarecrow Press, Metuchen, NJ 1993.
  3. Francis E. Wilard et al.: Great American Women of the 19th Century: A Biographical Encyclopedia. Humanity Books, 2005, S. 117.
  4. (U.S. Patent No. 304,900 issued September 9, 1884)
  5. Lance Day, Ian McNeil: Biographical Dictionary of the History of Technology, 1. publ. in paperback.. Auflage, Routledge, London 1998, ISBN 0-415-19399-0.
  6. Spotlight | National Inventors Hall of Fame. Invent.org. 21. November 2013. Abgerufen am 29. Mai 2016.
  7. Blanchard, Helen A. Improvement in Sewing Machines. Helen A Blanchard, assignee. Patent US141987. 19 Aug. 1873. Print.
  8. Blanchard, Helen A. Improvement in Elastic Seams for Garments. Helen A Blanchard, assignee. Patent US162019. 13 Apr. 1875. Print.
  9. Blanchard, Helen A. Improvement in Elastic Goring for Shoes. Helen A Blanchard, assignee. Patent US167732. 14 Sept. 1875. Print.
  10. Blanchard, Helen A. Improvement in Welted and Covered Seams. Helen A Blanchard, assignee. Patent US174764. 14 Mar. 1876. Print.
  11. Blanchard, Helen A. Spool-Case. Helen A Blanchard, assignee. Patent US276344. 24 Apr. 1883. Print.
  12. Blanchard, Helen A. METHOD OF SECURING REEDS OR CORDS TO THE EDGES OF MATERIALS. Helen A Blanchard, assignee. Patent US496929. 9 May 1893. Print.
  13. Blanchard, Helen A. Sewing-Needle. Helen A Blanchard, assignee. Patent US500556. 4 July 1893. Print.
  14. Blanchard, Helen A. Surgical Needle. Helen A Blanchard, assignee. Patent US527263 A. 9 Oct. 1894. Print.
  15. Blanchard, Helen A. Sewing Machine Needle. Helen A Blanchard, assignee. Patent US659999. 16 Oct. 1900. Print.
  16. Blanchard, Helen A. SEAM FOR SEWED ARTICLES. Helen A Blanchard, assignee. Patent US683902. 8 Oct. 1901. Print.
  17. Blanchard, Helen A. Hat-Sewing Machine. Helen A Blanchard, assignee. Patent US684176. 8 Oct. 1901. Print.
  18. Blanchard, Helen A. Method of Selvage-Sewing. Helen A Blanchard, assignee. Patent US1089816. 10 Mar. 1914. Print.