Fran Bow

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Fran Bow
StudioKillmonday Games
PublisherKillmonday Games
Leitende EntwicklerNatalia Figueroa
KomponistIsak J. Martinsson
Erstveröffent-
lichung
27. August 2015
PlattformAndroid, iOS, Linux, OS X, Windows
GenreAdventure
SteuerungMaus
MediumDownload
SpracheDeutsch, Englisch, Russisch, Spanisch
Altersfreigabe
PEGI ab 16 Jahren empfohlen

Fran Bow ist ein Point-and-Click-Adventure des schwedischen Entwicklungsstudios Killmonday Games aus dem Jahr 2015. Es behandelt das Schicksal eines zehn Jahre alten Mädchens namens Fran und ist, obwohl in Inhalt und Visualisierung oftmals kindgerecht, dem Genre Horror zuzuordnen.

Handlung

1944: Die zehnjährige Fran Bow ist Insassin der Nervenheilanstalt Oswald Asylum. Das Mädchen musste mit ansehen, wie ihre Eltern brutal ermordet wurden, und ist seitdem traumatisiert. In der Anstalt hat sie keinen Kontakt zu ihrem einzigen Freund, ihrer Katze Mr. Midnight, was ihre Stimmung zusätzlich trübt. Der Psychiater Marcel Deern behandelt sie mit merkwürdigen Medikamenten, die sie in eine düstere, schreckliche Parallelwelt versetzen. Nachdem sie lernt, bewusst zwischen Realität und Parallelwelt zu wechseln, beschließt sie, aus der Anstalt auszubrechen, ihre Katze zu suchen und den Tod ihrer Eltern aufzuklären. Auf ihrer Reise verschwimmen reale und Parallelwelt immer mehr. Nachdem sie Mr. Midnight gefunden und eine allegorische Fantasiewelt voller sprechender Insekten und Wurzelknollen durchquert hat, muss sie zu Hause feststellen, dass sie Opfer medizinischer Experimente wurde und beim Tod ihrer Eltern eine entscheidende Rolle spielte. Die Geschichte des Spiels wird am Ende nicht aufgelöst und lässt Raum für Interpretation.[1]

Spielprinzip und Technik

Fran Bow ist ein Point-and-Click-Adventure. Aus Sprites zusammengesetzte Figuren agieren vor handgezeichneten, teilanimierten Kulissen. Mit der Maus kann der Spieler seine Spielfigur durch die Örtlichkeiten bewegen und mit den Maustasten Aktionen einleiten, die den Spielcharakter mit seiner Umwelt interagieren lassen. Fran Bow kann so Gegenstände finden und sie auf die Umgebung oder andere Gegenstände anwenden sowie mit NPCs kommunizieren. Mit fortschreitendem Handlungsverlauf werden weitere Orte freigeschaltet. Einige in die Spielhandlung integrierte Minispiele erfordern motorisches Geschick, können aber übersprungen werden. Gelegentlich schlüpft der Spieler in die Rolle der Katze Mr. Midnight, um als diese einige Rätsel zu lösen. Eine Besonderheit des Spiels ist der Wechsel zwischen zwei Bewusstseinsebenen sowie verschiedenen Jahreszeiten. Wenn Fran in die Parallelwelt wechselt, ist dort die Anordnung der Räumlichkeiten, NPCs und Gegenstände gleich, die Spielwelt ist mithin gespiegelt, allerdings sind alle Objekte in düstere Abwandlungen verwandelt. Manipulationen von Objekten und Interaktionen mit NPCs in der Parallelwelt haben direkte Auswirkung auf die reale Welt, woraus sich im Spiel zahlreiche Möglichkeiten für Rätsel ergeben. Das gleiche Prinzip findet in der Fantasiewelt Ithersta abgewandelt Anwendung: Mittels einer Maschine lässt sich die Jahreszeit einstellen, was jeweils unterschiedliche Aktionsmöglichkeiten mit Umwelt und NPCs eröffnet. Das Spiel verfügt aus Budgetgründen über keine Sprachausgabe, sondern lediglich über Untertitel in verschiedenen Sprachen.

Die Android-Version ist pro Kapitel in einzelne Applikationen unterteilt, die einzeln erworben werden müssen.

Produktionsnotizen

Die in Schweden lebende, gebürtige Chilenin Natalia Figueroa war ursprünglich als Regisseurin tätig und veröffentlichte 2010 den Kurzfilm Säg farväl Isabell.[2] Unter dem Eindruck, Geschichten mit filmischen Mitteln nicht mehr zufriedenstellend umsetzen zu können, wandte sie sich gemeinsam mit ihrem Co-Autor und Ehemann Isak Martinsson, der für Fran Bow den Score komponierte, dem Medium Videospiel zu.[3] Die Entwicklung von Fran Bow begann 2012. Die Finanzierung des Spiels erfolgte teilweise über eine Crowdfunding-Kampagne auf der Plattform Indiegogo, über die im Juli 2013 20.000 US-Dollar eingenommen werden sollten. Letztendlich konnten 28.300 US-Dollar erzielt werden.[4] Eine Veröffentlichung wurde für Juli 2014 anvisiert. Die beiden Entwickler mussten von den erzielten Einnahmen bis zur Veröffentlichung des Spiels leben, was durch eine Erbschaft Martinssons unterstützt wurde.[5] Die Veröffentlichung des Spiels erfolgte im August 2015 über Download-Plattformen wie Gog.com oder Steam. Im ersten Monat nach Erscheinen des Spiels verkauften Killmonday Games etwa 10.000 Kopien.

