Geschichte Nigers

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Karte des Niger

Dieser Artikel behandelt die Geschichte Nigers.

Vorkoloniale Zeit

In Zeiten, in denen die heutige Sahara feuchter war, war das Gebiet des heutigen Niger dicht besiedelt. Die Gräber von Gobero stammen aus zwei Epochen, von 7700–6200 v. Chr. und aus der so genannten Rinderzeit, die hier abweichend von anderen Regionen um 5200 v. Chr. begann und bis 2500 v. Chr. dauerte. Sie sind die ältesten bekannten Gräber des heutigen Sahara-Gebietes. Mit der Austrocknung und Verwüstung der Landschaft zogen die Menschen weiter nach Süden, sodass der Norden Nigers heute nur dünn von Tuareg-Nomaden besiedelt ist.

Im Gebiet des heutigen Niger setzte sich seit dem 7. Jahrhundert der Islam langsam, im 11. Jahrhundert jedoch endgültig durch. Die Region stand lange unter dem Einfluss benachbarter Staatswesen wie dem Songhaireich (im 7. Jahrhundert v. Chr.) sowie Gao (seit 1010) und dem Malireich (14. Jahrhundert). Sei dem 11. Jahrhundert wurde Fernhandel mit dem Mittelmeerraum betrieben; Agadez wurde als Handelsplatz begründet. Die Songhay bauten seit Ende des 15. Jahrhunderts ein mächtiges islamisches Reich auf, das Ende des 16. Jahrhunderts nach Kämpfen mit Marokko zusammenbrach. Danach geriet Niger unter den Einfluss von Kanem-Bornu sowie des Emirats Katsina, Gobir und diversen anderen Hausastaaten (seit dem 17. Jahrhundert). In Zinder entstand 1731 das von Hausa und Tuareg getragene große und mächtige Sultanat Damagaram, das von Abgaben auf den Karawanenhandel lebte. Seine Sultane üben bis heute eine zeremonielle Funktion aus. Die Hausa-Dynastien wurden jedoch seit Beginn der 19. Jahrhunderts zunehmend von arabischen Dschihadisten und dem Kalifat von Sokoto in Nord-Nigeria bedroht, die den Emiren einen nur nominellen Übertritt zum Islam vorwarfen und nach kriegerischen Auseinandersetzungen die Hausa-Emirate übernahmen. In dieser Zeit konnte sich jedoch ein Zarma-Staat in Dosso etablieren.[1]

Kolonie Frankreichs

1898 wurde der Leiter einer französischen Expedition in Zinder im Auftrag des Sultans von Damagaram ermordet. Der Vergeltungsschlag war durch extreme Graumsamkeit gekennzeichnet. Die Hauptleute zahlten ihren Soldaten sogar Sold in Form von Sklaven aus.[2] England und Frankreich einigten sich im gleichen Jahr endgültig auf die künftigen Grenzverläufe ihrer Kolonien im Oberen Senegal, wie das Gebiet damals genannt wurde. 1899/1900 kam es zu weiteren erbitterten Kämpfen gegen die Kolonialtruppen. 1901 etablierten sich diese endgültig in Zinder, das 1903 durch Niamey als Hauptstadt abgelöst wurde (bis auf die Zeit 1910–26). Seit 1912 war das Nigerterritorium Bestandteil Französisch-Westafrikas. In den 1930er Jahren setzte eine intensive katholische Mission ein. 1945 wurde Niger französisches Überseeterritorium und entsandte Abgeordnete in die französische Nationalversammlung.[3] Das Frauenwahlrecht wurde 1956 eingeführt.[4] Die erste Regierung Nigers stellte 1957 Djibo Bakary von der Partei Sawaba zusammen. Bakary trat 1958 zurück, als seine Partei ein Referendum über die vollständige Unabhängigkeit verlor.

Unabhängigkeit

Der deutsche Bundespräsident Heinrich Lübke 1969 beim Staatsbesuch in Niger

1958 wurde Niger zu einer autonomen Republik der Französischen Gemeinschaft und erlangte am 3. August 1960 die Unabhängigkeit. Erster Präsident wurde Hamani Diori. 1974 wurde er in einem Militärputsch gestürzt, da ihm Korruption vorgeworfen wurde und zudem eine Dürre und Hungersnot für Unzufriedenheit sorgte. Es wurde der Oberste Militärrat gebildet, der das Land regierte. An dessen Spitze stand Oberst Seyni Kountché.

1971 begann der Uranbergbau im Niger, der im 21. Jahrhundert stark ausgebaut wurde.

Nach dem Tod Kountchés im November 1987 wurde General Ali Saibou sein Nachfolger. Erst 1990 führte eine Welle von Streiks und Demonstrationen zur Zulassung von Oppositionsparteien. Bei einer im Juli 1991 einberufenen Verfassungskonferenz wurden die Machtbefugnisse des Präsidenten für nichtig erklärt und eine Übergangsregierung unter André Salifou einberufen.

