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Halsamphora des Exekias (Berlin F 1720)

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Die Halsamphora des Exekias ist eine Amphora im schwarzfigurigen Stil des attischen Vasenmalers und Töpfers Exekias. Sie befindet sich im Besitz der Antikensammlung Berlin, wo sie unter der Inventarnummer F 1720 geführt und im Alten Museum ausgestellt ist. Sie zeigt auf einer Seite den Kampf des Herakles mit dem nemëischen Löwen, auf der anderen Seite die Söhne des Theseus. Die Thesiden werden auf dieser Vase erstmals in der attischen Kunst gezeigt. Die Amphore konnte wegen Nachlässigkeit und politischer Hürden erst fast 150 Jahre nach ihrem Auffinden originalgetreu restauriert werden.

Beschreibung

Herakles kämpft mit dem nemeischen Löwen

Die Halsamphora aus Ton ist 40,5 cm hoch. Sie wird in die Zeit um 545/40 v. Chr. datiert[1] und ist im zu der Zeit noch üblichen schwarzfigurigen Stil ausgeführt. Der Maler Exekias gilt als Meister dieses Stils der Vasenmalerei, den er zum Höhepunkt führte. Er führte einige Neuerungen und Verbesserungen ein, die zum Teil auch bei dieser Amphora zum Tragen kommen. Die Vase ist fragmentiert, aber zu weiten Teilen überliefert. Auffällig ist besonders das Fehlen eines der beiden Henkel, zudem fehlen ein paar Scherben des Vasenkörpers. Die erhaltenen Teile sind in gutem Zustand.

Beide Seiten[2] der Amphora sind in der Bauchzone sowohl oben als auch unten von Ketten aus gemalten und stilisierten Lotusblüten und Lotusknospen eingerahmt. Die Henkelzonen sind mit Voluten und Palmetten verziert. Die Bilder der beiden Seiten sind gleichrangig und nicht wie in späterer Zeit meist üblich in ein vorderes Hauptbild und ein weniger blickfangendes Bild auf der Rückseite unterteilt. Auf dem Mündungsrand befindet sich eine Signatur, die Exekias, den wohl bedeutendsten attisch-schwarzfigurigen Maler, sowohl als Töpfer als auch als Maler der Vase nennt („Exekias egraphse kai poese me“ – Exekias bemalte und machte mich)

Akamas und Demophon mit ihren Pferden

Auf einer Seite ist der Kampf zwischen Herakles und dem nemëischen Löwen dargestellt und zeigt damit eine der zwölf Aufgaben, die der Sohn des Zeus im Auftrag des Königs Eurystheus ausführen muss. Herakles erwürgt den ansonsten unverwundbaren Löwen im Beisein seines Bruders Iolaos und der Göttin Athene, die den Kampf interessiert, aber praktisch unbeteiligt beobachten. Sie wirken, als würden sie den Kampfplatz eingrenzen. Der nackte Herakles hat seinen linken Arm um den Nacken des Löwen gelegt und hält eine Pranke des Löwen mit der rechten Hand. Der Löwe versucht sich aus dem Griff des Heros zu befreien. Manche Einzelheiten sind in roter Deckfarbe hervorgehoben, wie zum Beispiel die Bärte der Brüder, der Schild der Athena oder auch Teile der Löwenmähne. Auf der anderen Seite der Vase sind die beiden Söhne des Theseus, Akamas und Demophon mit ihren Pferden, die wie die menschlichen Helden durch Beischriften namentlich benannt werden und als Kalliphora und Phalios benannt sind, zu sehen. Zwischen beiden Pferden, die von ihren Besitzern nach rechts geführt werden, verläuft eine senkrechte Lieblingsinschrift: „Onetorides kalos“ (Onetorides ist schön). Beide Männer tragen ihre großen Rundschilde über dem Rücken hängend und jeweils zwei Speere auf der Schulter gelagert. Die Schilde sind in weißer Deckfarbe hervorgehoben. Die Helme haben in Rot gefasste hohe Büsche. Die Thesiden werden hier bei ihrem Aufbruch zum Trojanischen Krieg gezeigt.

Iolaos, der Kampf zwischen Herakles und dem Löwen sowie Athena auf einer schwarzfigurigen Amphora der Gruppe von London B 174, um 540 v. Chr.