Einige Hintergrundmotive des Spiels beruhen auf Erlebnissen von Autorin Natalia Figueroa in ihrer Kindheit.[6] Weitere Einflüsse sind laut Figueroa Musicals der 1940er-Jahre, Kafka, Poe und der surrealistische Horrorfilm Eraserhead.[3]

Die Versionen für PCs erschienen im August 2015. Die Android-Version folgte im Februar 2016, die iOS-Version im darauffolgenden März.

Rezeption

Bewertungen
PublikationWertung
Adventure Gamers4/5[7]
Adventure-Treff83 %[1]
Metawertungen
Metacritic70[8]

Aus 6 aggregierten Wertungen erzielt Fran Bow auf Metacritic einen Score von 70.[8] Das Fachmagazin Adventure-Treff übte leichte Kritik am offenen Ende des Spiels und hielt fest, dass das Spiel trotz der grundsätzlich an ein Kinderbuch erinnernden Optik wegen des exzessiven Einsatzes von Gore-Elementen keinesfalls für Kinder geeignet sei. Das Magazin lobte Story, Charakterzeichnung und Rätseldichte des Spiels, kritisierte aber die deutsche Übersetzung und die Grafik, die teilweise aussähe, "als wäre sie im Rahmen eines LSD-Versuchs im Kindergarten entstanden".[1] AdventureGamers hob die Diskrepanz zwischen der kindgemäßen Wahrnehmung der Spielwelt durch Fran Bow und den "erwachsenen" Themen wie Verlust geliebter Menschen, Realitätsverlust, Selbstverletzung und Pädophilie hervor und hielt fest, dass die Einordnung, was von Fran Bows Erlebnissen real sei und was nur in ihrem Kopf geschehe, der persönlichen Interpretation des Spielers obliege. Das Magazin lobte die einprägsamen Charaktere, die gruselige Atmosphäre und die Spielzeit des Spiels, kritisierte aber einige Logiklücken im Plot und warnte, dass selbiger sowie die optische Aufmachung für einige Spieler zu düster sein könnten.[7] Rock, Paper, Shotgun sah konzeptuell eine Anlehnung an Alice im Wunderland und Der Zauberer von Oz und vom Setting her Ähnlichkeiten zum 1988 erschienen Rainbird-Spiel Weird Dreams.[9] Rezensent Adam Smith äußert Bewunderung für die Analyse- und Reflexionsfähigkeit des Spielcharakters Fran Bow und die zahlreichen gelungenen allegorischen NPCs, die abstrakte Konzepte wie den Tod oder Traumata verkörperten. Er kritisierte diverse lose Enden im Plot, die über die Spieldauer nicht aufgelöst würden. Joel Couture legte in einem Essay auf Gamasutra dar, dass das offene Ende eine notwendige Entscheidung beim Designprozess gewesen sei, da eine geschlossene Handlung die Immersion des Spielers zerstört und ihn unbefriedigt zurückgelassen hätte. Das Gesamtbild, das sich der Spieler von Fran Bow mache, werde entscheidend durch die Interpretation des Spielers nach dem offenen Ende geprägt.[10]

Weblinks

Einzelnachweise

  1. a b c Adventure-Treff.de: Fran Bow. Abgerufen am 12. Juni 2016.
  2. IMDB.com: Säg farväl Isabell. Abgerufen am 12. Juni 2016.
  3. a b AdventureCorner.de: Interview mit Killmonday. Abgerufen am 12. Juni 2016.
  4. Indiegogo.com: Fran Bow : A Very Creepy Point & Click Adventure. Abgerufen am 2. Juni 2016.
  5. Killmonday-Blog: Fran Bow and the Mortem-Post. Archiviert vom Original am 5. April 2016; abgerufen am 11. Juni 2016.
  6. RockPaperShotgun.com: Interview: Killmonday On Fran Bow, Mental Health, Beauty. Abgerufen am 3. Juni 2016.
  7. a b AdventureGamers.com: Fran Bow. Abgerufen am 12. Juni 2016.
  8. a b Metacritic.com: Fran Bow. Abgerufen am 12. Juni 2016.
  9. RockPaperShotgun.com: Fran Bow Is A Worthy Heir To Wonderland. Abgerufen am 11. Juni 2016.
  10. Gamasutra.com: Fran Bow and the appeal of the ambiguous ending. Abgerufen am 12. Juni 2016.