Franco Modigliani

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Franco Modigliani (2000, im Alter von 82)

Franco Modigliani (* 18. Juni 1918 in Rom; † 25. September 2003 in Cambridge, Massachusetts) war ein italienisch-amerikanischer Wirtschaftswissenschaftler und Nobelpreisträger.

Leben

Franco Modigliani wurde am 17. Juni 1918 in einer jüdischen Familie in Rom geboren. Sein Vater, Enrico Modigliani, war Kinderarzt, sein Mutter, Olga geborene Flaschl, Sozialarbeiterin. Seine Eltern hofften er würde den beruflichen Orientierungen des Vaters folgend, Medizin studieren. Wegen seiner geringen Toleranz für körperliches Leid und Blut entschied er sich aber zunächst für die Rechtswissenschaften. Mit 17 schrieb er sich an der Universität Rom ein. Während der Studienzeit wurde er Mitglied der faschistischen Hochschulgruppe GUF und gewann einen der I littoriali-Wettbewerbe. Die damit verbundene schriftliche Arbeit bestärkte ihn aber in seiner Motivation für die Wirtschaftswissenschaften. Durch seinen freundschaftlichen Kontakt zu einem Antifaschisten und während eines England-Aufenthaltes 1935 wurde er mit der Kritik an der kriegerischen Politik Mussolinis.[1] konfrontiert und orientierte sich deutlich antifaschistisch.

1938 wurden in Italien die sogenannten Rassegesetze in Kraft gesetzt. Aufgrund seiner jüdischen Herkunft und seiner antifaschistischen Ansichten hielt er sich zunächst in Paris auf. Hier heiratete er im Mai 1939 Serena Calabi und bemühte sich sein Studium an der Sorbonne fortzusetzen. Auf Grund des hier herrschenden geringen Leistungsdruckes schrieb er nebenbei seine Doktorarbeit in der Bibliothek St. Genevieve. Nur kurzzeitig kam er im Juni nach Rom zurück um seine Promotionsarbeit zu verteidigen. Im August 1939 verließ er Italien und emigrierte in die USA und kam kurz vor Ausbruch des Zweiten Weltkrieges in New York an. Da er von der Graduierungsfakultät für Politik und Sozialwissenschaften in New York ein Stipendium erhielt nahm er im Herbst ein dreijähriges Studium auf.

Nach Abschluss des Studiums 1941 nahm er eine Tätigkeit als Ausbilder am College für Frauen in New Jersy an. Bereits im folgenden Jahr wechselte er als Lehrer für Wirtschaft und Statistik ans Bard College der Columbia University. Hier veröffentlichte er im Januar 1944 in der Zeitschrift Econometrica seinen ersten Artikel in Englisch zum Thema "Liquidity Preference" in dem er Teile seiner Doktorarbeit neu verarbeitete. Im gleichen Jahr kehrte er an das Institut für Weltangelegenheiten der New School in New York zurück und beschäftigte sich hier vorrangig mit Themen des Nationaleinkommens und des Handels. Einen wissenschaftlichen Beitrag leistete er zur Erforschung des Sparens der später als Duesenberg-Modigliani-Hypothese bekannt wurde. 1948 erhält er das Political Economy Fellowship der University of Chicago, verlässt New York und wird Research Consultant der Cowies Commission for Research Economics. Wenig später nimmt er ein Stellenangebot als Leiter eines Forschungsprojektes der University Illinois über "Erwartungen und Geschäftsschwankungen" an. In den Jahren von 1953 bis 1954 ist er intensiv mit der Ausarbeitung der "Life Cycle Hypothesis of Saving" befasst und arbeitet Ende der 50iger Jahr an einem Buch über die Probleme der optimalen Geschäftsglättung. 1960 wurde er in die American Academy of Arts and Sciences gewählt, 1973 in die National Academy of Sciences. Ab 1962 unterrichtete er als Gastprofessor am Massachusetts Institute of Technology.

Im Jahr 1976 stand Modigliani der American Economic Association als gewählter Präsident vor.[2]

Forschung

Zusammen mit Merton H. Miller erarbeitete er das Modigliani-Miller-Theorem zur Unternehmensfinanzierung.

Für die von ihm entwickelte Lebenszyklushypothese erhielt der Wirtschaftsprofessor 1985 den Preis für Wirtschaftswissenschaften der schwedischen Reichsbank im Gedenken an Alfred Nobel. Der Neokeynesianer war auch für die amerikanische Notenbank als Berater tätig.

Er kritisierte in den letzten Jahren wiederholt das Konjunkturpaket von Präsident George W. Bush, das kaum Anreize zu Investitionen gebe und die Nachfrage nur ungenügend ankurbele. Auch Italiens Silvio Berlusconi kritisierte er oft. (Zitat: „Sicher gibt es in Italien viel weniger Kommunisten. Aber es gibt viel mehr Berlusconis. Das ist das Problem.“)

Am 25. September 2003 verstirbt Franco Modigliani in Massachusetts.

Weblinks

 Commons: Franco Modigliani – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

  1. http://www.treccani.it/enciclopedia/franco-modigliani_(Dizionario-Biografico)/
  2. Past and Present Officers. aeaweb.org (American Economic Association), abgerufen am 28. Oktober 2015 (englisch).