Die Bilder können als Gegenüberstellung zweier griechischer Gegenden verstanden werden, die nicht selten miteinander konkurrierten. Herakles ist der Held des Peloponnes, die Theseus-Söhne repräsentieren das attisch-athenische Selbstverständnis. Auf dieser Vase tauchen die Thesiden erstmals in der attischen Kunst auf. Gerade die Szene des Aufbruchs in den Trojanischen Krieg zeigt ein wachsendes Selbstbewusstsein der Athener. Die Teilnahme am sagenhaften Trojanischen Krieg ihrer Heroen hebt Athen symbolisch in eine Reihe mit den traditionsbewussten Stadtstaaten des Peloponnes, darunter der vorherrschenden Macht der Zeit, Sparta. In Zukunft wurden die Theseussöhne in der attischen Kunst Träger und Symbol des neuen Selbstbewusstseins der athenischen Aristokratie. Der Kampf zwischen Herakles und dem nemeischen Löwen ist ein häufiges Motiv der schwarzfigurigen Vasenmalerei dieser Zeit[3].

Fund- und Restaurationsgeschichte

Neben der kunsthistorischen Bedeutung ist das Schicksal der Vase und einzelner Vasenteile seit deren Auffindung[4] von archäologisch-historischem Interesse. Man fand die Vase in der etruskischen Nekropole bei Ponte dell’Abbadia in der Nähe von Vulci. In Athen produzierte man Vasen zu einem Großteil für den Export nach Etrurien, wo diese nicht selten als Grabbeigaben verwendet wurden. Deshalb wurden viele der Werke des Exekias in etruskischen Grabanlagen gefunden. Schon bei der Auffindung, in den etruskischen Gräbern bei Vulci grub man seit 1828, war die Vase zerbrochen und wahrscheinlich auch nicht mehr vollständig erhalten. Die noch aufgefundenen Scherben wurden offenbar nur sehr nachlässig zusammengestellt. Die Restauratoren ergänzten die Vase nach heutigen Erkenntnissen zudem zum Teil fehlerhaft. Wie es in der Mitte des 19. Jahrhunderts üblich war, wurden fehlende Stellen zudem aufwendig übermalt, um den Eindruck eines vollständigen Kunstwerkes zu erwecken. Nach der Restaurierung kam die Vase in den Besitz des Malers Eduard Magnus. Der Kauf solch kleinerer Kunstwerke war zu der Zeit Mode, vor allem, wenn man sich keine anderen, teureren und höher bewerteten Kunstwerke wie antike Statuen oder Schmuckstücke leisten konnte. Zusammen mit anderen seiner Stücke, die als Dorow-Magnus'sche Sammlung bezeichnet werden, gelangte die Amphora nur wenig später, 1831, in das gerade neu gegründete Museum am Lustgarten. Sie stand gemeinsam mit anderen Ausstellungsstücken aus dem Bereich der Kleinkunst im Souterrain des Museums. Nach dem von Konrad Levezow verfassten Sammlungskatalog von 1834 stand die Vase auf einem der an prominenter Stelle platzierten Glastische. Als die Kleinkunstsammlung ins Neue Museum verlegt wurde, brachte man auch Exekias' Amphora dorthin.

In den 1920er-Jahren musste die Vase aus heute nicht mehr nachprüfbaren Gründen erneut restauriert werden. Dabei wurden die Retuschen und Ergänzungen der ersten Restaurierung zu einem großen Teil entfernt. Nun waren die Ergänzungen von den originalen Scherben unterscheidbar. Mit der kriegsbedingten Schließung und Auslagerung der Artefakte wurde auch Berlin F 1720 in Kiste 167 im Zoobunker eingelagert. 1945 kam die Kiste als Beutekunst in die Sowjetunion. Im Zuge der Kunstrückgabe an die DDR kam die Vase 1958 – anders als mehrere andere Stücke der Kiste 167 – zurück in die Antikensammlung Berlin, die nun zweigeteilt in Ost– und West-Berlin untergebracht war. Die Exekias-Vase war eine der wenigen Vasen, die ins Ostberliner Pergamonmuseum kam, da der Großteil des Vasenbestandes im Magazin eingelagert war, Magazinbestände an einem anderen Ort gelagert wurden und nach dem Krieg den Grundstock der West-Berliner Antikensammlung in Charlottenburg bildeten. Die Amphora wurde in der ständigen Ausstellung des Museums präsentiert.