Schließlich wurde 1992 eine neue Verfassung per Volksentscheid angenommen. 1993 fanden Parlamentswahlen statt, aus der die Allianz der Kräfte des Wandels (AFC), eine Koalition von acht Parteien, als haushoher Sieger hervorging. Einen Monat später wurde Mahamane Ousmane, der Führer der AFC, zum Präsidenten gewählt. Der erste AFC-Premierminister trat im September 1994 zurück, nachdem seine Partei die Allianz verlassen hatte.

Es gelang seinem Nachfolger nicht, eine Parlamentsmehrheit zu führen, so dass für Januar 1995 Neuwahlen angesetzt wurden. Daraus ging der Mouvement National de la Société de Développement (MNSD, die ehemalige Einheitspartei) mit 29 Sitzen als stärkste einzelne Partei hervor. Es wurde eine Mehrparteienkoalition gebildet.

Am 24. April 1995 wurde das Abkommen von Ouagadougou zwischen der Regierung Nigers und den Tuareg-Rebellen der Organisation des bewaffneten Widerstands unterzeichnet, das einen dreijährigen Bürgerkrieg vorerst beendet. Das Friedensabkommen wurde unter Vermittlung Frankreichs, Burkina Fasos und Algeriens ausgehandelt. Da die Regierung Nigers das Abkommen nie richtig umsetzte, bemühten sich die Tuareg-Rebellen um weitere Gespräche. Am 15. Dezember 1995 kam Mano Dayak, der Anführer der Koordination des bewaffneten Widerstands, ums Leben, als sein Flugzeug auf dem Weg zu Verhandlungen mit dem nigrischen Premierminister explodierte.

Im Januar 1996 kam es zu einem weiteren Militärputsch und die bestehende Verfassung wurde außer Kraft gesetzt. Neuer Präsident wurde Oberst Ibrahim Baré Maïnassara. Der von den Putschisten ernannte Regierungschef Boukary Adji bildete ein Übergangskabinett, dem nur Zivilisten angehörten.

1996 wurde durch ein Referendum eine neue Verfassung angenommen. Im November 1997 erklärte Präsident Maïnassara die seit Ende Dezember 1996 amtierende Regierungsmannschaft für inkompetent. Maïnassara löste die Regierung von Amadou Boubacar Cissé auf und ernannte zwei Tage später Ibrahim Hassane Mayaki zum neuen Ministerpräsidenten.

Am 9. April 1999 starb Maïnassara bei einem Militärputsch. Wenige Tage danach wurde als Regierungsgremium ein aus Militärs bestehender Nationaler Versöhnungsrat mit General Daouda Malam Wanké als Vorsitzendem eingesetzt. Da Wanké möglichst rasch die Regierungsverantwortung an eine Zivilregierung übertragen wollte, fanden am 26. November Präsidentschaftswahlen statt. Dabei wurde der ehemalige Oberst Tandja Mamadou, der Kandidat des Mouvement National pour la Société de Développement (MNSD), zum neuen Staatsoberhaupt gewählt. Neuer Regierungschef wurde Hama Amadou vom MNSD.

2005/2006 kam es zu einer Hungerkrise im Niger.

Da die Regierung des Niger das Friedensabkommen von Ouagadougou nie ganz umgesetzt hatte, brach Anfang 2007 erneut ein Aufstand der Tuareg-Rebellen (Bewegung der Nigrer für Gerechtigkeit, MNJ) aus. Der MNJ fordert von der Regierung in Niamey vor allem, ihre traditionellen Weidegebiete nutzen zu können. Die Regierung Nigers erlaubt Firmen aus Frankreich, USA, China und Kanada, in den Weidegebieten der Tuareg Uran abzubauen. Im August 2007 griff der Konflikt auf das benachbarte Mali über. Bei einem Putsch am 18. Februar 2010 wurde Tandja Mamadou von einer Militärjunta unter Führung des Geschwaderkommandeurs Salou Djibo abgesetzt und die Verfassung außer Kraft gesetzt.[5]

Weblinks

 Commons: Geschichte Nigers – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

  1. Abdourahmane Idrissa, Samuel Decalo: Historical Dictionary of Niger. 4. Auflage, Lanham MD 2012, S. XXV f.
  2. Franz Ansprenger: Politik im Schwarzen Afrika: Die modernen politischen Bewegungen im Afrika französischer Prägung. Springer Verlag 2013, S. 23.
  3. Abdourahmane Idrissa, Samuel Decalo: Historical Dictionary of Niger. 4. Auflage, Lanham MD 2012, S. XXVII ff.
  4. Jad Adams: Women and the Vote. A World History. Oxford University Press, Oxford 2014, ISBN 978-0-19-870684-7, Seite 438
  5. Putschende Militärs verschleppen Präsidenten. In: Spiegel Online. 18. Februar 2010, abgerufen im 2. Dezember 2014.