In den 1970er-Jahren fand die Archäologin Erika Kunze-Götte bei Arbeiten zu einem Band des Corpus Vasorum Antiquorum in München ein zweiteiliges Fragment, von dem sie vermutete, dass es zur Exekias-Amphora gehöre. In der Folgezeit begann ein reger Briefverkehr zwischen München und Ostberlin. Fotos und Umrisszeichnungen wurden ausgetauscht und Messungen vorgenommen. Ein Silikonabguss bestätigte schließlich die Zusammengehörigkeit der Stücke. Vermutlich waren die einzelnen Scherben erst später gefunden oder fälschlicherweise nicht als zusammengehörig erkannt worden. Bei der Überlegung, ob man einen Tausch vornehmen oder eine Dauerleihgabe vereinbaren sollte, einigte man sich auf einen Tausch. Als Austauschobjekt sollten die Staatlichen Antikensammlungen in München einen ornamental-schwarzfigurig-polychrom bemalten Deckel aus dem Pergamonmuseum bekommen. Obwohl man sich so schnell auf wissenschaftlicher Basis geeinigt hatte, kam es dann zu einem erheblichen Zeitverzug, da die DDR-Behörden sieben Jahre brauchten, um das Tauschgeschäft abzusegnen. Am 7. Januar 1988 kam es schließlich in München zum Austausch der Stücke.

Amphora aus dem Umkreis der Gruppe E, ebenfalls mit der Darstellung des Kampfes von Herakles gegen den nemeischen Löwen, aus derselben Zeit, heute zusammen mit der Amphora F 1720 präsentiert
Präsentationder Arbeiten des Exekias und der Gruppe E in bis 2010 Berlin

Nach der Vereinigung der Stücke musste die Vase ab 1990 erneut restauriert werden. Zunächst versuchte man einfach, die alte Ergänzung herauszuschneiden und das neue Fragment einzufügen. Dabei wurde festgestellt, dass die Fehlstelle von den früheren Restauratoren zu klein bemessen worden war. Somit musste die Vase auseinandergenommen werden. Doch stellte sich dies letztlich als Glücksfall heraus. So fand die Restauratorin Priska Schilling beispielsweise unter alten Übermalungen den Buchstaben o der Beischrift (I)olaos. Außerdem wurde am ergänzten Henkel ein noch originaler Henkelansatz gefunden. Auf mehreren Scherbeninnenseiten fand man zierliche eingeritzte Inschriften wie „o pais kalos“ (der Knabe ist schön) und „kalos“ (schön). Es wird vermutet, dass das ein Scherz eines früheren Restaurators, möglicherweise von Domenico Campanari in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts, war. 1991 war die Restaurierung der Vase abgeschlossen.

Heute ist die Vase im Alten Museum am Lustgarten ausgestellt, wo sie zusammen mit den Grabtafeln des Exekias und einer Amphora aus dem Umkreis der Gruppe E, wohl aus der Werkstatt des Exekias stammend, präsentiert wird. Die Amphora aus derselben Zeit zeigt ebenfalls den Kampf des Herakles mit dem nemeischen Löwen. Exekias' Amphora gehört zum Bestand der Antikensammlung Berlin.

Literatur

Weblinks

Anmerkungen

  1. Daten siehe im Perseusprojekt
  2. Die Beschreibung der Vase folgt der Beschreibung im Katalog der Antikensammlung (siehe Literaturliste) und dem Perseuskatalog
  3. siehe beispielsweise Frank Brommer: Herakles. Die zwölf Taten des Helden in antiker Kunst und Literatur, Wissenschaftliche Buchgesellschaft, Darmstadt 1972 ISBN 3-412-90572-0
  4. Die Darstellung der Fundgeschichte folgt Ursula Kästner: Ein deutsch-deutsches Vasenschicksal, in: EOS IX (November 1999), S. VII-IX
Dieser Artikel wurde am 10. Dezember 2007 in dieser Version in die Liste der lesenswerten Artikel aufgenommen.

Koordinaten: 52° 31′ 10″ N, 13° 23′ 54″ O